Aber das Defizit ist sechsstellig
Ein Eisbären-Genuss unter freiem Himmel an der Skisprungschanze in Klingenthal

19.02.2024 | Stand 19.02.2024, 20:00 Uhr

Riesenunterstützung: Es dürften am Ende 4000 Fans gewesen sein, die die Eisbären in Klingenthal begleiteten. Fotos: Andreas Nickl (7)

Die Atmosphäre war nach Spieler- und Trainermeinung bei den Eisbären Regensburg „unglaublich“, „sehr geil“, „grandios“ oder „Zum Genießen“. Die finanzielle Bilanz mit einem sechsstelligen Minus fällt dagegen eher schwierig aus.

Unter dem Strich war der für das Regensburger Eishockey vielleicht einmalige Freiluftauftritt in Klingenthal, wo von Freitag bis Sonntag in einem eigens aufgebauten Stadion unter der Skischanze insgesamt drei Spiele über die Bühne gingen, aber ganz sicher eine Werbung für die Sportart. Dass mit dem 3:2-Erfolg nach Verlängerung gegen Gastgeber Weißwasser der zweite Platz in der zweiten Eishockeyliga gefestigt wurde, war für die Oberpfälzer noch das i-Tüpfelchen obendrauf.

Die Eisbären haben dieser Tage eine Reisewoche zu absolvieren: Auf die ganz besondere 200-Kilometer-Fahrt nach Sachsen vom Sonntag, wo nichts so war wie gewohnt, folgt schon heute der 300-Kilometer-Trip nach Ravensburg, wo ab 20Uhr im 48. Saisonspiel ein Sieg beim Tabellenvierten und amtierenden DEL-2-Meister, der bereits neun Punkte schlechter steht, ein Meilenstein im Kampf um das Heimrecht wäre. Selbiges genießen nämlich die Top vier der Tabelle nach 52 Spielen. Am Freitag (19.30 Uhr) geht es dann noch ins Allgäu zum ESV Kaufbeuren, der 14 Zähler hinter den Eisbären noch massiv im Kampf um Platz sechs und damit den direkten Einzug ins Playoff-Viertelfinale steckt.

Der Schütz-„Vorteil“

Für die Regensburger war der Erlebnisfaktor in jeder Äußerung spürbar. Eigengewächs Korbinian Schütz hatte einen kleinen „Vorteil“. Er hatte in der Endphase des alten, inzwischen abgerissenen Eisstadions an der Nibelungenbrücke in Regensburg noch das Eishockeyspielen und Schlittschuhfahren gelernt. „Die 20Minuten, die wir uns eher warmgemacht haben, waren erstmal die größte Umstellung“, berichtete der 28-jährige Verteidiger von seiner Wahrnehmung. „Ansonsten habe ich das einfach genossen.“

Ähnlich ging es Lukas Heger. Der Stürmer hat aus dem aktuellen Kader die meisten Spiele auf dem Buckel: Er absolvierte in Klingenthal sein 450. Spiel im Eisbärentrikot. „Schöne Zahl, schönes Spiel: Es hätte nicht besser sein können“, jubilierte er hinterher. „Als ich klein war, habe ich mal auf dem Weiher gespielt. Aber im Seniorenbereich war‘s nie unter dem freien Himmel.“ Der 29-Jährige plädiert dafür, solche Spiele rar zu halten. „Dadurch, dass es das erste Mal für alle war, war es etwas ganz anderes. Die Frage ist, ob man so etwas noch einmal erlebt.“ Es fehlte nur der 300. Skorerpunkt zum vollkommenen Glück. „Ich glaub, den habe ich heute gemacht. Der Pass war von mir“, sagte Heger. Doch auch auf dem offiziellen Spielberichtsbogen, der nach dem Match so oft korrigiert wird, blieb das 2:0 von David Booth ohne Assist.

Auch Youngster Sandro Mayr war höchst angetan. „Es hat Riesenspaß gemacht. Die Atmosphäre in einer Arena an einer Skisprungschanze war sehr cool. Das bleibt für immer im Kopf.“ Und auch Co-Trainer Jan Suran fand nur Positives. „Ich habe einige Freunde, die spielen schon so lange und haben so etwas noch nie erlebt. Es ist toll für unsere Organisation, dass wir das machen konnten.“

Mehr EVR-Fans als gedacht

Dass auch das Regensburger Spiel mit 10600 Zuschauern eine fünfstellige Besucherzahl aufwies, war wohl vornehmlich den EVR-Unterstützern geschuldet. In der Ankündigung standen 1500 bis 2000 Regensburger Fans rund 5000 Weißwasser-Anhängern gegenüber. In der Tat dürften es wohl eher 4000 Oberpfälzer in Klingenthal gewesen sein. „Die Kulisse war überraschend. Die Bilder haben scheinbar gewirkt und dafür gesorgt, sodass sich noch Fans aufgemacht haben“, sagte Eva Wagner, die Geschäftsführerin der veranstaltenden Sportwerk GmbH, einer Berater- und Eventfirma aus Dresden, die auch das finanzielle Risiko trug.

In der Gesamtbilanz aber fehlten nach der polizeilichen Kapazitätsbeschränkung auf 15000 Zuschauer pro Partie Fans. „36000 ist eine stattliche Zahl, die uns sehr freut, aber sie ist hinter den Erwartungen. Uns fehlen ungefähr 10000 Zuschauer, um das Ganze kostendeckend abzubilden. Das gehört auch zur Wahrheit. Das Defizit ist sechsstellig“, sagte Wagner offen und gestand Startschwierigkeiten am Freitag bei der Partie Crimmitschau gegen Dresden. „Aber es war ein Erlebnis der besonderen Art. Es war auch der Ansatz eines Eventgames, Eishockeysport mal anderen Zielgruppen zugänglich zu machen und zu zeigen, welche Dynamik, welche Freude und Leidenschaft auf den Rängen in dieser Sportart steckt. Dass das mit Risiko behaftet ist, ist uns bewusst gewesen.“