Vorfreude, aber kein Vorteil
Die Eisbären und ihr ganz besonders Freiluftspiel an der Skischanze in Klingenthal

17.02.2024 | Stand 17.02.2024, 6:00 Uhr

Nicht so leicht zu Fall zu bringen waren zuletzt die Eisbären um David Booth (in Rot, hier gegen Bad Nauheim), die 14 ihrer letzten 17 Spiele gewannen. Foto: Andreas Nickl

Das Wort „locker“ mag Max Kaltenhauser nicht, weil es transportieren könnte, seine Eisbären gingen nicht mehr mit vollster Hingabe zu Werke. Und doch steht fest: Nach dem rechnerisch vollzogenen Klassenerhalt lässt sich für den Tabellenzweiten der zweiten Eishockeyliga das Freiluftspiel am Sonntag um 14 Uhr in Klingenthal gegen die mitten im Existenzkampf um Platz zehn steckenden Lausitzer Füchse ohne Druck zelebrieren.

„Fakt ist: Damit ist die Saison auf jeden Fall eine hervorragende“, sagt Kaltenhauser – was aber längst nicht das Ende bedeuten soll. „Wir wollen so gut sein, wie es noch geht.“ Schließlich ist auch die direkte Playoff-Qualifikation in den Top sechs rechnerisch im Prinzip nur noch einen Sieg aus den letzten sechs Spielen entfernt. „Das wäre der absolute Wahnsinn.“

Erst einmal wartet im in den letzten Wochen und Monaten eigens aufgebauten Stadion an der Skisprungschanze eine besondere Kulisse – unter besonderen Voraussetzungen. Die Eisfläche von 60x 26 Metern hat nordamerikanische Maße und ist damit vier Meter schmäler als üblich. „Das klingt nicht viel, aber für eine Mannschaft wie uns, die die komplette Breite nutzen und spielen will, ist das ganz sicher kein Vorteil“, sagt Max Kaltenhauser und versuchte in den Trainingseinheiten am Donnerstag und Freitag in der 28 Meter breiten Trainingshalle der Donau-Arena die Verhältnisse schon einmal ein bisschen zu simulieren. Und auch das voraussichtlich weiche Eis bei den warmen Temperaturen spielt den Eisbären nicht in die Karten. „Aber lieber, als würde es im Erzgebirge eiskalt pfeifen, ist es mir doch“, sagt Kaltenhauser, der mit Crimmitschau ja auch eine Station in einem legendären Stadion in der Ecke aus seiner Aktivenzeit gut kennt.

„Großer Teil der Geschichte“

Vom Regensburger Stadion an der Nibelungenbrücke hat der 42-Jährige „nur in Erzählungen“ gehört. „Aber das ist ein sehr großes Stück der Vereinsgeschichte – und das wird es auch immer bleiben “, sagt der Eisbären-Trainer und blickt voller Vorfreude auf das Spiel, „weil ich so etwas noch nie erlebt habe. Und ich glaube, dass es den Spielern ganz genauso geht.“ Dazu sieht er es als Ehre an, einer der vier beteiligten Klubs (am Freitag spielten ja schon Crimmitschau und Dresden gegeneinander) sein zu dürfen. „Für den Klub, die Sponsoren und die Fanbindung ist das ein großer Gewinn für unseren Standort“, sagt Kaltenhauser.

Der Mann mit dem Jugendklub Klostersee weiß noch um alte, zugige Stadien wie Straubing oder Kaufbeuren, erlebte Freiluftflair am St.-Christina-Hang in Ravensburg, hatte aber sonst in seiner Aktivenzeit nur mit Waldkraiburg in Pegnitz unter freiem Himmel gespielt. „Und früher in Ottobrunn.“

Max Kaltenhauser war schon am Freitagnachmittag angereist, um die Bedingungen vor Ort genauer zu erkunden. Am Samstagmittag kann sich die Mannschaft in einer Trainingseinheit ein Bild machen. „Klar werden wir ein paar Sachen anpassen. Aber wir werden jetzt nicht alles umwerfen. Das führt nur zu Unsicherheit“, sagt Kaltenhauser. „Und Weißwasser spielt bei all seiner Historie ja auch nicht jeden Tag auf so einer Eisfläche.“

Neun Verteidiger und zwölf Stürmer stehen nach zwei freien Tagen („Für den Kopf tut so eine Pause vor den Playoffs auf alle Fälle noch einmal gut“), einem freiwilligen Training am Mittwoch und zwei normalen Trainingstagen („Wir haben gut trainiert“) zur Verfügung. Es fehlen weiter nur Tomas Schwamberger und Richard Divis, der aber „schon wieder voll trainiert hat“.

„Brauchen jeden Euro“

Und während andere Teams aufgerüstet haben, haben Kaltenhauser und Co. den Kader nur um Jung-Eisbär David Kubik als vierten Torhüter ergänzt. „Nach einer Tagesregel, wie lange er den deutschen Pass hat, zählt er jetzt nicht mehr als Ü-24-Spieler, sondern als U-Spieler“, erklärt Kaltenhauser. „Fabio Marx hatte sich die Chance als Regensburger verdient. Das hat David auch. Er hat sich gut entwickelt.“Ansonsten habe man im allgemeinen Wettrüsten nicht mitmachen wollen und nach dem Klassenerhalt auch nicht mehr mitmachen müssen. „Wir werden wieder jeden Euro brauchen, um auch nächste Saison konkurrenzfähig zu sein.“

Eisbären-Infos

Lizenzprüfung: 15 Teams – sechs aus der DEL und neun Oberligisten – haben die nötigen Unterlagen zur Lizenzprüfung der DEL2 für die Saison 2024/25 eingereicht. Von oben handelt es sich um Düsseldorf, Nürnberg, Frankfurt, Iserlohn, Augsburg und einen bisher noch unbekannten Klub. Aufstiegsinteresse melden laut Fachblatt „Eishockey News“ neben Weiden, Heilbronn und Deggendorf aus dem Süden noch die Hannover Scorpions und Indians, Essen und Leipzig an. Kolportiert wird auch, dass Halle dazugehört. Der neunte Klub fehlt auch hier noch.

Ehrungen: Am Rande der drei Outdoor-Spiele in Klingenthal finden bei einer DEL-2-Gala (Samstag 21.30 Uhr live auf youtube) auch die üblichen Ehrungen statt. Mit Torhüter Tom McCollum sowie Liga-Topskorer Andrew Yogan und Corey Trivino bei den Stürmern sind auch drei Eisbären unter den bereits veröffentlichten Top drei in Tor, Abwehr und Angriff. In den Kategorien „Spieler der Saison“ und „Trainer der Saison“ ist noch keine Vorauswahl veröffentlicht. Mindestens ein Eisbär und Coach Max Kaltenhauser sollten aber auch hier heiße Kandidaten sein.