Kritik am FC Memmingen
Sieg hin oder her – Vilzings Coach Eibl fehlt jegliches Verständnis: „Das hat nichts mit Fair Play zu tun“

28.11.2023 | Stand 28.11.2023, 17:50 Uhr

45 Minuten vor Spielbeginn sah der Rasen in Memmingen noch so aus. Foto: Thomas Mühlbauer

Am Samstag trat die DJK Vilzing ihre fast 300 Kilometer weite Auswärtsfahrt ins Allgäu zum Tabellenvorletzten FC Memmingen an. Am Ende wurde es der erwartete Pflichtsieg von 5:0 (2:0). Sportlich war die Partie schnell abgehakt. Was aber neben dem Platz ablief, sorgte auch lange nach Schlusspfiff noch für Kopfschütteln bei den Vilzingern.

In den Tagen davor hatten die Regionalliga-Kicker vom Huthgarten immer wieder einen Blick auf den Wetterbericht geworfen. Im Allgäu war für die Nacht von Freitag auf Samstag massiver Schneefall vorausgesagt worden. Und so kam es auch: Am Freitag gegen 19 Uhr schneite es unentwegt, auch die ganze Nacht hindurch. Für eine Absage war es dann aber schon zu spät, der DJK-Tross brach kurz nach acht Uhr am Morgen im Landkreis auf. Doch was die Verantwortlichen dann gegen zwölf Uhr, als sie aus dem Bus ausstiegen, in Memmingen vorfanden, empfand der Eine oder Andere durchaus als an eine Farce grenzend.

DJK-Kapitän Christian Kufner kommentierte sarkastisch: „Wir sind ausgestiegen und der ganze Platz war schneebedeckt. Da haben wir uns schon die Frage gestellt: ,Wollen die überhaupt spielen?‘“

Schiedsrichter spricht Machtwort

Die Verantwortlichen des FC Memmingen machten zunächst keine Anstalten, das Spielfeld zu räumen. Schiedsrichter Maximilian Riedel (FC Horgau) machte gegen 13 Uhr dann deutlich: Wenn das Spielfeld nicht geräumt wird, pfeift er die Partie nicht an.

„Der Schiedsrichter hat uns gefragt, ob wir auf diesem Platz spielen möchten“, sagte DJK-Coach Josef Eibl. Das Problem: Hätte die DJK nein gesagt, wäre die Partie abgesagt worden und die DJK hätte im nächsten Jahr erneut nach Memmingen reisen müssen. „Wir haben gesagt, wir ziehen das jetzt durch, und die Mannschaft hat ganz klar kommuniziert: ,Jetzt erst Recht‘, berichtet Eibl.

Bis zur Partie schafften es ein paar wenige Memminger Ordner noch, das Spielfeld einigermaßen vom Schnee zu befreien, sodass die Partie angepfiffen werden konnte.

Die DJK Vilzing trat also durchaus mit einer gehörigen Portion Wut im Bauch an und ging sofort hohes Tempo. Das Ergebnis sprach am Ende Bände. Eibl war nach Spielschluss immer noch sauer: „Sportlich spricht das Ergebnis für sich, da möchte ich gar nicht weiter drauf eingehen. Wir haben 5:0 gewonnen, in dieser Höhe auch absolut verdient.“

Der Vilzinger Coach lobte seine Mannschaft: „Was die Mannschaft unter diesen Begleitumständen abgerissen hat – meinen allerhöchsten Respekt dafür.“

Keine größeren Verletzungen



Viel wichtiger für Eibl: Alle Spieler aus dem Kader konnten die Heimreise ohne größere Verletzungen wieder antreten. Was die Aktion des FC Memmingen, die auf schneebedecktem Untergrund spielen wollten, sollte, ging Eibl nicht ein: „Die haben ganz klar damit spekuliert, dass wir damit Probleme haben. Aber wir haben die Antwort auf dem Platz gezeigt.“ Auf den schneebedeckten Rasen angesprochen, sagte Eibl: „Vielleicht haben sie es in Memmingen nicht gewusst, dass es schneit. Und dann haben sie begonnen, eine Stunde vor Spielbeginn den Platz zu räumen. Da fehlen mir einfach die Worte, dass so etwas überhaupt möglich ist in der Regionalliga. Das hat nichts mit Fair Play zu tun.“ Seine Ausführungen schloss er mit diesem Satz: „Die Mannschaft wollte unbedingt spielen und es ist – Gott sei Dank – gut gegangen.“

Kufner bestätigte seinen Coach: „Wir wollten unbedingt spielen, schließlich haben wir uns schon auf den weiten Weg gemacht.“ Hätte die Partie nicht angepfiffen werden können, hätte die DJK im Frühjahr noch einmal anreisen müssen. Der Kapitän erklärte, dass man so aber eine Jetzt-erst-Recht Mentalität auf den Platz bekommen habe. Das Vilzinger Kombinationsspiel fiel angesichts der Umstände so gut wie flach: „Uns blieb eigentlich nur immer übrig, mit hohen weiten Bällen zu agieren“, befand Kufner.

„Wollten die überhaupt spielen?“

Im Großen und Ganzen, so der Kapitän, habe man die Vorgaben des Trainers gut umgesetzt und einen verdienten Sieg eingefahren, nicht zuletzt dank Dreifachtorschütze Andreas Jünger, der unter anderem das wichtige 2:0 vor der Pause erzielte. Jünger beschrieb die Szene so: „Tobias Kordick hat den Ball perfekt durchgesteckt.“ Doch seine Leistung wollte er nicht zu hoch aufhängen, denn auch das 1:0 von Kordick selbst sei extrem wichtig gewesen. Tobias Hoch hatte das zwischenzeitlich 3:0 besorgt.

Über die Platzverhältnisse konnte Jünger auch nur den Kopf schütteln: „Das ist natürlich hier extrem schwierig, den Ball mitzunehmen oder durchzuspielen, vor allem im Mittelfeld, weil da lag ja noch am meisten Schnee.“ Dass es dann am Ende so deutlich wurde, konnte man im Vorfeld, so Jünger, natürlich nicht erahnen: „Wir hatten schon im Vorfeld das Gefühl, wollen die überhaupt spielen oder wollen die auf so einem Platz extra spielen, dass wir nicht so gut kombinieren können. Aber wir hatten viel Lust auf die Partie und haben das, denke ich, deutlich gezeigt.“

Und auch wenn es aktuell witterungsbedingt schwer vorstellbar ist: Am Samstag soll die DJK um 14 Uhr in Schweinfurt zum letzten Spiel des Jahres antreten.