Besonders heiß auf die Baseball-EM
Für Niklas Rimmel sind die Titelkämpfe nach seiner Entlassung in den USA eine willkommene Ablenkung

23.09.2023 | Stand 23.09.2023, 6:00 Uhr
Matthias Ondracek

Urplötzlich endete für Niklas Rimmel die Zeit als Profi in Nordamerika. Foto: Imago/Sven Simon

Die schlechte Nachricht ereilte ihn urplötzlich: Noch vor dem Ende der Saison in der Minor League wurde US-Profi Niklas Rimmel von der Organisation der Minnesota Twins entlassen. „Überrascht“ war der 24-Jährige, als er erfuhr, dass seine Baseball-Reise in Übersee im fünften Jahr endet.

Nun will Rimmel mit der deutschen Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft in Tschechien für einen positiven Jahresabschluss sorgen. Der Starting Pitcher soll eine tragende Rolle im Team von Bundestrainer Jendrick Speer spielen und möglicherweise schon zum Auftakt gegen Belgien am Sonntag (17:30 Uhr) zum Einsatz kommen.

Seit 2018 im Farmsystem



Seit 2018 war der gebürtige Berliner im Farmsystem der MLB-Organisation des deutschen Aushängeschildes Max Kepler aktiv. Im September 2017 statteten die Twins den damaligen Schüler des Sportinternats der Guggenberger Legionäre mit einem Sieben-Jahres-Vertrag aus. So lange wird den Nachwuchstalenten in der Regel maximal gewährt, um sich in der Mühle des Profi-Baseballs zu beweisen.

Blickt man allein auf die Statistiken, erscheint die Entlassung Rimmels tatsächlich unverständlich. Kontinuierlich hatte sich der Ex-Regensburger gesteigert. In dieser Saison lief Rimmel hauptsächlich für die Cedar Rapids Kernels in der Stufe A+ auf. In insgesamt 142 Innings ließ der Deutsche im Schnitt lediglich 2,66 Runs pro Spiel zu. Mit 137 Strikeouts gegenüber 55 Walks stimmte eigentlich auch diese Quote.

Nicht gut genug, so befanden letztlich zumindest die Verantwortlichen der Twins. „Wirklich Gründe wurden mir nicht genannt, das war schon enttäuschend. Aber so ist das Geschäft“, erklärt Rimmel. „Ich wurde direkt nach dem Spiel ins Büro zitiert. Dort saßen mein Pitching Coach und der Manager. Während dem Gespräch selbst war ich wie in einem Film. Es ging alles recht schnell. Zwölf Stunden später war ich dann auch schon im Flieger“, beschreibt der rechtshändige Werfer.

Wie es für ihn weiter geht, mag Rimmel noch nicht prognostizieren: „Es ist noch zu früh, dazu etwas zu sagen. Mich hat diese Situation auf jeden Fall viel gelehrt.“ Die Europameisterschaft kommt für ihn wie gerufen. „Jetzt will ich mich zunächst voll auf die EM fokussieren und mein Bestes geben. Man weiß nie, was sich ergibt“, sagt Rimmel.

Schlüsselspiel gegen Belgien



Ausschlaggebend für den weiteren Verlauf ist für Rimmel in erster Linie die Auftaktpartie: „So wie die Konstellation ist, ist das Belgien-Spiel das absolut entscheidende. Da müssen wir alles reinwerfen.“ Der Europameister von 1967 gilt neben Deutschland als Topkandidat auf den zweiten Platz hinter Gruppenfavorit Israel. Betreut werden die Belgier vom früheren Regensburger Coach Paco Garcia. Der US-Amerikaner holte sich mit Jakub Vancura außerdem einen weiteren Ex-Legionär in sein Trainerteam.