Weg aus der Krise
Ehemaliger Handball-Landesligist TSV Mainburg setzt auf Teamwork, Talentförderung und Geduld

22.02.2024 | Stand 22.02.2024, 11:30 Uhr

Zuschauermagnet: Die Mainburger Handballfans stehen trotz in der Formkrise hinter der Mannschaft. Foto: Christian Heinzinger

Mit Blick auf die Tabelle befinden sich die Handballer vom TSV Mainburg in einer Krise: Nachdem die Herren viele Jahre eine feste Größe in der Landesliga waren, droht nach dem freiwilligen Rückzug in die Bezirksoberliga der Abstieg in die Bezirksliga. Trotz dramatischer Situation herrscht gute Stimmung in Reihen der Mainburger.

Die Abteilungsleiter Fabian Kuhns und Marius May erklären die Gründe für die Zuversicht. Seit vier Jahren leitet das Duo Kuhns und May, beide selbst noch aktive Spieler, die Handballabteilung des TSV Mainburg. Von Beginn an beschäftige sich das Duo mit der Lösung des Nachwuchsproblems: „Wir haben es über viele Jahre nicht geschafft, junge, talentierte Spieler aus dem eigenen Nachwuchs in den Erwachsenenbereich zu integrieren.“ Die Folge war, dass der Altersschnitt des Herrenteams stieg. Speziell in der Landesliga gab es keine Pausen für die Stammsechs. „Da forderte der Körper seinen Tribut“, so Marius May, der lange Kapitän der Landesligatruppe war.

Mit Übernahme der Abteilungsleitung schrieben sich Kuhns und May eine professionelle Jugendarbeit auf die Fahnen – um ein wettbewerbsfähiges Bezirksoberliga- und perspektivisch ein Landesligateam zu formen. „Wir wussten, dass damit zwangsläufig ein gewisser Leistungsverlust verbunden sein würde, da wir im ersten Schritt auch auf externe Spieler verzichten wollten, um unseren Eigengewächsen die Möglichkeit zu geben, auf Einsatzzeiten zu kommen“, so Fabian Kuhns.

Umfangreiches Programm

Der Sport alleine reiche aber nicht mehr aus, um junge Spielerinnen und Spieler langfristig an den Verein zu binden. Kuhns und May versuchten ein familiäres Verhältnis innerhalb der Abteilung zu schaffen: „Wir versuchen alle aktiven und passiven Mitglieder zusammen zubringen, bei Events, bei Ausflügen und auch bei unseren Heimspieltagen.“

Das Ergebnis sei atemberaubend: „Wir haben es geschafft, dass sich bei etwa 150 aktiven Spielerinnen und Spielern fast jeder untereinander kennt und dadurch eine großartige Euphorie innerhalb der Abteilung entstanden ist.“

Der Einsatz zahlt sich aus: Zur kommenden Saison sollen acht Jugendmannschaften gemeldet werden. „Eine unfassbare Zahl für einen so kleinen Verein“, so Kuhns. Ein zusätzliches Patensystem soll die Bindung zwischen Jugend und Erwachsenenbereich intensivieren: „Wir stellen jedem Jugendteam einen Paten aus dem Erwachsenenbereich zur Seite, der teilweise das Training begleitet und bei Spielen als mentale Stütze auf der Bank sitzt.“

Die Auswirkungen auf den Herrenbereich benötigen aber Zeit und der externe Fokus liege auf dem Herrenteam als Aushängeschild des TSV-Handballs, das sei Kuhns und May bewusst: „Die Entwicklung funktioniert natürlich nicht von gleich auf jetzt.“

Entwicklung erfordert Geduld

Die Herrenmannschaft habe sich in den letzten Jahren personell stark verändert. „Es müssen sich neue Leistungsträger und Führungsspieler erst noch entwickeln und mit den Herausforderungen wachsen.“ Aktuell rangiert das Team nach 13 Partien auf dem vorletzten Platz der Bezirksliga Altbayern.

Die Abteilungschefs hoffen auf Verständnis bei Zuschauern und Sponsoren. Es könne nicht immer nur bergauf gehen, allein wegen des Nachwuchses müsse man die momentane Dürreperiode hinnehmen und mit der vorhandenen Qualität arbeiten. Erste Erfolge zeichnen sich bereits ab: Mit Maxi Altmann und Sebastian Rauscher wurden nach vielen Spielzeiten zwei Nachwuchsspieler aus den eigenen Reihen vollwertig in den Herrenbereich integriert. „Beide Kräfte sind absolute Vorbilder für viele junge Spielerinnen und Spielern“, so May. „Wir signalisieren ganz klar, dass wir auf die eigenen Leute setzen.“

Dank der hervorragenden Jugendarbeit dürfe man sich in den nächsten Jahren auf viel Qualität aus dem Nachwuchsbereich freuen. Stolz dürfe man beim TSV Mainburg auch auf überdurchschnittlich hohe Zuschauerzahlen sein. Ausschlaggebend für den Zuspruch sei nicht allein die sportliche Leistung: „Wir versuchen unseren Heimspielen Eventcharakter zu geben und wollen den Zuschauern unter verschiedenen Mottos mehr bieten, als nur Handball“, so Fabian Kuhns.

Bekenntnis zu Trainer Holger Mundry

Kritik: „Natürlich werden aufgrund der aktuell schwachen Leistungen bei den Herren erste Stimmen laut, die den Trainer infrage stellen“, teilt Sportlicher Leiter Tobias Senger mit. „Aus der Vorstandschaft und auch vonseiten des Teams stellt sich die Trainerfrage nicht. Wir sind von der Qualität von Holger Mundry mehr als überzeugt.“

Einstellung:
„Holger Mundry bereitet das Team intensiv auf die Spiele vor. Die Qualität im Training passt absolut. Wir müssen hoffen, dass die Jungs wieder aus dieser Spirale mit so vielen Rückschlägen herauskommen, endlich der Knoten platzt und das Team wieder in die Erfolgsspur findet“, führt Tobias Senger weiter aus.