Seit 40 Jahren Trainer
Sensei Siamak Montazeri ist die Karate-Konstanz in Person

24.02.2024 | Stand 24.02.2024, 18:00 Uhr

Siamak Montazeri lehrte Michael Bindl (rechts) Karate in seiner Akademie von klein auf. Foto: Christian Brüssel

Trainer haben eine überschaubare Halbwertszeit. Wer mehr als fünf Jahre am selben Ort beim selben Verein tätig ist, der gilt als Besonderheit. Siamak Montazeri lehrt seit 40 Jahren in seiner Akademie Karate.

„Woanders hast du in so einer langen Zeit 20, 30 verschiedende Trainer“, sagt Michael Bindl. Der Qualitätsmanager begann 2001 als Kind und blieb seither dabei. „Hier ist einfach immer nur der Meister selbst da.“

Anfangs zwielichtige Umgebung

Der Sensei, der in jungen Jahren viele verschiedene Jobs sowie eine Ausbildung als medizinisch-technischer Assistent machte und dabei durchaus auch Erfahrungen erlebte, dass ein iranischer Name nicht von Vorteil ist, nimmt es eher auf die lustige Art. „Na ja, was soll ich denn sonst machen? Etwa Pizza backen?“, sagt der 61-jährige Träger des achten Dans. „Ich hoffe schon, dass ich das die nächsten 20 Jahre auch noch tun kann.“

Dabei ist auch klar: „Nie im Leben“ hätte Siamak Montazeri gedacht, dass sich aus seiner Idee eine so dauerhafte Einrichtung würde entwickeln können. Auf einer Vespa fuhr er die Handzettel zur Werbung anfangs selbst aus. „Erst waren zwei, drei, vier, fünf Leute dann – und auf einmal waren es 50.“ Wobei bei seiner ersten Station die zwielichtige Umgebung in der Blauen-Lilien-Gasse vor allem weibliche Kundschaft auch schon mal abschreckte.

Montazeri betrieb Wettkampfkarate auf hohem Niveau. Fotos aus seinen jungen Jahren belegen, in welchen Höhen er damals sprang und schlug – und auch heute, wenn er im Karate in seiner klassischen Form ausbildet, das heute nicht mehr so häufig anzutreffen ist, ist bei seinen Vorführungen auch bei ihm selbst zu sehen, wie sehr Karate in sein Fleisch und Blut übergegangen ist. „Der Meister ist eine Institution, mindestens in Bayern“, sagt auch sein Schüler Michael Bindl, der gerade selbst die Trainerlizenz gemacht hat, um seine Erfahrungen irgendwann weitergeben zu können.

Autohaus bringt auf den Geschmack

Bei einer Benefizveranstaltung im Autohaus Wollenschläger, das einst am Galgenberg stand, war er nach Versuchen beim Tennis oder Schwimmen selbst auf den Karategeschmack gekommen und ist seinem Vater dankbar um die vielen Fahrtdienste quer durch die Stadt. „Früher habe ich fünfmal die Woche trainiert. Heute reicht die Zeit nur noch für zweimal.“

In den Anfangsjahren war Bindl die Bedeutung seines Sports auch noch weniger bewusst: „Als Kind machst du dir wenig Gedanken.“ Inzwischen fällt sein Fazit ganz anders aus: „Karate hat zur persönlichen Entfaltung beigetragen. Es hat mir in der Schule, im Studium und im Alltag geholfen – auch, weil die mentale Seite im Kampfsport eben ausgeprägter ist.“ Was auch zur Entwicklung beiträgt, ist der regelmäßige hohe Besuch von Olympiasiegern, Weltmeistern und Karate-Koryphäen, die Simiak Montazeri immer und immer wieder in sein Dojo lotst. „Das inspiriert, fördert den Blick über den Tellerrand. Sicher streben wir nicht zu Olympia, aber solche Leute geben auch uns etwas mit“, findet Michael Bindl.

Siamak Montazeri ist immer wieder froh, beim Karate gelandet zu sein. „Mein Bruder und etliche Verwandte haben im Iran Ringen betrieben. Das wollte meine Mutter nicht.“ In einer Pause eines Ringer-Wettkampfs gab es eine Karate-Vorführung („Da war ich so um die zehn Jahre alt“), die Montazeris Leben nachhaltig und bis heute beeinflusst hat.