Teuer erkaufter Bayernliga-Sieg
Die Adler sind „heimlicher“ Tabellenführer – mit einem Wermutstropfen

27.11.2023 | Stand 27.11.2023, 21:34 Uhr |
Gerd Winkler

Die Adlerfreude in der Jubeltraube war nach dem Sieg groß – auch wenn es auch einen Wermutstropfen gab. Foto: Christian Brüssel

Es war ein fulminanter Auftritt der Adler von Handball-Bayernligisten SG Regensburg, der jedoch überschattet wurde von einer Hiobsbotschaft von Konstantin Singwald: Frühzeitig um den Distanzschützen im Gipfeltreffen gegen den Spitzenreiter HSC Coburg beraubt, schickte der nun „heimliche Tabellenführer“ im Tollhaus an der Alfons-Auer-Straße die Oberfranken mit einer 29:26 (16:17)-Niederlage im Gepäck auf die Heimreise.

Singwald blieb in der siebten Spielminute nach einem Sprungwurf auf dem Spielfeld liegen, fieberte fortan auf Krücken mit. „Bei der Landung hat das Knie nachgegeben“, berichtete der Halblinks hernach. Er gehe davon aus, dass er eine Zeitlang raus sei und im neuen Jahr wieder angreifen könne. Am Montagmittag stellte sich beim MRT aber heraus, dass das vordere Kreuzband gerissen ist. Eine schwere Hypothek hinsichtlich des erklärten Ziels, dem Aufstieg in die 3. Liga. Das kongeniale Rücktraum-Trio Singwald mit den Simbeck-Brüdern Jojo und Basti ist somit für den Rest der Saison gesprengt. Dass es ohne den Shooter funktionieren kann, bewiesen seine Mitspieler gegen Coburg. Ob das auf Dauer zu kompensieren ist, muss sich herausstellen: zunächst am Samstag im Gastspiel beim Fünften HaSpo Bayreuth.

Coburg war mit einer sehr jungen Mannschaft angereist: Vier letztjährige sowie vier aktuelle Bundesliga-A-Jugendliche zählten zum Kader. Der HSC hatte auf dem Spielbogen 15 Spieler stehen, die Adler zwölf – nach dem Ausscheiden Singwalds standen nur neun Feldspieler zur Verfügung.

Ärgerlicher Gästecoach

In der ersten Halbzeit lief die SG nach dem 7:7 (12.) einem Rückstand hinterher. Beim 13:17 (28.) drohte es zur Pause klarer zu werden, ehe zweimal Tom Wuka und Kanonier Jojo Simbeck verkürzten. Für HSC-Coach Ronny Göhl ärgerlich, wie er später zu Protokoll gab: „Wir haben Regensburg die Gelegenheit gegeben, mit einem guten Gefühl aus der Halbzeit zu kommen.“

Im zweiten Durchgang rührten die Adler am eigenen Kreis Beton an. In den ersten 14 Minuten bissen sich die Gäste am Bollwerk die Zähne aus, die SG ging mit 21:17 in Führung. Bis zum 22:20 (47.) blieb Coburg in Schlagweite, ehe die Adler für das vorentscheidende 26:21 (54.) sorgten. Die letzten Lebenszeichen brachten den Zweitliga-Unterbau auf 26:23 (56.) heran, nach den Toren der Simbeck-Brüder zum 28:23 (57.) war der Drops gelutscht.

Feuer und Flamme war Trainer Kai-Uwe Pekrul für die Abwehrarbeit: „Die hat wie geplant funktioniert, wir haben dem Gegner den Schneid abgekauft.“ Coburg habe in der zweiten Halbzeit den Faden verloren. Dass man nur neun Treffer zuließ, sei auch dem sensationell haltenden Torhüter Felix Schmidl zu verdanken gewesen. Beeindruckt äußerte sich Pekrul zum 15-fachen Torschützen: „Jojo Simbeck hat sich mit seinen erst 22 Jahren zum Leader entwickelt. Er reißt die Mannschaft durch seine Leistung mit.“ Für den Gelobten war entscheidend, dass nach der Halbzeit einer im Mittelblock etwas offensiver spielt: „Dadurch haben wir den Kreis und die Werfer in den Griff bekommen.“ Das sei der Wahnsinn, weil Coburg so viel Qualität habe und so strukturiert spiele.

„Die Halle hat gebebt“

Auch die Kulisse hätte ihren Beitrag geleistet: „Die Unterstützung war sensationell. Das kenne ich bisher nur bei Auswärtsspielen.“ In die gleiche Kerbe schlug Kreis Tim Vasold: „Die Halle hat gebebt, das war der ultimative Ansporn.“ Der Sieg sei nur möglich gewesen, weil der Ausfall von „Konsti“ kompensiert wurde. „Das sind mit die zwei wichtigsten Punkte in dieser Saison.“

Angesichts des Kraftaktes galt der Dank von GmbH-Chef Simon Dillinger auch der für die Fitness zuständigen Sportwissenschaftlerin Lavinia Albescu: „Unsere Physis ist die Grundlage, was für eine Leistung unsere Mannschaft liefert.“ Lavinia wolle er auf dem Weg nach oben nicht missen. Nach oben heißt: 3. Liga.