„Ein sehr richtungsweisendes Spiel“
Heimlicher Tabellenführer ist am Samstag in Regensburg Adler-Gast

22.02.2024 | Stand 22.02.2024, 18:04 Uhr
Gerd Winkler

Als „sehr richtungsweisend“ sieht SG-Trainer Benjamin Herth das Duell mit Landshut. Foto: Brüssel

Die entscheidende Frage lautet am Samstag um 17.30 Uhr an der Alfons-Auer-Straße: Ob und wie können die Adler von Handball-Bayernligist SG Regensburg (1., 27:7 Punkte) im Spitzenspiel den heimlichen Tabellenführer TG Landshut (3., 24:6) in Zaum halten?

Die Niederbayern kreuzen mit der Empfehlung von durchschnittlich 35 erzielten Toren auf. Im neuen Jahr hat Landshut eins draufgesetzt: 159 Treffer in vier Partien. Regensburgs Zahlenwerk lautet: im Schnitt 30 Tore, seit Jahresbeginn deren 29.

Der Kader der Gäste ist bisher von Verletzungspech verschont geblieben und überdies ausgewogen besetzt. Im Rückraum ist jede Position doppelt besetzt – inklusive zweier Linkshändern. Trainer Kay Hoffmann muss keine Kompromisse gehen und kann zudem das Tempo maximal hochhalten. Von solchen Verhältnissen kann der seit Mitte Januar im Amt befindliche Adler-Coach Benjamin Herth nur träumen. Ein Trio aus der ersten Sechs ist raus: Linksaußen und Strafwurfschütze Valentin Deml (Kreuzbandriss) hat in der laufenden Saison kein Spiel bestritten und dürfte in der Vorbereitung im Sommer wieder an Bord sein.

Improvisation ist angesagt

Für Kreisläufer Ole Schwagerus (Knie) ist seit Ende September 2023/24 gelaufen. Ebenso für Halblinks Konstantin Singwald, der im November einen Kreuzbandriss erlitten hat. Das kongeniale Rückraum-Trio Jojo und Basti Simbeck sowie Singwald ist somit gesprengt. Der etatmäßige Mitte Tom Weikl kommt nun vornehmlich auf der rechten Seite zum Einsatz, ein Linkshänder wird seit Jahren vermisst. Herth muss improvisieren: Linksaußen Tom Wuka und Rechtsaußen Dario Feuerriegel müssen im Rückraum für Entlastung sorgen. Vorigen Samstag bei der 30:31-Niederlage in Günzburg feierte Lukas Heinle sein Saisondebüt, allerdings soll der „Halbe“ in erster Linie seinen Beitrag zum Klassenerhalt der gefährdeten Landesliga-Mannschaft liefern. Trotz der Personalproblematik bekräftigt Adler-Chef Simon Dillinger das ursprüngliche Saisonziel unaufhörlich: „Aufstieg in die 3. Liga.“

Herth macht derweil kein Aufhebens um die Einschränkungen. „Das Spiel in Günzburg war das stärkste unter meiner Regie, nur das Ergebnis hat nicht gepasst“, findet der 38-Jährige. Jeder im Rückraum könne Akzente setzen. Heinle habe Bewegung reingebracht, den zweiten Mann gebunden und den Ball gut weiterlaufen lassen. In Ordnung fand Herth die erste Welle, bei der zweien, dritten sowie der schnellen Mitte habe man zurückgesteckt, um mit der Spritzigkeit zu haushalten.

Für den Ex-Nationalspieler ist das gefühlte Derby gegen Landshut „ein sehr richtungsweisendes Spiel“. Er sehe nicht wirklich einen Favoriten, die Tagesform würde entscheiden. „Als Spitzenreiter sind wir die Gejagten. Jeder lechzt darauf, dass wir Federn lassen“, weiß Herth. Im Abschlusstraining am Freitag werde er seinen Jungs einen Zusammenschnitt von Landshuter Szenen an die Hand geben: „Die können auch am Samstag nochmals selbstständig reinschauen.“ Er sei aber kein Freund davon, sich mehr mit dem Gegner als mit sich selbst zu beschäftigen.

In der Vorrunde haben die Adler erstmals seit dem Aufstieg in die Bayernliga vor sechs Jahren die Landshuter Festung mit 32:26 gestürmt. „Das war ein wildes Spiel mit den vielen kurzen Deckungen beidseits. Da ist es schwierig, Erkenntnisse rauszuziehen“, kommentiert Herth. Für Kay Hoffmann, nach langen Jahren in Anzing, seit Sommer bei der TG am Ruder, kam das Spiel im Oktober zu früh: „Wir hatten zwei Neuzugänge und vier, fünf A-Jugendliche zu integrieren. Das muss sich alles erst finden.“ Gerade der Handball lebe von der Abstimmung, jetzt würde es seine Truppe von Spieltag zu Spieltag besser auf die Platte bringen. Außerdem habe man nur selten Verletzte.

Landshut spürt keinen Druck

Druck verspürt Hoffmann nicht: „Wir wollten im oberen Drittel mitspielen, müssen nicht Erster, Zweiter oder Dritter werden.“ Dahingehend verweist Landshuts Coach schmunzelnd auf den Gegner: „Auch ohne Singwald bleiben die Adler für mich der Kandidat für den Aufstieg.“