Gedenken an Agy Diawusie
Ganaus schießt den Jahn zum Rekordsieg: Freuen können sich die Regensburger aber nicht richtig

03.12.2023 | Stand 03.12.2023, 21:07 Uhr

Matchwinner: Noah Ganaus widmet seinen Treffer dem verstorbenen Agy Diawusie. Foto: Nickl

Nachdem er den Ball zum 3:2 ins Tor befördert hatte, formte Noah Ganaus mit seinen Händen ein Herz. Der Matchwinner widmete seinen Treffer seinem am Dienstag überraschend verstorbenen Teamkollegen und Freund Agyemang Diawusie. Die Bestürzung ist weiter groß beim Fußball-Drittligisten SSV Jahn Regensburg. Der Sieg war Sonntag letztlich nur Nebensache.

Der Stürmer, der dem Jahn mit seinem Treffer den historischen zehnten Dreier in Folge beschert hatte, wollte hernach nicht vor die Presse treten. Verständlicherweise. Der 22-Jährige war sehr ergriffen. Diawusie war mehr als ein Mitspieler für ihn. Es war ein schwerer Gang für ihn und seine Mitspieler, am 17. Spieltag überhaupt anzutreten.

Nach der Schreckensnachricht wissen die Regensburger von welch letztlich nachrangiger Bedeutung Sportergebnisse im Vergleich zum größten Gut, der Gesundheit, sind. Gewisse Routinen helfen den meisten Menschen aber bekanntlich bei Trauerbewältigung. Auch deshalb hat man sich beim Jahn dazu entschieden, anzutreten. „Lasst uns dieses Spiel für Agy spielen“, das war die Devise. „Es war extrem wichtig, dass wir gespielt haben“, sagte Trainer Joe Enochs mit Blick auf den Verarbeitungsprozess. Auch ihm persönlich tue es gut, mit der Mannschaft zusammen zu sein. „Um ein kleines Stück zur Normalität zu kommen.“

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„Ergebnis war zweitrangig“

Vor dem Anpfiff herrschte eine gespenstische Stimmung im Jahnstadion. Im Andenken an Diawusie gab es einige Aktionen. Der Jahn lief in Trauerflor auf. Die Fans selbst zeigten eine Choreo. „Ruhe in Frieden, Agy!” Weiße Schrift und schwarzer Hintergrund, versehen mit dem Trikot Diawusies. In der 24. Minute (Diawusie trug die 24) gab es Sprechchöre und Applaus für den verstorbenen Jahn-Profi.

Kapitän Andreas Geipl sprach hernach von einem schwierigen Spiel. Es war wieder keine Glanzleistung der Regensburger – dennoch reichte es auch gegen das Schlusslicht zu einem Dreier. Doch das war letztlich nur eine Randnotiz. „Wir wollten unbedingt spielen, das Ergebnis war zweitrangig, weil das einfach Wurscht ist“, erklärte der Kapitän sichtlich ergriffen. „Wir sind dennoch froh, dass wir gewonnen haben. Man hat aber gesehen, dass sich die Freude in Grenzen hält.“ Unter normalen Umständen wäre so mancher Regensburger vor Freude eskaliert – ob der unglaublichen Erfolgsserie. Mit Sieg Nummer zehn in Folge ist der Drittliga-Rekord des Karlsruher SC nun eingestellt. Weil Dresden verloren hat, beträgt der Vorsprung des Tabellenführers auf den ersten Verfolger Dynamo schon sechs Punkte. Zehn Zähler sind es auf Verl, elf auf Ulm. „Ich freue mich unheimlich, dass wir das Spiel gewonnen haben“, sagte Enochs. Anzusehen war es dem US-Amerikaner aber nicht. Viel zu sehr hatten auch ihn die vergangenen Tage mitgenommen.

Ereignisreiches Spiel

7524 Zuschauer sahen ein ereignisreiches Spiel im Jahnstadion. Elias Huth (34.) und Dominik Kother (36.) brachten den Jahn in Führung. Berkay Yilmaz (40.) war der zwischenzeitliche Anschlusstreffer gelungen. Der Ex-Regensburger Patrick Lienhard (58.) erzielte den Ausgleich. Das letzte Wort gegen das Schlusslicht hatte aber der eingewechselte Ganaus (77.) In der Schlussphase, in der mit Hamadi Al Ghaddioui ein weiterer Ex-Jahnler mitmischte, galt es aber noch mal zu zittern für die Oberpfälzer.

Letztlich ging Louis Breunig (20) als Sieger aus dem Bruderduell mit Maximilian (23) hervor. Ein großes Thema war aber auch das nicht am Sonntag, der mit einer ganz eigenen Atmosphäre versehen war.

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