„Das war nicht mein Tag“
Kaltstart für Albert Kuchler bei minus 20 Grad: Lamer Spitzenathlet hadert nach Weltcup

27.11.2023 | Stand 28.11.2023, 10:31 Uhr

Bei eisiger Kälte bahnten sich Albert Kuchler (Nummer 31) und seine Kollegen am Sonntag beim 20-Kilometer-Massenstart-Rennen am Sonntag ihren Weg. Foto: Imago

So hatte er sich das nicht vorgestellt: Mit dem 33. Platz beim Zehn-Kilometer-Lauf in Klassischer Technik am Samstag war Albert Kuchler von der Sportvereinigung Lam noch einigermaßen zufrieden. Mit Rang 73 am Sonntag beim 20 Kilometer-Massenstart im Freistil gefiel ihm in der Nachbetrachtung seine Leistung überhaupt nicht. „Das war nicht mein Tag“, kommentierte der Spitzenlanglüfer aus dem Bayerwald den schweren Wettkampf bei minus 20 Grad.

Die Weltcupsaison 2023/24 im Skilanglauf wurde wie auch in früheren Jahren in Ruka eröffnet. „Die Anspannung ist vor dem 1. Weltcup schon relativ groß, weil längere Zeit nahezu kein Vergleich stattgefunden hat und man gar nicht weiß, wo man steht“, gibt Albert Kuchler einen Einblick in die Gefühlswelt der Athleten. „Wir sind zu siebt unterwegs, die Mädels zu neunt“, beschreibt das Lamer Aushängeschild den etwas vergrößerten Kader der deutschen Spitzenlangäufer. Während die Damen in der ersten Runde im Weltcup-Winter mit guten Platzierungen von Viktoria Carl und Katharina Hennig in der Erfolgsspur liefen, blieben die Herren hinter ihren Erwartungen zurück.

Mit der ersten Herausforderung in der finnischen Kälte am Samstag konnte Albert Kuchler noch gut leben. Als eher zurückhaltender Starter hatte der Lamer über die Sommermonate an seiner Renneinteilung gefeilt. „Das hat gut funktioniert“, meinte der Bundespolizist. Das Gelernte aus dem Training habe gut umsetzen und sich dadurch die Kraftreserven besser einteilen können. „Ich habe am Samstag immer mehr Plätze gut machen können.“

Persönliche Ziele verpasst

Trotzdem verfehlte er letztlich seine persönliche Zielsetzung. Kuchler beendete das Rennen auf dem 33. Platz mit einem Rückstand von 1:10,4 Minuten und war bester Deutscher. Auf den Plätzen 46 und 47 folgten Janosch Brugger (+1:21,3 Min.) und Lucas Bögl (+1:22,0) sowie Anian Sossau mit 1:25,9 Minuten Rückstand auf dem 50. Platz.

Am Sonntag war es gefühlt noch kälter und der Start bei minus 20 Grad absolut grenzwertig. Für den 24-jährigen, Lamer der am Donnerstag seinen 25. Geburtstag feiern kann, lief beim 20 Kilometer-Massenstart im Freistil nichts nach Maß. „Es hat einfach nicht viel zusammengepasst“, konnte er seine Unzufriedenheit hinterher nicht verbergen.

Florian Notz wurde bester Deutscher. Mit 1:16 Minuten Rückstand landete der Allgäuer auf dem 24. Rang. Er konnte zunächst zusammen mit Lucas Bögl lange in der Spitzengruppe mithalten. Teamchef Peter Schlickenrieder freute sich über diesen Aufwärtstrend von Flo Notz. „Das ist ein kleines Erfolgserlebnis, mit dem er hoffentlich seine Kollegen etwas pusht“, sagte er im Interview.

Rasante Abfahrten

Die Härte des Rennens hatte viel mit der Kälte zu tun. „Empfindlich darf man nicht sein“, bestätigte auch Albert Kuchler. In einer der schnellsten Abfahrten im Weltcup staubte es nur so, weil viele sie gleichzeitig passierten. Da gab es bisweilen erhebliche Sichtprobleme. „Erstaunlich ist schon in Skandinavien, wieviele Zuschauer ausharren und die Stimmung anheizen“, zeigte sich der Lamer DSV-Läufer von den Gegebenheiten beeindruckt.

Schöne Geschichten gab es dennoch am Rande, zum Beispiel, dass Lucas Bögl rund eine Woche vor Weltcup-Start Papa eines Sohnes wurde. Mit etwas Trainingsrückstand stellte er zunächst seinen Start in Frage, doch die Vaterschaft verlieh ihm dann doch eher Flügel, denn er wurde 38., sein Teamkollege Janosch Brugger 41. und der junge Sprinter Jan Stölben 75.

In Schweden geht es weiter

Der frischgebackene Vater Lucas Bögl fliegt kurz nach Hause. Für Kuchler und die anderen Kollegen geht es direkt weiter. „Wir reisen gleich weiter nach Gällivare in Schweden. “, berichtet Kuchler, dass sich der Weltcup-Zirkus in Skandinavien fortsetzt. Die nächsten Etappenziele sind Östersund und Trondheim, dem Austragungsort der WM 2025.