Zwei Tage voller Karate
600 Sportler aus 22 Nationen kommen zum EM-Jubiläum nach Regensburg

17.05.2024 | Stand 17.05.2024, 20:15 Uhr

Nina Ulrich stand vor zwei Jahren in Kroatien als Dritte auch selbst auf dem Treppchen der Europameisterschaft. Foto: Ulrich

Es ist ein Pfingst-Ereignis mit einer Internationalität, die es in Regensburg selten zu sehen gibt: Auch wenn Georgien und Portugal noch kurzfristig abgesagt haben, tummeln sich am Samstag (8.30 Uhr bis 21 Uhr) und Sonntag (9 bis 19 Uhr) 600 Karateka aus 22 Nationen in der Clermont-Ferrand-Halle. Anlass ist die Europameisterschaft des ESHRKF, das für European Shito Ryu Karate Federation steht.

„Wir haben uns beworben und man hat es uns zugetraut. Deutschland hat ja einen guten Ruf als Ausrichter. Diese EM findet zum zehnten Mal statt und feiert damit auch Jubiläum“, berichtet Nina Ulrich, die gemeinsam mit Ivo Haag für die Organisation zuständig ist. „Wer vorbeikommt, wird auch sehen: Das Level der Teilnehmer ist schon hoch.“ Dazu komme die zentrale Lage in Europa. „In Rumänien etwa waren es weniger Teilnehmer, weil es schwerer war, dahin zukommen. So sind diesmal auch die Norweger wieder dabei.“

„Direkt an Japan angebunden“

Der Sportkarateverband ESHRKF ist ein Konkurrenzverband des Weltverbandes WKF (World Karate Federation) und auf die Shito-Stilrichtung spezialisiert, die auf Gründer Kenwa Mabuni in den 1930er Jahren zurückgeht. „Unsere Wurzeln liegen direkt bei ihm. Mir geht es bei der WKF zu kommerziell zu“, sagt Nina Ulrich. „Wir sind als deutscher Verein auch direkt an Japan angebunden. Die geben ganz genau vor, wie wir was zu tun haben. Wir müssen auch Videos schicken, weil man uns genau auf die Finger schaut.“

Exakt diese Ausrichtung ist es auch, die Nina Ulrich gefällt. „Wir reisen für die Dan-Prüfungen eigens nach Japan. Von deutschen Prüfern halte ich da nicht soviel“, sagt die 54-jährige zweifache Mutter, die schon als Kind Karate machte. „Das ist aber wieder eingeschlafen – wie es oft so ist. Aber seit zehn Jahren mache ich das wieder so richtig intensiv“, sagt Ulrich, die als Lebensmittel-Managerin für große Supermarktketten arbeitete, diese Arbeit „auch wegen der Kinder“ reduziert hat, und jetzt an diversen Standorten in und um Regensburg die Jumpomania-Sportsschool anbietet. „Zur Covid-Zeit haben wir uns zu dritt zusammengetan. Seit gut drei Jahren ist es fast hauptberuflich und ich konnte damit mein Hobby zum Beruf machen.“

Inzwischen wird in Sachen Karate sogar ein Japanisch-Kurs angeboten. „Ich finde, das ist schon alleine auch eine Sache des Respekts – und hat natürlich auch praktische Gründe.“ Denn die bekannt traditionalistischen asiatischen Kampfkünstler legen viel Wert auf ihre Etikette: „Wir mussten die Bewerbung auf japanisch handschriftlich und mit schwarzem Füllfederhalter geschrieben abgeben. Das war schwierig. Deswegen habe ich auch erst den dritten Dan – und für einen Europäer ist mehr als ein sechster Dan auch wohl kaum möglich. Den vierten Dan könnte es im nächsten Jahr in Singapur geben. Mal sehen, ob das alles auch so machbar sein wird“, erzählt Ulrich über das Prozedere. „Man hat uns genommen, aber wohl nicht nur, weil wir so toll sind, sondern auch aus anderen Gründen. Wir sind der einzige Vertreter in Europa: Shito ist sonst in den USA, Australien oder Südamerika groß.“

Samstag um 12 Uhr Eröffnung

Erstmal geht es um die EM in Regensburg, wo sich am Samstag um 12 Uhr die offizielle Eröffnungsfeier wartet und am Sonntag um 19 Uhr die Schlussfeier startet. „Vormittags sind die Kata-Wettbewerbe, nachmittags ist mit den Kumite-Vorführungen Action“, erklärt Nina Ulrich. „Am Samstag sind mehr die Kinder am Start, am Sonntag dann die Erwachsenen und älteren Jugendlichen.“