Bayernliga Nord
Der Vizemeister steckt im Abstiegskampf: Gebenbach arbeitet an der Krisenbewältigung

29.09.2023 | Stand 29.09.2023, 15:00 Uhr
Johannes Berner

Die DJK Gebenbach spielte in der vergangenen Saison noch um den Aufstieg, nun muss sich Kai Hempels Team nach unten orientieren. Foto: Brückmann

Über Wochen hinweg stellte sich Cheftrainer Kai Hempel nach teils inakzeptablen Auftritten schützend vor seine Mannschaft: „Momentan läuft es nicht. Wir müssen da zusammen durch.“ Öffentlich kritisierte er seine DJK Gebenbach trotz auffälliger Leistungsschwankungen nie. Nach dem 1:3 gegen Bayernliga-Schlusslicht Feucht änderte sich das Bild.

Der Trainer schäumte vor Wut und warf seinem Team mangelnde Laufbereitschaft vor. Hinzuzufügen wären auch die fehlende Konzentration, Wille und Zweikampfbereitschaft, die zur Pleite führten. Man gewinnt den Eindruck, dass bei manch einem Spieler in der Mannschaft der Ernst der Lage noch nicht ganz oder überhaupt nicht verstanden wurde.

Bei den Verantwortlichen im ruhigen und besonnen Gebenbach dürften die Sorgenfalten langsam größer werden. Zur Erinnerung: Am vierten Spieltag grüßte das Hempel-Team noch von der Tabellenspitze, mit damals zehn Punkten aus vier Partien. Doch dann folgte ein Einbruch. Die Ergebnisse aus den letzten vier Partien sprechen mit vier Pleiten in Folge gegen überwiegend machbare Gegner allerdings eine deutliche Sprache, dass die Gründe tiefer liegen. Derzeit ist die DJK nur einen Punkt entfernt von der Abstiegsrelegation. Dass es bei der DJK aktuell nicht funktionieren will, hat mehrere Gründe.

• Mangelnde Einstellung

Während die DJK zu Saisonbeginn mit viel Euphorie gestartet war und es lediglich nicht schaffte, die Leistung konstant über die volle Spielzeit abzurufen, änderte sich dieses Bild besonders nach den Auftritten in Hankofen-Hailing (0:2) und spätestens nach dem 1:2 in Neudrossenfeld. Immer wieder deutete auch der Trainer an, dass seine Mannschaft häufiger ein paar Prozentpunkte zu wenig investiert. „Mit 99 Prozent wird es fast gegen jeden Gegner schwer“, sagte Hempel vor wenigen Wochen. Der Trainer sollte recht behalten. Im Derby bei der DJK Ammerthal wirkte das Team insgesamt bemüht, ging entschlossen in die Zweikämpfe und zeigte Willen und Leidenschaft. Eine Woche später wunderten sich die Fans gegen das Tabellenschlusslicht Feucht am Urspringer Weg, denn die DJK ließ überwiegend die wichtigen Grundtugenden vermissen. Ein Beispiel war die zurückgelegte Laufdistanz. Dieses Ergebnis ist alarmierend. Feucht lief im Kollektiv fast doppelt so viel wie Gebenbach. Das zeigt, dass es beim ein oder anderen Akteur des Bayernligisten augenscheinlich an der richtigen Einstellung mangelt.

• Individuelle Fehler

Ohne Fehler gäbe es zwar keine Tore – die Fehlerkette der DJK war in den letzten Wochen für die Ambitionen des Klubs jedoch zu groß. Missverständnisse, mangelnde Kommunikation, fehlerhafte Absprachen zwischen Mittelfeld, Abwehr und Torwart führten oft zu Gegentoren. Darüber hinaus ließ sich die DJK aus teils ruhigen Situationen zu folgenschweren Fehlpässen hinreißen. Im Derby gegen Ammerthal gab man das Spiel durch zwei individueller Fehler aus der Hand. Die Anzahl der Gegentore belegen das.

• 25 Gegentreffer

Die Gebenbacher kassierten in den ersten 13 Saisonspielen bereits 25 Gegentreffer. Nur die Reserve des Jahn und Feucht fingen mehr Tore als das Hempel-Team (beide 27). In den letzten vier Spielen fing sich die Mannschaft zwölf Tore. Zu viel für die Ansprüche des Bayernligisten – eine sattelfeste Abwehr sieht auf jeden Fall anders aus. Zum Vergleich: Der Tabellendritte aus Eltersdorf steht bis dato erst bei neun Gegentreffern.

• Vorne zu harmlos

Die Tor-Maschinerie läuft noch nicht wirklich. Oft werden im letzten Spieldrittel falsche Entscheidungen getroffen oder das Alu ist im Weg. Bislang erzielte das Team 18 eigene Treffer, ist damit insgesamt im
Ligadurchschnitt angesiedelt. Zum Vergleich: Spitzenreiter Eichstätt durfte schon 27 Mal jubeln, Cham in nur zwölf Partien bereits 29 Mal. Den harmlosesten Angriff haben die Franken aus Feucht. Sie erzielten drei Treffer in Gebenbach, stehen derzeit trotzdem erst bei zehn eigenen Toren.

• Verletzungspech

Ist die Lage nicht schon angespannt genug, muss Hempel derzeit auf wichtige Kräfte verzichten, die nur schwer zu ersetzen sind: Seit Monaten fehlt Bastian Freisinger, seit Wochen Dominik Späth. Im Spiel gegen den SC Eltersdorf verletzte sich Kapitän Jan Fischer an der Schulter. Er droht bis zur Winterpause auszufallen. Die Angreifer Nico Becker und Salah El Berd sind seit mehreren Tagen angeschlagen. Ein Lazarett in der aktuellen Situation ist für Hempel ein klarer ein Nachteil.

• Vorbereitung

Die Vorbereitung auf die neue Saison ist nicht selten die Grundsteinlegung für eine erfolgreiche Spielzeit. Dabei hatte Gebenbach aufgrund der Teilnahme an der Aufstiegsrelegation etwas den Nachteil. Nur drei Wochen blieben der DJK und Trainer Kai Hempel, um sich auf die neue Spielzeit in der Bayernliga vorzubereiten.