Start in Trondheim unwahrscheinlich
Alber Kuchler im Wechselbad der Gefühle: Nach dem Triumph muss Lams Spitzenläufer pausieren

12.12.2023 | Stand 12.12.2023, 8:53 Uhr
Maria Frisch

Erst der Podestplatz, nun wohl ausgebremst: Lams Langläufer Albert Kuchler Foto: Imago

Der ganz normale Wahnsinn: Albert Kuchler hat in den ersten Wochen dieses Rennwinters schon eine ziemliche Palette an den Dingen erlebt, die einem Athleten im Weltcup-Zirkus passieren können. Nach dem Kaltstart in Ruka, bei dem der 25-jährige Athlet der SpVgg Lam nur mit seiner Leistung im ersten Rennen zufrieden war und mit der Platzierung tags darauf haderte, kam das absolute Glücksgefühl beim Weltcup im schwedischen Gällivare: Mit der deutschen 4x7,5 Kilometer-Staffel gewann der gebürtige Bad Kötztinger Bronze.

So hätte es weitergehen können, aber Corona erlegte dem Lamer Aushängeschild eine Zwangspause auf, die eine vorzeitige Heimreise bewirkte. Der Weltcup in Östersund fiel für Kuchler ebenso aus, wie für die ebenfalls positiv getesteten Olympiasiegerin Katharina Hennig und Laura Gimmler wie der DSV bestätigte. Auf Instagram hatte er ein Bild seines positiven Tests veröffentlich und dazu ein Foto von sich mit Maske und dem Daumen nach unten. „Wahrscheinlich fällt auch Trondheim aus“, informierte er, erkältet klingend, am Telefon.

Erstmals seit zwölf Jahren auf dem Podest



Einige Tage zehrte das Lamer Eigengewächs von der ausgezeichneten Vorstellung der deutschen Staffel in Gällivare. Das DSV-Quartett hatte überraschend das Podest erklommen – zum ersten Mal seit 2011. Als Startläufer Janosch Brugger an Albert Kuchler übergab, war noch eine große kompakte Truppe beieinander. Der Lamer Bundespolizist fühlte sich gut und erhöhte selbst einmal das Tempo, damit der Wettkampf härter wurde und sich das Feld etwas auseinanderzog. Kuchler hielt im klassischen Stil den Kontakt zur Spitze und konnte gut mithalten. Vor allem Friedrich Moch, der zu Saisonbeginn noch krankheitsbedingt gefehlt hatte, zeigte einen ganz starken Auftritt und brachte sein Team als dritter Läufer auf Kurs. Nach einem Sturz im Anstieg startete er eine fulminante Aufholjagd und führte sein Team wieder an die Spitze heran. Auch der erst 23-jährige Anian Sossau überzeugte als Schlussläufer und lief den Podestplatz sicher nach Hause.

„Wir hatten es uns zum Ziel gesetzt, nachdem der Coup auch in Planica glückte, und die Franzosen diesmal keine Staffel stellten. Aber wirklich damit gerechnet hatten wir auf keinen Fall“, schildert Kuchler: „Jeder von uns Vieren hat einen sehr guten Wettkampf geliefert.“

Lob vom Bundestrainer für Kuchler



Gerade nach dem holprigen Auftakt war Gällivare das höchste der Gefühle im aktuellen Winter. „Das war für mich persönlich mein bester Wettkampf in diesem Jahr“, war Kuchler froh über die Trendwende. Auch Bundestrainer Peter Schlickenrieder, übrigens nach wie vor Mitglied beim SC Monte Kaolino im oberpfälzischen Hirschau , war voll des Lobes für sein Team und für Kuchler: „Albert Kuchler hat das Herz in die Hand genommen und ist gerannt, was das Zeug hält.“

Natürlich gab der Triumph zunächst Aufwind für weitere Taten, aber die harten Wetterbedingungen forderten ihren Tribut und Albert Kuchler erkrankte. Er musste heimreisen, bevor er testen konnte, wie sehr ihn das Erfolgserlebnis für weitere Einzelrennen beflügelt hätte. Das Leben ist eben voller Überraschungen – im positiven, wie auch im negativen Sinne.