MyMz

Schwimmen

Amberger erfüllt sich seinen Traum

Jahrelang hat er darauf hingearbeitet, nun durchquerte Christian Hartmann-Herrmann als erster Oberpfälzer den Belt Richtung Dänemark.
Von Philipp Zimmermann, MZ

Glückliches Team: Christian Hartmann-Herrmann mit seinem Sohn Vincent und dessen Freundin Jenny nach der Beltquerung. Foto: Hartmann-Herrmann

Amberg/Puttgarden.Vor einigen Tagen, als sich der Oberpfälzer Sommer von seiner besten Seite zeigte, konnte man in der Donau wunderbar schwimmen. Nach wenigen Minuten aber wurde dieses Unterfangen ziemlich anstrengend, denn kleine, vorbeirauschende Motorboote hatten für einen Wellengang gesorgt, der den Schwimmlaien schon an die Grenzen seiner Fähigkeiten brachte.

Christian Hartmann-Herrmann hätte über diese Art der Herausforderung wohl nur müde gelächelt. Der 48-jährige Amberger ist Langstreckenschwimmer und hat sich kürzlich seinen Traum erfüllt. Er durchschwamm als erster Oberpfälzer und als neunzehnter Mensch überhaupt den Belt, die Meerenge zwischen Deutschland und Dänemark. In sechs Stunden und 19 Minuten legte er von Rödby in Dänemark nach Puttgarden auf der Insel Fehmarn eine Strecke von 21,5 Kilometern zurück.

Die Beltquerung war Hartmann-Herrmanns 53. Langstreckendistanz – und das, obwohl er erst mit 26 Jahren das Kraulen lernte. Umso schneller wuchs bei dem Projektkoordinator einer Softwarefirma die Begeisterung für die großen Herausforderungen im Wasser, regelmäßig nahm er an Events teil. „Irgendwann wird die Luft immer dünner, wenn du dir neue Ziele setzten willst, da bleiben nicht mehr viele Strecken übrig“, sagte der Amberger.

Maximal drei Anläufe pro Strecke

2008 durchschwamm er die Straße von Gibraltar. Dieser Erfolg motivierte ihn, die noch anspruchsvollere Beltquerung in Angriff zu nehmen. „Ich habe für mich selbst entschieden, solche Strecken maximal dreimal zu probieren, wenn ich es dann nicht schaffen sollte, kann ich mir wenigsten sagen, dass ich alles versucht habe“, erklärte Hartmann-Herrmann.

Ende Juli gelang ihm die Beltquerung. Bis dahin war aber viel Geduld gefragt. Zwei Versuche mussten wegen schlechter Wetterbedingungen abgesagt werden, 2009 und 2012 musste der Langstreckenschwimmer vorzeitig aufgeben. „Es gibt viele Gründe, warum so ein Projekt scheitern kann. Das Wetter muss stimmen, du darfst nicht zu viel Wasser schlucken auch Krämpfe, oder Kontakt mit Quallen können dazu führen, dass man aufgeben muss“, erklärte der Sportler.

Diesmal klappte alles, Hartmann-Herrmann belohnte sich für eine beinharte Vorbereitung. Der Belt ist nur zwischen Mitte Juli und Ende August durchschwimmbar – jährlich ein Versuch, mehr ist nicht machbar. Sechs Jahre in Folge stieg der Amberger ab Oktober ins Training ein. Er absolvierte zunächst knapp 20, in der Hochphase 32 bis 34 Kilometer pro Woche.

Am Samstag, den 26. Juli, kam er mit seinem Team am Abend in Dänemark an. Wann genau er ins Wasser darf, ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar, das entscheidet der erfahrene Kapitän, der das Begleitboot steuert. Hartmann-Herrmann schildert den Tag vor der Querung: „Am Sonntagmorgen kam der Anruf, dass ich schon am Montag ins Wasser muss. Von da an heißt es nur noch: Futtern, futtern, futtern. Man kann sich gar nicht vorstellen, wie viel man an einem Tag essen kann. Bei mir waren es zwei Pizzen, drei Teller Gulasch und unzählige Schokoriegel.“

Die Kalorienzufuhr am Vortag half: Bei seinem dritten Versuch der Beltquerung hielt der 48-jährige durch. Boot und Team fuhren 50 bis 100 Meter vor ihm, um die Route vorzugeben und im Notfall zur Stelle zu sein. Gut zwei Kilometer vor dem Festland wurden die Kräfte dennoch knapp, nach einer solchen Distanz ein normaler Vorgang. Als sein Sohn und Begleiter Vincent dies bemerkte, sprang er kurzerhand ins Wasser und schwamm mit seinem Vater bis ins Ziel.

Ein Gefühl, das nicht zu toppen ist

Für Hartmann-Herrmann war das der entscheidende Moment, der die letzten Kräfte freisetzte. „Was da mit mir passiert ist, das kann ich keinem Menschen beschreiben. Die letzten zwei Kilometer sind immer am schwierigsten, für mich waren sie an diesem Tag aber die einfachsten. Dieses Gefühl ist nicht zu toppen.“

Hartmann-Herrmann will nun erst einmal durchschnaufen und seinen Erfolg genießen. Doch lange wird er wohl nicht stillhalten können, dafür ist er noch immer viel zu ehrgeizig.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht