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Einsatzkräfte

Zentrale ist nicht mehr zeitgemäß

Die Feuerwache in Schwandorf platzt aus allen Nähten und müsste nach über 30 Jahren einmal rundumerneuert werden.
Von Hubert Heinzl

  • In der Garage ist es eng. Da müssen die Anhänger schon mal quer an die Wand gerückt werden, klagt 2. Kommandant Klaus Brunner. Foto: Heinzl
  • In der Feuerwache Schwandorf ist auch eine zentrale Beschaffungs- und Wartungseinheit für die Ortsteilfeuerwehren untergebracht, unter anderem auch das Schlauchlager. Foto: Heinzl
  • Im Jugendraum im Keller müssen die Fenster aus Brandschutzgründen stets geschlossen bleiben. Foto: Heinzl

Schwandorf.Die Schwandorfer Feuerwehr hat nicht ein Problem, sondern gleich mehrere: Wenn Stadtbrandinspektor Helmut Mösbauer 15 bis 20 Stunden pro Woche Einsatzberichte schreibt, arbeitet er in einem Büro von der Größe einer Besenkammer. Wenn sich die Jugendlichen in ihrem sogenannten Aufenthaltsraum im Keller treffen, müssen die Fenster dauernd geschlossen bleiben – aus Brandschutzgründen.

Der Aufzug funktioniert – aber Personen dürfen damit, so will es der TÜV, inzwischen nicht mehr fahren. Duschen gibt es, aber keine eigenen für die Feuerwehrdamen. Und im früheren Schlachthof ist nicht nur die historische Drehleiter „Leila“ abgestellt, sondern auch wichtiges Gerät für die Einsätze. „Wir müssen froh sein, dass wie ihn haben“, sagt 2. Kommandant und Stadtbrandmeister Klaus Brunner, „denn sonst wüssten wir nicht, wohin mit dem Material“.

Unter erschwerten Bedingungen

Das ehemalige Schlachthofgebäude dient als Materiallager. Foto: Heinzl
Das ehemalige Schlachthofgebäude dient als Materiallager. Foto: Heinzl

Wie man es auch dreht und wendet: 34 Jahre nach der Einweihung ist die Schwandorfer Feuerwache in die Jahre gekommen, und die knapp 70 Aktiven arbeiten unter erschwerten Bedingungen. Dabei ist die Zahl der Einsätze seither immer mehr angestiegen, wie Stadtbrandinspektor Helmut Mösbauer am Telefon berichtet. In den 80er Jahren verzeichnete die Schwandorfer Wehr nach seinen Worten zwischen 100 und 150 Einsätzen – im vergangenen Jahr waren es etwa doppelt so viele, nämlich genau 287.

Sanierungsstau in der Feuerwache

  • Duschen

    Drei Duschen stehen in der Schwandorfer Feuerwache zur Verfügung. „Wenn sich da nach einer Übung mal 35 Leute duschen wollen, kommt es natürlich zu Wartezeiten“, beklagt Kommandant Mösbauer. Die Feuerwehrdamen müssen nach wie vor außerhalb zum Duschen gehen.
    In der Garage geht es immer enger zu – auch deshalb, weil die Fahrzeuge im Fuhrpark zunehmend größer dimensioniert werden. Da muss schon mal ein Hänger quer hinter dem Löschfahrzeug verstaut werden, beklagt 2. Kommandant Klaus Brunner.
    Der Jugendraum im Keller der Feuerwache ist für einen längeren Aufenthalt eigentlich nur bedingt geeignet. Die Fenster müssen immer geschlossen bleiben, ausgerechnet aus Brandschutzgründen. Für einen Hauch von Frischluft sorgt nur ein Mini-Ventilationssystem.
    Das ehemalige Schlachthofgebäude dient aktuell als Unterstand für die historische Drehleiter „Leila“, aber auch für zahlreiche Geräte, die für Einsatzzwecke immer wieder benötigt werden – vom Kompressor bis zum Reserverad. (hh)

Dass die Fenster in mehr als 30 Jahren nicht einmal erneuert wurden und eine Wärmedämmung völlig fehlt, ist für die Führungskräfte bloß ein Ärgernis. Schlimmer wiegen der bauliche Zuschnitt und die immer größere Platznot, die zu dauerndem Improvisieren führt und manchmal auch zum Stillstand. Da werden Hänger in der großen Garage schon einmal quer hinter den Löschfahrzeugen verstaut, weil der Platz nicht ausreicht.

Und die Anschaffung des Wechselladersystems stockt, weil das von den Aktiven favorisierte Allradfahrzeug in der Feuerwache gar nicht durch die Rolltore passt. Ein allgemeiner Trend: „Mit den neuen Technologien werden die Fahrzeuge immer größer. Wir haben zunehmend das Problem, dass wir die Normhöhe von 3,60 Meter nicht reißen“, sagt Stadtbrandmeister Brunner.

Auch aus der Kleiderkammer können die Feuerwehren aus den Stadtteilen ihre Ausrüstung ergänzen. Foto: Heinzl
Auch aus der Kleiderkammer können die Feuerwehren aus den Stadtteilen ihre Ausrüstung ergänzen. Foto: Heinzl

Verschärft wird die Situation noch dadurch, dass die Schwandorfer Feuerwehr nicht nur bei den Einsätzen oft die Federführung für die Stadtteilwehren hat, sondern auch bei Beschaffungswesen und Wartung. Schlauchpflegeanlage und Kleiderkammer, Atemschutz- und Funkwerkstatt sind ebenfalls in der Feuerwache untergebracht. Wenn in Fronberg oder Bubach kleinere Ausrüstungsgegenstände den Geist aufgeben, gibt es in der Schwandorfer Zentrale beim Bedarfstag alle zwei Wochen oft gleich Ersatz. All das kostet nicht nur Platz, sondern zunehmend auch Nerven, weil die Bedingungen alles andere als optimal sind.

Stadt will Planung anpacken

Immerhin: Spätestens nachdem sich die beiden Kommandanten vor einem halben Jahr in ihrer Not an die Stadtratsfraktionen gewandt haben, scheint Bewegung in das Thema zu kommen. Wie der städtische Pressesprecher Lothar Mulzer auf Anfrage erklärte, hat die Verwaltung „schon von sich aus“ 25 000 Euro im Haushalt 2018 vorgesehen, „um Bausubstanz, Sanierungs- und Raumbedarf zu untersuchen“ und ein Konzept für einen möglichen Ausbau zu erstellen.

Drei wenig einladende Duschen stehen zur Verfügung – für die Männer. Foto: Heinzl
Drei wenig einladende Duschen stehen zur Verfügung – für die Männer. Foto: Heinzl

Für Stadtbrandinspektor Helmut Mösbauer gibt es mehrere denkbare Möglichkeiten, um wenigstens der Platznot Herr zu werden: eine Aufstockung des Gebäudes, einen Anbau oder eine Ausdehnung auf das Nebengebäude der Feuerwache, das jetzt noch als Werkstatt vom städtischen Bauhof genutzt wird. An einen Neubau auf dem Gelände oder gar auf der grünen Wiese wagen die Feuerwehr-Führungskräfte erst gar nicht zu denken.

„Eigentlich gehört sich das Schlachthofgebäude ja weggeschoben.“

Stadtbrandmeister Klaus Brunner

„Eigentlich“, sinniert Stadtbrandmeister Klaus Brunner, „gehört sich das Schlachthofgebäude ja weggeschoben“. Aber er weiß natürlich, dass das ganze Areal noch vorgemerkt ist. Für eine zweite Naabbrücke zum Beispiel, die möglicherweise ja doch noch gebaut wird. Oder für eine Landesgartenschau in ebenso ferner Zukunft.

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