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Montag, 24. September 2018 15° 2

Handball-Frauen

Blutleerer Auftritt der ESV-Frauen

Der Regensburger Drittligist hadert mit der „Bunker“-Sperre, Bewegung ohne Ball und Siebenmeter-Misere.
Von Gerd Winkler

Die ESV-Frauen wurden von Freiburg in die Mangel genommen. Kommen sie jetzt noch einmal in die Bredouille? Foto: Christian Brüssel
Die ESV-Frauen wurden von Freiburg in die Mangel genommen. Kommen sie jetzt noch einmal in die Bredouille? Foto: Christian Brüssel

Regensburg.Irgendwie läuft’s bei den Handballfrauen des ESV 1927 Regensburg nicht mehr rund. Ende Oktober fuhren die Eisenbahner als überraschender 10:2-Punkte-Spitzenreiter zum Hinrundenspiel nach Freiburg – und wurde mit dem 24:29 gestutzt. Im Grunde seinerzeit nicht ganz unerwartet. Samstagabend gab’s mit der HSG ein Wiedersehen, und wieder wurde es ein unerfreuliches: Der Oberpfälzer Drittligist unterlag im Ausweichquartier Sporthalle Königswiesen nach einem blutleeren Auftritt dem sich nicht übermächtigen Gast 18:23 (10:11).

Während die Breisgauer zum ersten Auswärtssieg nach vier Monaten kamen, muss der ESV 27 nach dem Aufstand im hinteren Tabellendrittel nun vorsichtshalber in den Rückspiegel schauen: Vier Spieltage vor dem Saisonende sind Kandel, Ketsch II und der auf Abstiegsplatz zehn rangierende Neuling Herzogenaurach nähergerückt. Und das Restprogramm der Blau-Schwarzen hat es in sich: Es geht gegen das Spitzentrio Haunstetten, Bietigheim II und Metzingen II sowie den Fünften Allensbach.

Trommel und Tröte halfen nicht

Für Abteilungsleiter Dieter Müller ist der Fall klar – in erster Linie ist es das Hallenproblem: „Davon bin ich überzeugt: Es fehlt die Atmosphäre und die Stimmung. Das Spiel plätschert so vor sich hin.“ Das gelte oben für die Tribüne wie unten auf dem Spielfeld. Wobei es an Webmaster Jens Fäustl (mit Trommel) und Fördervereins-Schriftführer Kai Schurig (mit Tröte) nicht gelegen hat, weil sie sich 60 Minuten ins Zeug legten. Weil der „Bunker“ an der Dechbettener Brücke seit Januar aus sicherheitstechnischen Gründen auf 200 Zuschauer begrenzt ist, werden die Drittliga-Heimspiele in der Nordhalle, Clermont-Ferrand und in Königswiesen ausgetragen. Wobei: Bislang hatte es in den drei „auswärtigen“ Heimspielen die Optimalausbeute von sechs Zählern gegeben.

Überragende Spielerin der Liga

Dass nur 18 Tore zustande kamen, sei nicht allein an der Heimatlosigkeit festzumachen, räumte Müller doch ein. Freiburg habe als Mannschaft geschlossener gespielt. Und: „Mit Nadine Czok haben die eine überragende Spielermacherin. So eine habe ich in dieser Liga heuer noch gar nicht gesehen.“ Die Rechtshänderin der Gäste „war bis auf zwei Tore an jeder gefährlichen Aktion des Gegners beteiligt“, erklärt Müller. Czok hin, Czok her: Deshalb ist die unendliche Fehlerkette, die schon vor einer Woche bei der 20:27-Pleite im Bayernderby in Herzogenaurach nach dem 11:11 zur Halbzeit den Ausschlag gegeben hatte, nicht erklärbar. „Es fehlt irgendwo das Selbstvertrauen. Wir machen in den ersten Minuten zwei Fehlpässe und haben drei Fehlwürfe – und das zieht dann die ganze Mannschaft runter“, bedauert Müller: „Einige von den Spielerinnen stecken mitten in einer Formkrise“.

Statistik ESV 1927

  • Frauen, 3. Liga Süd:

  • ESV 27 Regensburg – HSG Freiburg 18:23 (10:11). Spielfilm: 2:3, 3:6, 5:8, 7:10, 10:11 – 11:14, 13:16, 15:18, 17:20, 18:23. Strafwürfe: 4/1 – 4/3. Strafminuten: 8 – 6. Tore ESV: Albescu 5, Brockschmidt 4, F. Peter 3, Drachsler, Weber, Negrutiu-Chirila je 2.

Trainer Stefan von Frankenberg war die 60 Minuten über nahezu pausenlos damit beschäftigt, seine Truppe lautstark anzutreiben: „Ihr sollt Euch ohne Ball bewegen, Mensch!“ war x-Mal zu hören – aber immer ins Leere gerufen. Beinahe wie das Kaninchen vor der Schlange passierte nichts: Der Ball wurde lieber quer als nach vorne gespielt. Auf gut Deutsch: Die Verantwortung an die Nebenspielerin weitergegeben. „Wir sind immer erst losgelaufen, als wir den Ball hatten, das zeichnet sich schon seit ein paar Spielen so ab“, klagt von Frankenberg. Jede habe Angst, dass sie einen Fehler mache, so käme es ihm vor. „Warum wir momentan so ideenlos spielen, kann ich nicht sagen“, grübelt er. Es klappen fünf, sechs Angriffe hintereinander – und plötzlich sei es wieder vorbei.

Bezeichnend war für ihn die Bilanz am Siebenmeterpunkt: nur ein Treffer sowie drei Fahrkarten von drei verschiedenen Werferinnen. Frankenberg: „Alle drei werfen die Torfrau halbhoch an die Arme – das hat auch etwas mit Disziplin zu tun“. Für das Montagtraining hat von Frankenberg eine (diesmal wohl umfangreichere) Analyse ankündigt: Es habe sich jede Spielerin zu äußern, wie sie das sieht.

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