MyMz
Anzeige

Maibockfest

Stoiber und die nackten Zahlen

Wolfgang Krebs brillierte in Burglengenfeld als Imitator dreier bayerischer Ministerpräsidenten. Die „Bayerischen Löwen“ erhielten Ovationen.

Wolfgang Krebs als ehemaliger Ministerpräsident Günther Beckstein mit Musikern der „Bayerischen Löwen“ Foto: bjs

Burglengenfeld. Seit Samstag ist im VAZ das Maibockfest im Gange, das am Mittwoch mit der „Altneihauser Feierwehrkapelln“ seinen krönenden Abschluss findet. Einer der Höhepunkte war auch die Fastenpredigt von Wolfgang Krebs am Sonntagabend, der vor etwa 250 Besuchern in die Rolle der bayerischen Ministerpräsidenten Stoiber, Beckstein und Seehofer schlüpfte und ihr politisches Wirken noch einmal auf sehr amüsante Weise Revue passieren ließ. Mit ihren sehr schrägen und humorvollen musikalischen Inszenierungen, die beim Publikum mehrfach stehende Ovationen hervorriefen, sorgten „Die Bayerischen Löwen“ dafür, dass auch in den Zwischenpausen keine Langeweile aufkam.

Mit dem bayerischen Defiliermarsch wurde der aktuelle Ministerpräsident Horst Seehofer angekündigt, der sich wunderte, dass die erste Reihe im Publikum, wo normalerweise immer die Bürgermeister und sonstige „Freibierlätschn“ sitzen, nicht besetzt war. Sitzt nach seiner Ansicht doch in der Regel die Prominenz ganz vorne und die Intelligenz ganz hinten. Im Vergleich zu seiner Rede, die er halten wolle, verglich er das Alte Testament mit einem wahren Liebesroman. Er ging sofort auf seine politische Mannschaft los, die mit dem Arsch alles einreiße, was er mit seinem Kopf aufgebaut habe. An seinem Gegenkandidaten Christian Ude ließ er ebenfalls kein gutes Haar, denn er habe nur eine einzige Vision für Bayern – ein flächendeckendes Angebot bayerischer Volksfeste mit sich als berühmtesten „Ozapfer“. Kritik an sich ließ Seehofer nicht aufkommen. Er habe zwar schon viele Versprechen gebrochen, aber er könne ja jederzeit neue machen – hö hö hö.

Krebs schlüpfte auch in die Rolle von Günther Beckstein, der lustige Franke mit der kurzen Karriere, der mittlerweile ganz froh ist, nicht mehr das Amt des bayerischen Ministerpräsidenten ausüben zu müssen. Ein Psychiater hätte ihm dazu geraten, diese Meinung gegenüber dem Wähler zu äußern. Seine Frau Marga hatte sich nämlich immer geweigert, auf der Wiesn ein „Tirndl“ zu tragen. Egal, ob es Nacht war oder „Fastnacht“, es sei ein Alptraum von Beckstein gewesen: „Ich auf der Wiesn und die Marga im Kostüm.“

Ja, er gab zu, irgendwann einmal gesagt zu haben, dass man mit zwei Maß Bier noch Autofahren könne. Doch wer hätte dabei schon gedacht, dass sich die Bischöfin Käßmann seine Aussage zum Vorbild nehme. Außerdem: In Bayern hätte sich sowieso kein Polizist getraut, die Bischöfin anzuhalten und sie blasen zu lassen.

In der Rolle von Edmund Stoiber lief Krebs zur Höchstform auf. Erst verwechselte er tatsächlich die Veranstaltung und dachte, in der Augsburger Puppenkiste reden zu müssen. Dann gestand er seinen Fehler nicht mal ein. Er könne doch nichts dafür, wenn das Publikum das falsche sei. Da er ohne Redekonzept dastand, musste er frei „assimilieren“. Man müsse sich einmal die Nackten anschauen – die nackten Zahlen, meinte er natürlich, als er wütend über den Länderfinanzausgleich herzog.

Der Fernverkehr in Zeiten der Globoli, äh – der Globalisierung sei wichtig für den Wirtschaftsstandort. Dazu brauche es aber keinen Flughafen in Berlin. Eine neue Transrapid-Strecke mit einem „Edmund-Stoiber-Hauptbahnhof“ in „Burglengendorf“ sei eindeutig die bessere Lösung. Stoiber verabschiedete sich mit einem berühmten Zitat eines ebenso berühmten amerikanischen Staatsmannes: „Ich bin ein Burglengenfelder.“

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht