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Leichtathletik

Benedikt Huber, der Bilderbuch-Bayer

Mit 27 hat es der 800-Meter-Läufer auf die internationale Bühne geschafft. In Amsterdam hat er nichts zu verlieren.
Von Claus-Dieter Wotruba, MZ

Bei der Deutschen Meisterschaft in Kassel lief Telis-Läufer Benedikt Huber über 800 Meter allen davon. Foto: Kiefner
Bei der Deutschen Meisterschaft in Kassel lief Telis-Läufer Benedikt Huber über 800 Meter allen davon. Foto: Kiefner

Regensburg.Einen Müller, Meier oder Schmidt kennt jeder – im Süden selbstverständlich auch einen Huber. Es sind die häufigsten Nachnamen Deutschlands. Benedikt Huber kannte auf der Leichtathletik-Bühne des Landes kaum einer: In Kassel hoben die TV-Kommentatoren die Herren Ludolph und Krüger auf den Favoritenschild. Mit einem unwiderstehlichen Rennen von vorneweg samt famosem Schlussspurt strafte Huber von der LG Telis Finanz Regensburg alle Lügen.

Im Ziel überraschte ihn Freundin Ramona, die wider der Absprache doch in Kassel war, es flossen Tränen. „Ich glaube, ich habe das besser weggesteckt als mein Pa“, sagt Huber über den ersten Titel, der den Weg ebnete, obwohl die bei der Sparkassen-Gala in Regensburg gelaufene Zeit von 1:46,57 Minuten sieben Hundertstel über der Norm lag. Jetzt steht Benedikt Huber also in Amsterdam mit der Startnummer 784 auf der Bahn, heute ab 11.35 Uhr in den Vorläufen: 32 Konkurrenten sind gemeldet, 18 mit schnelleren Bestzeiten als jene 1:46,57, 14 mit langsameren, beides teils nur um Nuancen.

Hubers Motto in Kassel, als er ungeplant früh vorne lag, wäre auch bei der EM-Ebene umsetzbar: „Ich habe gedacht, probier’s einfach. Entweder es klappt oder es klappt nicht.“

Huber muss es „taugen“

Benedikt Huber hat nichts zu verlieren, einer wie er förderte sich vorwiegend selbst. „Du bist viel zu alt“, hat er öfter gehört. Er hatte die EM immer im Visier. „Für irgendetwas trainiert man ja.“ Der 27-Jährige ist ein Bilderbuch-Oberbayer. Bietet sich ihm eine Möglichkeit, muss es ihm „taugen“, sprich gefallen. Das ist in der Arbeit so, wo der studierte Produktionstechniker für die BSH (Bosch und Siemens-Hausgeräte) Backöfen entwickelt. „Das ist ein Firma mit Freiraum. Da habe ich schon meine Lehre gemacht. Das Arbeitsklima taugt mir.“ Das ist auch beim Verein so. Groß geworden ist Huber beim TSV Palling, in dem 3500-Einwohnerort. „Fußball, Tischtennis, Judo, Leichtathletik – ich habe alles ausprobiert“, sagt Huber. „Bei Fußball und Leichtathletik bin ich hängengeblieben. Mit Fußball habe ich nach der A-Jugend aufgehört, vielleicht weil ich als Läufer erfolgreicher war.“

Bis Berlin soll es weitergehen

  • Benedikt Huber

    will noch ein bisschen weitermachen. „Ich habe mich von Jahr zu Jahr gesteigert, immer um eine oder zwei Sekunden.“ Natürlich lockt auch Huber vor allem eines: Die Heim-Europameisterschaft 2018 in Berlin.

  • „Berlin will ich mindestens

    noch machen“, sagt Huber, der heuer Richtung Olympia-Norm (1:46,00) schielte und theoretisch in Amsterdam noch die Chance darauf hat. Vielleicht aber ist auch Tokio 2020 noch ein Thema.

Sein erster Trainer Werner Oberauer hilft Huber „mit fast 75“ bisweilen noch auf der Bahn. Auch Rupp Rambichler, der vor dem Wechsel nach Regensburg für ihn zuständig war, ist noch vor Ort, wenn’s mal pressiert.

München, Fürth, Regensburg waren für Benedikt Huber die drei bayerischen Optionen. Warum? Klar. „Regensburg hat mir am besten getaugt“, sagt er und musste sich farblich nicht groß umgewöhnen: Er tauschte das blaue Pallinger Trikot gegen das blaue Telis-Trikot. Huber fährt nun die 160 Kilometer zu Leistungsdiagnostik oder „mal übers Wochenende“ von Oberbayern in die Oberpfalz. Die wichtigsten Grundlagen aber wurden zweimal „zehn, zwölf Tage“ in den gemeinsamen Trainingslagern gelegt.

So viele Likes wie noch nie

Der deutsche Meistertitel hat Benedikt Aufmerksamkeit verschafft. „Das Handy hat nicht aufgehört zu klingeln. auf Facebook hatte ich soviele Likes wie noch nie, unser Werksleiter hat mich geehrt und beim Public Viewing wurde ich als Talkgast eingeladen“, erzählt Huber. In den Niederlanden ist er selbst jetzt so ein Außenseiter wie Islands Fußballer bei der Fußball-Europameisterschaft. Die Chance auf das Finale am Sonntag sieht Huber selbst als „eher klein“. Das Bierzelt aber steht und Palling stünde am Sonntag am Kopf, gäbe es vor einem möglichen Fußballfinale ab 18.30 Uhr den Ex-TSVler im Endlauf zu bejubeln.

Wie die Isländer macht sich auch ein guter Teil Pallings auf die Socken, um Benedikt Huber live zu sehen. „Das halbe Dorf ist oben“, sagt er. „Eine Cousine von Mama kommt extra aus Kanada.“ Benedikt Hubers großen Moment will niemand verpassen. In Europa ist er auf Rang 20 notiert und hat bei zwei Rennen in Spanien noch flott internationale Luft geschnuppert. Huber hat die Bestenliste vorsichtig, aber aufmerksam studiert. „Passieren kann alles. Der Achte ist keine Sekunde vor mir.“ Und Island schaffte es ja auch unter die besten acht.

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