Die Regenschlacht von Pristina
Robin Krasniqi gewinnt seinen 60. Profikampf – begleitet von einem Bayerwald-Trupp

08.08.2023 | Stand 12.09.2023, 23:56 Uhr
Diana Binder

Robin Krasniqi gegen Nadjib Mohammedi: In der neunten Runde wird der Gegner disqualifziert.

Es waren harte Schläge, die Robin Krasniqi einstecken musste: Der 60. Profikampf des bayerischen Profiboxers, der in Pristina, der Hauptstadt seines Geburtslandes Kosovo, stattfand, sollte ein Abend der großen Emotionen werden – und so kam es auch, allerdings anders, als sich der 36-Jährige das gewünscht hatte.

Nach einem erbarmungslosen Kampf, bei dem sein Gegner Nadjib Mohammedi aus Frankreich in der 9. Runde wegen mehrerer Hinterkopfschläge disqualifiziert wurde, stand Krasniqi als Sieger im Ring. Dankbar, dass der Abend unter schwierigsten Bedingungen und im Dauerregen überhaupt stattfinden konnte. Und dankbar für die Unterstützung seines Teams, seiner Trainer Sepp Maurer und Jürgen Brähmer und seiner Fans, von denen eine Delegation extra aus Bayern angereist war.

Tagelang hatte in Pristina strahlender Sonnenschein geherrscht, doch genau am Samstagmittag zog sich der Himmel über der Hauptstadt des Kosovo zu und schon wenige Stunden später ergoss sich ergiebiger Dauerregen über die Stadt. Der Boxkampf unter freiem Himmel im Fußballstadion Fadil Vokrri war schon Monate zuvor groß angekündigt worden.

Späte Erlaubnis der Polizei



Alle Fernsehsender des Landes berichteten, Werbetafeln informierten über die Begegnung Krasniqi vs. Mohammedi. Und dann? Standen tausende Fans in den Straßen der Stadt und konnten das Stadion nicht betreten. Es sei zu riskant, bei Regen, Blitz und Donner, hieß es von offizieller Seite. Eine Absage stand im Raum.

Enttäuscht hatten sich Hunderte schon auf dem Heimweg gemacht, als Polizei und Sicherheitskräfte eine Stunde nach offiziellem Veranstaltungsbeginn das Stadion doch noch frei gaben.

Gegen Mitternacht war es dann soweit: Die Protagonisten betraten den Ring. Der Startschuss für den Hauptkampf des Abends im Halbschwergewicht über zehn Runden fiel. Krasniqi hatte mit Mohammedi, einem mehrmaligen WM-Herausforderer, einen harten Gegner vor sich, der ihm keine Gnade schenkte und ihm gleich zu Beginn schwere Treffer verpasste. In den ersten fünf Runden konnte der Lokalmatador dennoch einige wichtige Wirkungstreffer erzielen, gute Punkte holen, Mohammedi trat ihm aber aggressiv entgegen. Er drängte ihn immer wieder an den Rand und nahm ihn stark unter Beschuss. Der Ringrichter trennte die Kontrahenten immer wieder und zeigte ab Runde sechs mehrere Vergehen an und in Runde neun dann den Kampfabbruch: Mohammedi wurde disqualifiziert, er hatte mehrmals auf den Hinterkopf geschlagen und den Ringrichter weggeschubst. Robin Krasnisiqi gewann den Kampf und ein Feuerwerk entlud sich über dem Himmel von Pristina.

Maurer bringt Krasniqi in Topform



Trainer Sepp Maurer von der Sportschule Kinema aus Neukirchen b. Hl. Blut hatte Krasniqi zusammen mit Boxtrainer Jürgen Brähmer vor dem Kampf in Topform gebracht. „Doch diese Form konnte Robin leider nicht abrufen“, so Maurer. „Und dass ist auch kein Wunder, wenn man weiß, unter welchen Bedingungen er stattgefunden hat.“

Nicht nur die Wetterkapriolen und die Fast-Absage zu Beginn, kosteten den Boxprofi, der viel mit der Organisation des Abends zu tun hatte, Energie. „Robins Schultersehne riss gleich zu Beginn des Abends an, woraufhin er den linken Arm nicht mehr einsetzen konnte. In Runde fünf musste er einen schweren Leberhaken einstecken und konnte nicht mehr richtig atmen und dann waren es die gefährlichen Hinterkopfschläge des Gegners, die ihn natürlich jedesmal schwer trafen“, so Maurer.

WBC-Gürtel nicht vergeben



Krasniqi selbst bedankte sich bei seinem Team und seinen Unterstützern. „Es war so ein verrückter Abend, den ich nie vergessen werde“, sagte der 36-Jährige, des sich mit seinem Sieg in den Weltranglisten der Box-Verbände IBO und WBO um einige Ränge nach oben gearbeitet hat.

Der WBC-Silver Gürtel wurde an diesem Abend, wie vorher angekündigt, übrigens nicht vergeben. Das Sportministerium des Kosovo sei nicht bereit bereit gewesen, die Kosten dafür zu tragen, so lautete die Aussage des Managements.

Am Tag nach dem Kampf strahlte in Pristina wieder die Sonne. Und auch das Team von Robin Krasniqi konnte sich über den Boxabend freuen. Natürlich hätte man sich einen sauberen, fairen Kampf gewünscht. „Aber das ist eben der Sport“, so Sepp Maurer. „Und ganz sicher hätte jeder andere außer Robin Krasniqi in dieser Situation das Handtuch geworfen. Für uns gilt jetzt die Devise: Nach dem Kampf ist vor dem Kampf. Aufgeben können andere.“