Topspiel verloren, Tabellenführung weg
Landshut zeigt den Bayernliga-Handballern der Adler in Regensburg die Grenzen auf

26.02.2024 | Stand 26.02.2024, 18:52 Uhr
Gerd Winkler

Jojo Simbeck (in Schwarz) und Co. versuchten ihr Möglichstes, doch gegen Landshut war kein Durchkommen. Foto: Christian Brüssel

Zweieinhalb Monate thronten die Adler des Handball-Bayernligisten SG Regensburg an der Tabellenspitze, nun ist der Höhenflug vorerst gestoppt. Unter dem neuen Trainer Benjamin Herth folgte nach dem unglücklichen 30:31 beim heimstarken VfL Günzburg eine 23:26 (10:11)-Heimniederlage vor 550 Zuschauern gegen den Tabellendritten TG Landshut.

Mit neun Verlustpunkten rangieren die Adler auf Rang zwei. Das 14-Feld führt jetzt das mit zwei Minuspunkten weniger belastete HaSpo Bayreuth an. Heimlicher Spitzenreiter ist indes das mit einer Partie in Rückstand auf Bayreuth befindliche Landshut mit nur sechs „Miesen“. Das letzte Saisondrittel läuten die Adler am Samstag in Rothenburg ein, das Zuhause nicht stabil ist (4/0/4).

„Die gefühlte Last der Tabellenführung ist fürs Erste ad acta gelegt“, kommentierte Herth die Folgen für die bereits vierten und fünften Punktverluste im Adlerhorst. „Weniger auf die Tabelle schauen, mehr auf den Fortschritt und auf die Entwicklung“, kündigte Herth an.

Gegensätzliche Teams

Deutlicher, als es das Ergebnis vermuten lässt, waren im Ostbayern-Derby die Kräfteverhältnisse. Die Voraussetzungen hätten kaum ungleicher sein können: Hier eine junge, in Teilen neuformierte Truppe, die geplagt von drei spieltragenden Langzeitausfällen ist und sich seit Monaten mit viel Improvisations-Kunst durchgemogelt hat. Noch dazu ohne Linkshänder im Rückraum liegt die Last auf den jungen Simbeck-Brüdern Jojo und Basti. Dort eine seit Jahren gewachsene Mannschaft, vor der Saison punktuell verstärkt und nun im Rückraum ausgeglichen doppelt besetzt und überdies bisher ohne Verletzungspech durchgekommen.

Im Vorfeld hatte Landshuts neuer Coach Kay Hoffmann artig die Adler als den Topaufstiegs-Kandidaten schlechthin erkoren, die eigenen Ambitionen unter den Scheffel gestellt. Offensichtlich ein charmantes Ablenkungsmanöver: Angesichts des reifen Auftritts in der zweiten Halbzeit ist den Niederbayern alles zuzutrauen. „Wir haben keinen Druck und denken weiter von Spiel zu Spiel“, hält Hoffmann weiterhin den Ball flach.

Landshut, das mit der Empfehlung von einem Toreschnitt von 35 angereist war, biss sich in der ersten Halbzeit die Zähne an der starken SG-Deckung aus. Erst nach 13 Minuten kamen die Gäste zum ersten Tor, der final zehnfach treffende Paul Saborowski verkürzte zum 1:3. Auch bei den Adlern stockte es, diesmal wollte es bei Geburtstagskind und Liga-Torschützenkönig Jojo Simbeck so gar nicht laufen. Zwei Würfe über das Gehäuse (9., 11.) und ein Pass ins Seitenaus (10.) dienten dem Selbstvertrauen nicht. Eine Schlüsselsituation war das Foul an Tom Wuka bei 9:8 (27.) gleich in zweifacher Hinsicht: Der Halblinks war nun raus und das fällige Überzahlspiel ging mit 0:2 verloren – mit 10:11 ging es in die Pause.

Mieses Gefühl statt Vorsprung

„Anstatt auf drei Tore vorzulegen gehen wir mit minus eins und einem miesen Gefühl in die Halbzeit“, klagte Herth später. Das Gefühl wurde nicht besser, die nächste Überzahl ging mit 0:1 verloren. Jetzt hatte sich Landshut noch besser auf den durchsichtigen Positionsangriff eingestellt, in der Viertelstunde nach dem Wechsel gelangen nur drei Treffer – die Niederbayern zogen auf 20:13 davon. Ab jetzt mit dem siebten Feldspieler war keine Wende zu erzwingen, auch, weil die Außen viele Topchancen liegenließen. Nach dem 17:24 (55.) ließ Herth mit einer offenen Deckung agieren, mehr als Ergebniskosmetik sprang aber nicht mehr heraus.

„Landshut war auf allen Positionen torgefährlich, als es bei denen lief, sind sie mit breiter Brust auf unsere Abwehr drauf“, räumte Herth ein. Seine Jungs seien zögerlich gewesen, hätten sich vielleicht zu sehr einen Kopf gemacht. Wegen der fehlenden Wechselmöglichkeiten sei außerdem die Spritzigkeit verloren gegangen. In die gleiche Kerbe schlug TG-Coach Hoffmann: „Wir konnten mehr wechseln, noch dazu kommt Qualität von der Bank.“ Man habe das Tempo hochgehalten und es sei gelungen, Jojo Simbeck den Weg ins Zentrum zu erschweren.