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Fussball

Bayern gegen Real: Jubel, Trubel, Eier

Das Duell der beiden Weltklubs ist legendär. Wir blicken auf sechs besonders spektakuläre Partien zurück.
Von Jürgen Scharf

Amancio versucht Gerd Müller zu stoppen, Franz Beckenbauer (ganz links) und Paul Breitner (ganz rechts) schauen zu. Foto: dpa
Amancio versucht Gerd Müller zu stoppen, Franz Beckenbauer (ganz links) und Paul Breitner (ganz rechts) schauen zu. Foto: dpa

14. April 1976: Bayern spielt groß auf, Müller trifft

FC Bayern München gegen Real Madrid: ein Duell der Mauerblümchen war das nie. Schon 1976, beim allerersten Aufeinandertreffen im Europapokal, hatten beide Mannschaften etliche Superstars zu bieten – insbesondere die Münchner, die rund um Franz Beckenbauer ein halbes Dutzend Weltmeister für dieses Halbfinale ins Rennen schickten. Zwei Champions von 1974 hatten aber auch die Madrilenen dabei, da sie Paul Breitner und Günter Netzer eingekauft hatten. Im Hinspiel im Bernabeu-Stadion gab es ein 1:1-Unentschieden. Hier wurde allerdings nicht nur Fußball gespielt, es flogen auch die Fäuste. Ein Real-Fan stürmte aufs Feld und schlug auf den Schiedsrichter ein. Im Rückspiel ging es dann weitaus gesitteter zu. Die Münchner spielten groß auf und gewannen mit 2:0. Beide Tore erzielte, wie könnte es anders sein: Gerd Müller.´

„Lothar erzählte nachher, er habe geglaubt, Juanito hätte ihn umbringen wollen.“

Bayerns damaliger Verteidiger Andy Brehme über das brutale Foul im Hinspiel des Halbfinales 1987

28. April 1987: Juanito flippt aus, Matthäus rächt sich

Lothar Matthäus verwandelt einen Elfmeter gegen den in die falsche Ecke hechtenden Real-Torhüter Francisco Buyo zum 4:1 für den FC Bayern. Foto: dpa
Lothar Matthäus verwandelt einen Elfmeter gegen den in die falsche Ecke hechtenden Real-Torhüter Francisco Buyo zum 4:1 für den FC Bayern. Foto: dpa

In den 70er-Jahren hatte der FC Bayern dreimal den Europapokal der Landesmeister gewonnen. In den 80ern liefen die Münchner unter dem zurückgekehrten Trainer Udo Lattek dem vierten Triumph vergeblich hinterher. 1987 waren sie zumindest ganz nah dran, verloren aber überraschend das Finale gegen Porto. Als eigentliches Endspiel hatte das Halbfinale gegolten. Hier gab es zwischen Bayern und Real eine harte Schlacht, die weit über die Grenzen des Erlaubten hinaus ging. Traurige Fußball-Geschichte wurde die Szene, als Reals Juanito im Hinspiel auf den am Boden liegenden Lothar Matthäus eintrat. Der Spanier wurde für fünf Jahre für alle europäischen Wettbewerbe gesperrt. Matthäus rächte sich auf seine Art und Weise und erzielte beim 4:1-Sieg zwei Tore. Im Rückspiel gerieten die Münchner in Madrid gegen ein stürmendes Real zwar schwer unter Druck, hielten den Schaden bei der 0:1-Niederlage aber in Grenzen und kamen weiter

1. Mai 2001: Beton-Abwehr und Elbers toller Schuss

Stefan Effenberg (rechts) und Fernando Hierro gehen auf Tuchfühlung. Foto: dpa
Stefan Effenberg (rechts) und Fernando Hierro gehen auf Tuchfühlung. Foto: dpa

„La bestia negra“ – die schwarze Bestie ist in Spanien eine Bezeichnung für Mannschaften, gegen die man nicht gewinnen kann. Zu Beginn des neuen Jahrtausends arbeitete der FC Bayern hart dafür, in diesen Kreis aufgenommen zu werden. Als Angstgegner von Real Madrid schaffte er es schließlich. Mit den Leitwölfen Oliver Kahn und Stefan Effenberg stemmten sich die Münchner in mehreren Duellen leidenschaftlich gegen die fußballerisch eigentlich überlegenen Madrilenen. Als Sieger gingen sie – entgegen der Legende – zwar nicht immer vom Platz, zumindest 2001 waren sie aber voll da. Im Halbfinale prallten die Spanier im Hinspiel am Abwehr-Beton der Münchner ab, bei einem Konter traf Giovane Elber mit einem Weitschuss sogar zum Sieg. Im Rückspiel gewannen die Münchner daheim mit 2:1. Danach war der Weg zum Titel frei. Im Finale in Mailand holten sich die Münchner gegen Valencia den Pokal.

Das 25. Duell

  • Der FC Bayern

    trifft an diesem Mittwochabend (Anpfiff 20.45/ZDF) im Halbfinalhinspiel der Champions League wieder einmal auf Real Madrid. Es ist das 25. Duell der beiden Mannschaften– keine Begegnung gab es in der Europapokalgeschichte öfter.

  • Im Halbfinale

    der Champions League steht der FC Bayern zum elften Mal. Bislang erreichte er fünfmal das Endspiel, ebenso häufig scheiterte er, zuletzt dreimal nacheinander gegen spanische Klubs. Schon zum fünften Mal ist Real Madrid der Gegner im Halbfinale: 2001 und 2012 kam Bayern weiter, 2000 und 2014 Madrid.

25. April 2012: Schweinsteiger nimmt sich ein Herz

Bastian Schweinsteiger jubelt nach seinem entscheidenden Treffer im Elfmeterschießen. Foto: dpa
Bastian Schweinsteiger jubelt nach seinem entscheidenden Treffer im Elfmeterschießen. Foto: dpa

Die Bayern hatten im Hinspiel mit 2:1 gewonnen, im Rückspiel in Madrid stand es nach 120 Minuten 2:1 für Real. Das Elfmeterschießen musste entscheiden, wer ins Endspiel, das in München ausgetragen wurde, einziehen durfte. Und die Bayern hatten die besseren Nerven. Reals Superstars Cristiano Ronaldo, Kaka und Sergio Ramos verschossen. Bastian Schweinsteiger konnte dann mit einem Treffer alles entscheiden. Beim Weg zum Elfmeterpunkt rutschte ihm jedoch das Herz in die Hose, oder, wie er es später ausdrückte: „Ich habe kurz meine Eier verloren.“ Er fand sie aber rechtzeitig wieder und traf. Dumm war nur, dass die Münchner anschließend das „Finale dahoam“ gegen Chelsea – ebenfalls im Elfmeterschießen – verloren.

29. April 2014: Bayern bekommt daheim eine Packung

Sergio Ramos erzielt beim Rückspiel in München zwei Tore. Foto: dpa
Sergio Ramos erzielt beim Rückspiel in München zwei Tore. Foto: dpa

Den Grundstein dafür, dass aktuell die Madrilenen als Angstgegner der Bayern gelten, legte Real 2014. Im Hinspiel des Halbfinales wurden die von Pep Guardiola gecoachten und etwas naiv angreifenden Münchner in Madrid eiskalt ausgekontert. Am Ende war es aber zumindest nur eine knappe 0:1-Niederlage. Deutlich herber fiel die Klatsche im Rückspiel aus. Nach einer halben Stunde stand es bereits 3:0 für Real. Mit dem 4:0 durch einen Freistoß von Cristiano Ronaldo wurden die Münchner endgültig gedemütigt.

18. April 2017: Bayern kämpft toll – aber vergeblich

Schiedsrichter Viktor Kassai (Mitte) nimmt Arturo Vidal ins Visier. Foto: dpa
Schiedsrichter Viktor Kassai (Mitte) nimmt Arturo Vidal ins Visier. Foto: dpa

Drei Jahre zuvor hatte Carlo Ancelotti noch Real gecoacht, nun trainierte er die Münchner und traf mit diesen im Viertelfinale auf seinen Ex-Klub. Im Hinspiel musste er mit seinen Jungs daheim eine 1:2-Niederlage einstecken. Vor dem zweiten Spiel in Madrid zeigte er sich dennoch optimistisch und sollte insofern Recht behalten, weil seine Mannschaft zumindest ein großartiges Spiel machte. Nach 90 Minuten stand es 2:1 für die Bayern. Aufgrund eines umstrittenen Platzverweises für Arturo Vidal hatten die Madrilenen in der Verlängerung aber einen Mann mehr auf dem Platz – und nutzten dies clever aus. Cristiano Ronaldo war nicht mehr zu halten und kegelte die Münchner mit seinen insgesamt drei Toren – wieder mal – fast im Alleingang aus der Champions League.

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