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Epidemie

Angst vor Ebola greift im Sport um sich

Tausende Menschen starben bereits an Ebola. Die Ebola-Angst ist auch im Sport angekommen. Doch die Ansteckungsgefahr ist nicht das einzige Problem.
Von Teresa Fischer, dpa

Gerüchte, dass sich Michael Essien, Fußballer des AC Mailand, mit Ebola infiziert hat, haben sich als falsch herausgestellt – die Angst vor Ebola schürt im Sport auch Rassismus und Diskriminierung. Foto: dpa

Berlin.Es ist ein sonniger Sonntag bei einem Football-Spiel in Florida, als das Maskottchen der Jacksonville Jaguars ein Schild hochhält. „Handtücher übertragen Ebola“ steht darauf geschrieben. Der Plüsch-Jaguar löst mit seinem Scherz Empörung aus. Teampräsident Mark Lamping entschuldigt sich für die Aktion des Maskottchens: Der Mensch in dem Kostüm habe „eine sehr schlechte Entscheidung getroffen“.

Die Angst vor der Krankheit steckt mehr und mehr auch die Sportwelt an. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurden bis Mitte Oktober weltweit knapp 4900 Ebola-Tote erfasst. Die Dunkelziffer liegt viel höher. Besondern betroffen sind die westafrikanischen Länder Liberia, Sierra Leone und Guinea.

Wegen der Epidemie wurde der Weltcup der Säbelfechter im Senegal vorsorglich abgesagt. Und auch um den Afrika-Fußballcup 2015 gibt es Streit. Gastgeber Marokko möchte die Meisterschaft lieber verschieben und spielt mit dem Gedanken, seine Rolle als Veranstalter abzugeben.

Beim Africa-Cup müsse man vorsichtig sein

Der afrikanische Kontinentalverband CAF will den Cup wie geplant vom 17. Januar bis 8. Februar stattfinden lassen und griff UEFA-Präsident Michel Platini für dessen Andeutungen über eine mögliche Verschiebung an. Platini hatte öffentlich erklärt, man müsse zunächst die zuständigen Gesundheitsbehörden kontaktieren und sich informieren. Der CAF verbat sich eine Einmischung der Europäischen Fußball-Union.

„Das Thema Ebola ist auf jeden Fall ernst zu nehmen. Wir dürfen aber nicht den Fehler machen, es zu sehr zu dramatisieren“, sagte Schalkes Eric Maxim Choupo-Moting, der für Kamerun spielt. Er sei der Letzte, der gegen eine Verschiebung des Cups wäre, sollte es notwendig sein. Aber: „Für die Menschen in Afrika ist der Wettbewerb jedenfalls sehr wichtig.“

Auch Dortmunds Pierre-Emerick Aubameyang spielt in der Qualifikation für den Afrika-Cup. „Fakt ist, dass ich mir da viele Gedanken drüber mache“, sagte Trainer Jürgen Klopp. Er habe mit dem Fußballer viel darüber gesprochen und ihn sensibilisiert, bevor er zu seinem gabunischen Nationalteam gefahren sei. Angesichts der Krise müsse man beim Afrika-Cup vorsichtig sein. „Wenn ein afrikanischer Staat das Gefühl hat, das Ganze nicht sicher stemmen zu können, rückt automatisch der Wettbewerb hinten an.“

Profifußball lebt von Internationalität und Mobilität

Während die Veranstalter um die richtige Entscheidung ringen und Vorsichtsmaßnahmen abwägen, werden durch die Krankheit auch Diskriminierung und Rassismus im Sport geschürt. Das musste auch das Nationalteam von Sierra Leone erfahren. Bei einem Trainingsspiel schallten den Fußballern nach Medienberichten von einigen Zuschauern „Ebola“-Rufe entgegen. „Du fühlst dich gedemütigt, wie Abfall und du willst jemanden schlagen“, sagte Ersatztorhüter John Trye. Auch in der Oberliga in Nordrhein-Westfalen riefen nach Vereinsangaben vor einigen Wochen Fans einem afrikanischen Spieler „Ebola! Ebola!“ zu.

Aufklärung über die Krankheit durch Vereine und Verbände wäre notwendig, sagte Sportpsychologe Manfred Glüsenkamp. Zum einen müsste in den Mannschaften selbst über die Krankheit gesprochen werden, zum anderen sollte der deutsche Fußball hier deutlich Flagge zeigen, wenn es um Diskriminierung von Sportlern geht. Schließlich lebe der Profifußball von Internationalität und Mobilität. „Ich würde mir mehr Mut wünschen.“ Der Deutsche Fußball-Bund wollte sich auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa zu diesem Thema nicht äußern.

Gerüchte über Erkrankung eines Fußballspielers waren falsch

Der Arzt der deutschen Nationalmannschaft, Tim Meyer, warnte vor Panikmache. „Nur weil ein Spieler aus Afrika kommt, heißt das doch nicht, dass er gefährdet ist“, sagte Meyer in einem Interview auf „11freunde.de“. Obwohl bisher keine Infektion eines Spitzensportlers mit Ebola bekanntwurde, mussten sich Fußballer mit afrikanischen Wurzeln rechtfertigen.

Michael Essien aus Ghana und sein Verein AC Mailand mussten Gerüchte über eine Erkrankung des Nationalspielers abwehren. „Ich bin fit und gesund. Die Gerüchte, ich hätte mich mit Ebola infiziert, sind nicht wahr“, schrieb der 31-jährige Fußballer auf Twitter. „Das Ebola-Virus ist eine ernste Sache und man sollte keine Witze darüber machen.“

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