Die Helden einer Eishockey-Rekordsaison
Das sind die 25 Regensburger Jubelbären des Zweitliga-Zweiten auf dem Eis

05.03.2024 | Stand 05.03.2024, 9:49 Uhr

Topskorer bejubelt Topskorer: Andrew Yogan (rechts) freut sich mit Abbott Girduckis über dessen Siegtor in der Verlängerung gegen Selb, das den Schlusspunkt der 52-teiligen Hauptrunde in der DEL 2 bedeutete. Fotos: Andreas Nickl, Melanie Feldmeier (Porträts)

Platz zwei in der DEL-2-Tabelle, beste Heimmannschaft mit zuletzt 15 Siegen in der Donau-Arena, die drei besten Skorer der Liga im Team, 3903 Zuschauer im Schnitt: Die Eisbären wurden in den 52 Spielen zu Regensburger Jubelbären. Claus Wotruba stellt die 25 Eishockey-Helden im Einzelnen vor und präsentiert ein bisschen Statistik.

Thomas McCollum

Es war eine weise Entscheidung, eine der vier Kontingentstellen für den dreimaligen NHL-Torwart der Detroit Red Wings zur Verfügung zu stellen. Der 34-Jährige spielt unaufgeregt und macht nicht nur das Spiel fast wie ein sechster Feldspieler schnell. Offensichtlich ist auch, wie er den Kontakt zu den Mitspielern sucht und findet. Es wäre eine feine Sache, ihn länger als eine Saison in Regensburg spielen zu sehen.

Jonas Neffin

Der junge Goalie des Jahrgangs 2000 mit Profierfahrung in DEL und DEL2 ist viel mehr als nur eine Nummer zwei. In seinem runden Viertel der Hauptrundenpartien, bei denen er das Tor hütete, überzeugte auch der Youngster und unterstrich, welche Aufwertung den Eisbären mit dem Torwartgespann insgesamt gelungen ist.

Andre Bühler

Der 24-jährige Verteidiger ist die Allzweckwaffe von Trainer Max Kaltenhauser. Nach einer Verletzung in der Vorbereitung kam er erst Mitte November aufs Eis und spielte seine Rolle, wo auch immer er gebraucht wurde. Das kleine Leichtgewicht (1,73 Meter, 72 Kilogramm) wird gerne unterschätzt. Und ist wichtig für die Gesellschaft, weil er in Zukunft als Grundschul-Sportlehrer Kindern Bewegung nahebringen will.

Patrick Demetz

„Pato“, auch erst 23, ist sich für keinen Block zu schade. Als er nach seinen internationalen Spielen für Italien nicht mehr mehr in ein reglementierendes Kontingent seiner Einsätze fiel, fiel prompt merklich Last ab. In dem Verteidiger steckt ganz sicher immer noch an Potenzial. Die Verbesserungen der vergangenen zwei Jahre des Abwehrmannes, der in den Aufstiegs-Playoffs die Eisbären noch massiv mit Leipzig geärgert hatte, sind schon sicht- und spürbar.

Lucas Flade

Der U-24-Verteidiger stieß kurz vor der Abfahrt ins Trainingslager vor der Saison als Letzter zum Team und spielte zuletzt mit acht Einsätzen im Jahr 2024 eher weniger. Der 22-Jährige lobte aber schon während der Saison das Skillsstraining bei den Eisbären und zeigte auch, dass auf ihn Verlass ist, wenn er auflief.

Tariq Hammond

Die Spielweise des neuen Erstreihen-Verteidigers, der in Regensburg zum Saisonstart den deutschen Pass bekam, war anfangs gewöhnungsbedürftig. Erst das genauere Hinsehen zeigte: Defensiv ist der 30-Jährige „Mister Superzuverlässig“ eine Bank, Fehler sind superrar. Nach und nach entfaltete Hammond auch Offensivqualitäten. Das erste der drei Saisontore erzielte er am 2.Januar. Die Frage ist auch bei ihm: Ist ein Mann dieser Qualität zu halten?

Petr Heider

Der Deal mit Trainer Max Kaltenhauser war, im Sommer eine Schippe draufzupacken. Das gelang dem Hammond-Partner sehr offensichtlich. Und just als dieser seine Torqualitäten entdeckte, tat der 28-Jährige das auch und fand sein Stürmerblut wieder. Im neuen Jahr trug er binnen sechs Partien vier seiner fünf Hauptrundentore bei.

Sandro Mayr

Auch der 1,70 Meter kleine U-21-Verteidiger, der in der Mannschaft als der große Tiktok-Star gilt, war ein belebendes Element, scheute sich vor keinem Zweikampf und hatte spielerisch zur Gesamtleistung gut beizutragen. Sicher ein Gewinn für die Eisbären.

Korbinian Schütz

Der 28-jährige Verteidiger überschritt die Marke von 400Spielen für die Eisbären und ist eines der Eigengewächse, das ebenfalls zuverlässig Dienst tut. Highlight sind stets die Duelle mit Bruder Simon in Kaufbeuren, wenn Mama und Papa mit den in den beiden Klubfarben geteilten Trikots das Spiel verfolgen. Ob es das Duell so auch in Zukunft noch gibt?

Xaver Tippmann

Max Kaltenhauser ersteigerte bei der Aufstiegsfeier nicht umsonst sein Trikot und nannte ihn einen „Krieger“. Der Verteidiger mit Jura-Hintergrund, bald 27, warf sich jetzt auch in Überzahl vor dem Tor ins Getümmel und schaffte immerhin seine ersten drei Zweitligatore. Der Mann mit der Rückennummer 43 ist einer derjenigen, der sich für nichts zu schade ist.

Jakob Weber

„Er ist unser Ausländer“, sagte Max Kaltenhauser schon mal, wenn die Frage auftauchte, ob nicht ein Kontingentspieler für die Defensive kommt. Der Mann mit der Rückennummer 55 aus dem Regensburger Eishockey-Ursprungsort Donaustauf bestätigte das auch heuer: Ob Schlenzer oder Schlagschuss – der 28-Jährige mit elf Saisontoren als viertbester Eisbären-Skorer und -Torschütze auch einer der erfolgreichsten DEL-2-Verteidiger.

David Booth

39 und kein bisschen müde: Dass ein 535-maliger NHL-Spieler wie er nach Regensburg als Ersatz für den verletzten Richard Divis gelotst werden konnte, ist ein Coup und jede Chance, ihn zu sehen, ein Genuss. Der Mann mit der Sieben auf dem Rücken hat einen unwahrscheinlichen Zug zum Tor, die eine neue Qualität ins Eisbärenspiel brachte. Kein Zweifel: Der US-Amerikaner („Ich liebe Playoffs“) könnte nach seiner Anlaufphase ein zusätzlicher Playoff-Trumpf der Eisbären werden.

Richard Divis

Über den Tschechen große Worte zu verlieren, hieße Eulen nach Athen zu tragen. Der Stürmer, der im Sommer 39 Jahre alt wird und nach der neuen Gesetzeslage bald den deutschen Pass in Händen halten sollte, ist nicht nur auf dem Eis wichtig. Der Mann mit dem großen Herzen und der Riesenidentifikation mit dem Klub, brachte sich als Videocoach ein, als er nicht spielen konnte – und kämpfte sich nebenbei viel schneller zurück und ist nun einer der beiden Playoff-Bonusspieler.

Nikola Gajovsky

Welch feiner Eishockeyspieler der Kapitän und beste Skorer der EVR-Vereinsgeschichte (mittlerweile = 238 Tore + 398 Vorlagen = 636 Punkte) ist, ist beim Stürmer des Jahrgangs 1987 immer noch zu sehen. Er schließt mit viel Spielintelligenz Lücken, spielt kluge Pässe und hat die Superskorerrolle inzwischen an Andere abgetreten. Der Mann mit der 69 will spielen, solange er dem Team hilft. „Vielleicht mal als Verteidiger“, sagte er schon. In Überzahl macht er das ja längst.

Abbott Girduckis

Wie Hammond bekam er in Regensburg seinen deutschen Pass und entwickelte sich zu einem der Glücksfälle, die die Konkurrenz in der YTG-Reihe gerne stoppen würde, es aber nicht schafft. Der 28-Jährige wirkt wie eine 2.0-Ausgabe von Tom St. James, einem EVR-Helden der End-Achtziger und Anfang-Neunziger. Vielleicht aber der Stürmer der Superreihe, der am schwersten bei den Eisbären zu halten ist.

Yuma Grimm

Noch ein zu lobender Youngster aus der U-21-Kategorie. Er zeigt viel körperliche Präsenz und Durchsetzungsvermögen und gibt der vierten Reihe mit seinen aus alten Zeiten bekannten Mitspielern so viel Gewicht, wie längst nicht überall.

Lukas Heger

Mit 455 Einsätzen im Eisbären-Trikot steht der 29-Jährige jetzt auf Platz zwei der Eisbären-Allzeitliste und hat auch seinen 300. Skorerpunkt vollbracht. Dabei wirkt es immer noch, als sei er nicht 2013, sondern erst gestern aus Füssen gekommen. Als Mittelstürmer trägt er viel spielerisches Element bei – wenn er nicht gerade mal als Verteidiger aushilft, ohne dass jemand etwas merkt.

Constantin Ontl

Hegers Kompagnon schießt zwar nicht mehr soviele Tore wie früher, ist aber einer der Teamspieler par excellence. Mit Heger und Andrew Schembri bildet er so etwas wie einen Zwergerl-Angriff, der sich aber vor nichts und niemandem fürchtet.

Andre Schembri

Noch so ein Allrounder, der unerschrocken hilft, wo er kann. Der Teamfriseur, der auch David Booth gleich stutzte, wird im Sommer 42 und ist der älteste DEL-2-Spieler – aber sechstbester Eisbären-Skorer.

Marvin Schmid

Passt perfekt in die spielerische Linie der Eisbären und wird von Jahr zu Jahr besser. Mit 24 ist der Mittelstürmer für Booth und Gajovsky auch sicher nicht am Ende seiner Entwicklung.

Christoph Schmidt

Noch ein echter Regensburger, der auch schon Nachwuchs-Eisbär in Berlin war. Auch er ist ein Teil der positiv in Erscheinung tretenden vierten Reihe mit weiterem Zukunftspotenzial.

Tomas Schwamberger

Der Pechvogel: Der 24-jährige Deutsch-Tscheche war gut in Schwung, als er Mitte Dezember lahmgelegt wurde. In Spiel 52 zurückgekehrt und auch Bonusspieler für den Fall der Fälle.

Kevin Slezak

Schon Opa und Papa Slezak hatten im deutschen Eishockey Klang. Nach anfänglich kleineren Blessuren deutete Slezak junior seine Fähigkeiten schon öfter an. Was daraus wird, ist hoffentlich weiter in Regensburg zu sehen.

Corey Trivino

Auch er war nach der Osterberg-Verletzung 22/23 eingeschlagen und setzte seine grandiose Saison trotz einer nicht leichten Operation im Sommer 23/24 einfach nahtlos fort. Der 33-Jährige ist der Mann der Tore und feinen Hände. Immer noch beeindruckend, wie er jedes Mal wieder von den Fans von Ex-Klub Kassel gefeiert wird.

Andrew Yogan

Der „Spieler der Saison“ in der DEL 2 ist auch so ein Kaliber, das man kaum in Regensburg vermutet hätte. Die Konkurrenz wusste das schon vor der Saison. Bitte unbedingt länger bleiben.

Statistiken: Die Skorer

Andrew Yogan 35 Tore + 45 Vorlagen = 80 Punkte; Abbott Girduckis 22 + 49 = 71; Corey Trivino 35 + 35 = 70; Jakob Weber 11 + 27 = 38; Nikola Gajovsky 9 + 18 = 27; Andrew Schembri8 + 12 = 20; Tariq Hammond 3 + 17 = 20; Marvin Schmid 3 + 15 = 18; Petr Heider5 + 11 = 16; David Booth 9 + 5 = 14; Richard Divis 7 + 7 = 14; Xaver Tippmann 3 + 10 = 13; Tomas Schwamberger 5 + 6 = 11; Lukas Heger 3 + 7 = 10; Kevin Slezak 4 + 4 = 8; Constantin Ontl 2 + 6 = 8; Yuma Grimm 3 + 5 = 8; Christoph Schmidt 3 + 2 = 5; Andre Bühler 0 + 4 = 4; Korbinian Schütz 0 + 4 = 4; Sandro Mayr 0 + 4 = 4; Lucas Flade 0 + 3 = 3; Petr Pohl 1 + 0 = 1; Patrick Demetz 0 + 1 = 1

Die Einsätze

52 Spiele: Girduckis, Hammond; 51: Trivino; 50: Gajovsky, Grimm, Schmidt; 49: Weber: 48: Yogan, Schembri; 47: Heger; 46: Heider; 45: Slezak, Ontl, Mayr; 44: Schmid; 39: Tippmann; 37: Flade, Demetz; 34: Schütz; 27: Schwamberger; 25: Divis; 24: Bühler; 16: Booth; 6: Pohl

Torhüter: 51 Spiele (41 Einsätze): Tom McCollum (2423:43 Minuten (3 Shutouts, Gegentorschnitt 2,55); 50 Spiele (12 Einsätze): Jonas Neffin (696:15/0/3,02); 2 Spiele: Fabio Marx; 1 Spiel: David Kubik

Die Strafminuten

81 Strafminuten: Weber; 47: Schembri; 46: Heider; 45: Yogan; 29: Ontl; 20: Demetz; 18: Tippmann; 16: Schmid und Divis; 12: Bühler, Mayr, Girduckis und Trivino; 10: Flade und Booth; 8: Schwamberger, Grimm und Schütz; 6: Hammond, Heger und Slezak; 4: Schmidt und Gajovsky; 2: Pohl

Die Eiszeit pro Spiel

21:16 Minuten: Weber; 20:48: Yogan; 20:42: Girduckis; 19:21: Hammond; 18:37: Tippmann; 18:26: Heider; 18:21: Trivino; 17:52: Divis; 17:16: Gajovsky; 16:44: Schmid; 15:57: Booth; 15:39: Schwamberger; 15:36: Schembri; 14:34: Bühler; 14:06: Demetz; 13:36: Pohl; 13:21: Schütz; 13:16: Heger; 12:12 Flade; 12:08: Ontl; 11:12: Mayr; 11:00: Slezak; 9:41: Schmidt; 9:18: Grimm