mz_logo

Schwandorf
Donnerstag, 16. August 2018 27° 1

Lyrik

Zeitlose Meditationen über die Natur

Der Passauer Lyriker Friedrich Hirschl stellt am 14. Oktober im Rahmen der Reihe „Schwandorf liest“ seinen neuesten Gedichtband „Flussliebe“ vor.
Von Hubert Heinzl

Friedrich Hirschl Foto: Nicole Schaller

Schwandorf. Gedichte haben es schwer. In den Buchhandlungen liegen die Bände wie Blei in den Regalen. Sie taugen vielleicht noch fürs Poesiealbum, aber sonst? Wenn sie modern sind, versteht sie keiner, wenn sie traditionell daherkommen, wirken sie schnell angegraut und altbacken. Die Kunstform der Gegenwart ist die Selbstdarstellung, das „Selfie“ vielleicht, oder ein Clip auf „YouTube“. Gedichte dagegen sind einfach uncool.

Friedrich Hirschl (57) ist keiner, der sich dadurch beirren ließe. Beharrlich hat der Passauer Lyriker seit 1987 seine literarischen Arbeiten veröffentlicht. Seine Arbeit als Pastoralassistent rückte zunehmend in den Hintergrund, inzwischen ist er nur noch neun Wochenstunden als Religionslehrer tätig und lebt ansonsten als freier Schriftsteller. Mit seinen sieben Gedichtsammlungen hat sich Hirschl auch überregional einen Namen gemacht. Die „Süddeutsche Zeitung“ widmete ihm eine freundliche Besprechung, der Bayerische Rundfunk im Büchermagazin „Diwan“ gleich eine ganze Woche. Anlass war Hirschls neuester Gedichtband „Flussliebe“, den er am 14. Oktober auch im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Schwandorf liest“ vorstellen wird.

„Flussliebe“ – der Titel ist durchaus programmatisch zu verstehen. Friedrich Hirschls Gegenstand ist die belebte und unbelebte Natur, die er sich auf ausgedehnten Spaziergängen anzuverwandeln pflegt. Der Lyriker betrachtet die Felsbuckel im Fluss, verfolgt die Wolkenformationen, schreitet den Kreis der Jahreszeiten ab. Die Dinge werden zu Sprachspielen verdichtet, aber auch zur Projektionsfläche der eigenen Gefühle. Was ist Glück? „Das Blatt / fällt weich / in ein Spinnennetz / Nun tanzt es / an einem feinen Faden / nah dem Boden“, heißt es einmal.

Hirschls Sprache ist einfach, fast schon asketisch, auf das Wesentliche verdichtet. Seine Haltung ist nicht die des sezierenden Beobachters, sondern betrachtend, meditativ, an japanische Haikus erinnernd. Kein unbedachtes schnelles Wort, kein Tempowechsel – der Passauer Dichter entfaltet in aller Seelenruhe seine Bilder. Doch ganz harmlos ist diese Einstellung nicht. Hinter ihr verbirgt sich ein Gegenentwurf, wie er in einem Gedicht besonders deutlich wird. „Meine Uhr / In letzter Zeit / hat sie es satt / immer schön / mit der Zeit zu gehen / und bleibt häufig / stehen“, heißt es da.

Es geht um Entschleunigung. Gegen eine Welt, die nur noch rasend um sich selbst kreist, der Erreichbarkeit, Verfügbarkeit, des Machbarkeitswahns. Hirschls Gedichte sind das Gegenmodell dazu, unzeitgemäß in einem positiven Sinne.

„Heute ist alles verzweckt“, sagt der Passauer Dichter, „alles dreht sich nur um den Profit. Ein Gedicht dagegen ist wertloses Glück. Es weiß alles, aber es leistet nichts.“

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht