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Sportlerwahl

Casanova war die Überraschung des Abends

Der 19-jährige Orientierungsläufer „mit dem wunderschönen Namen“ und dem Ziel einer WM-Medaille 2020 ist Sportler des Jahres.
Von Claus-Dieter Wotruba

Asklepios-Geschäftsführer Franz Hafner (links) und Laudator Klaus Eder (rechts) präsentierten Überraschungssieger Riccardo Casanova und die ebenfalls nominierten Christian Reitz, Rainer Steinberger, Matthias Schmid (den Mutter Andrea vertrat) und Simon Brandhuber. Foto: Lex
Asklepios-Geschäftsführer Franz Hafner (links) und Laudator Klaus Eder (rechts) präsentierten Überraschungssieger Riccardo Casanova und die ebenfalls nominierten Christian Reitz, Rainer Steinberger, Matthias Schmid (den Mutter Andrea vertrat) und Simon Brandhuber. Foto: Lex

Regensburg.Riccardo Casanova schlenderte den langen Weg von seinem Platz im Publikum zu Moderatorin Evi Reiter auf die Bühne sichtlich verlegen nach vorne. Seine Gedanken dabei verriet er nicht – und doch waren sie fast hörbar: „Was passiert da mit mir? Ist das wirklich wahr?“ Der Orientierungsläufer, der 2019 deutscher Vizemeister war und auch immer wieder international im Einsatz ist, schien die Orientierung in diesem einen Fall ausnahmsweise ein wenig verloren zu haben.

Mehr als ein Drittel der Stimmen für Casanova

Denn es war wahr: „Ein wunderschöner Name„, hatte Asklepios-Geschäftsführer Franz Hafner schon bei der Öffnung des Umschlags gesagt – und alle im Saal hatten gewusst, wer damit gemeint war. Riccardo Casanova selbstverständlich. „Dass ist besser als Eder, Müller oder Schorschi“, hatte Laudator Klaus Eder formuliert und dazugesagt: „Kein Radfahrer, kein Schütze, kein Golfer, kein Gewichtheber, sondern ein Orientierungsläufer hat gewonnen.“ Nicht zu knapp: Casanova vereinigte mehr als ein Drittel der Stimmen auf sich und verwies Rainer Steinberger und Christian Reitz mit 13 bzw. 15 Prozentpunkten Vorsprung deutlich in die Schranken. Zweifelsfrei: Der 19-jährige Physik-Student im dritten Semester hatte damit die Überraschung des Abends gelandet!

Mama Milena Grifoni hatte es schon im Filmbeitrag mit TVA-Mann Christian Sauerer „nicht glauben“ können, hielt aber bis zur Verkündung im Marinaforum dicht gegenüber dem Sohn, bei dem der Überraschungseffekt sehr, sehr deutlich Wirkung zeigte. Leicht belustigt hatten den Youngster, der in seinem letzten Juniorenjahr 2020 Ende Juni, Anfang Juli die WM-Teilnahme in der Türkei anstrebt und dort am liebsten aufs Podest will, die beiden Posten in den Filmaufnahmen: „Wir laufen nicht nur über die Wiese, sondern schon quer durch den Wald. Das ist ein bisschen anders als im Video.“

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Bestens geeignete Wälder gibt es in Europa genug: Orientierungslauf kommt aus Skandinavien und das Geheimnis ist, schnelles Denken und schnelles Laufen zu verknüpfen. Insofern ist es für Riccardo Casanova demnächst deutlich einfacher, wenn er im Trikot der LG Telis Finanz bei der deutschen Cross-Meisterschaft nur laufen kann, ohne gleichzeitig Aufgaben lösen zu müssen. Denn die Karte, auf der die anzulaufenden Posten sind bis zum Start unbekannt. „Du bekommst sie erst in der Sekunde, in der du losläufst“, erklärte Casanova dem Publikum seine Sportart, die wenigstens in Deutschland eher im Dunkeln ihr Dasein fristet. „Und dann musst du die beste Route finden und eben entscheiden, ob du es magst, den Berg raufzulaufen, oder lieber außen herum läufst.

Video. MZ

Noch ein Geheimnis im Orientierungslauf: Klug ist, sich einen möglichst vielfältigen Erfahrungsschatz von Geländequerschnitten zuzulegen, um schnell Routen entwickeln zu können. Deswegen ist Orientierungslauf, der 2017 mit der Sprint-Disziplin auch schon einmal mitten in der Altstadt Regensburgs gastierte, unweigerlich auch mit Reisen verbunden. Deswegen sind für Familie das Orientierungslauf-Mekka Skandinavien, aber auch Italien und Portugal öfter mal Reiseziele, wo Training mit Sightseeing verbunden wird. „Und zuhause merkst du, was es bedeutet, ein Leistungssportler zu sein, wenn du mit einem zusammenwohnst“, sagt Papa Valerio. „Er arbeitet wirklich hart“, sagt die Mama. „Aber er kann konzentriert laufen und dabei cool bleiben.“ Beide haben übrigens auch ihr Pysiker-Gen an den Sohn weitervererbt.

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Und Star-Physiotherapeut Klaus Eder offenbarte am Rande seiner Laudatio so ganz nebenbei einen gar nicht so bekannten Bezug zum Orientierungslauf. „Vor 33 Jahren wurde eine junge, hübsche Frau bei uns in der Praxis in der Königsstraße behandelt, wo sich zum Beispiel heute noch die Leichtathleten die Klinke in die Hand geben. Sie wurde erst von einem Mitarbeiter behandelt. Dann kam der Anruf vom Kollegen Dr. Hecht, der meinte, ob ich nicht wüsste, wer das ist? Ich wusste es nicht und er sagte, das wäre doch die deutsche Vizemeisterin im Orientierungslauf und die sollte ich schon selbst behandeln.“ Das Ende vom Lied: „Meine Frau Urs hat die Orientierung nicht verloren und mich drei Jahre später zum Standesamt geführt.“

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