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Das Maß der Dinge heißt Reitz

Der Olympiasieger aus Regensburg gewinnt auch in München eine Medaille. Beim Heim-Weltcup lief nicht alles nach Plan.
Von Claus-Dieter Wotruba

Auch in München stand Christian Reitz auf dem Treppchen, diesmal als Zweiter mit der Luftpistole. Foto: Freddy Siebert/Deutscher Schützen-Bund
Auch in München stand Christian Reitz auf dem Treppchen, diesmal als Zweiter mit der Luftpistole. Foto: Freddy Siebert/Deutscher Schützen-Bund

Regensburg.Wäre Christian Reitz ein Fußballer, wäre er ein Superstar und ein gemachter Mann. Die Weltrangliste führt er an, Olympia-Gold hat er auch in der Tasche und wenn er mal ein anderes als sein Spezialgerät in die Hand nimmt, dann ist der Treppchenplatz genauso gut möglich. Wie in den am Montag zu Ende gegangenen sechs Weltcup-Tagen von München, wo der 31-Jährige auch mit der von den Deutschen nicht gerade geliebten Luftpistole auf dem Silberplatz landete und inzwischen auch unter den Top fünf der Weltrangliste angekommen ist.

Doch Christian Reitz, der mit seiner Ehefrau Sandra in Regensburg lebt, ist im Sportschießen das Maß der Dinge und nicht im Fußball. Und so nimmt zum einen kaum jemand von ihm Notiz und seinen famosen Leistungen, und zum anderen ist die Entlohnung vergleichsweise kärglich. Verdrießen tut das Christian Reitz wenig: „Es ist schade, dass es so ist. Aber ich habe damals nicht angefangen, um mir eine goldene Nase zu verdienen, sondern, weil mir der Sport gefällt. Und genauso ist das immer noch.“

Drei Regensburger mischen mit

  • Christian Reitz:

    Der 31-Jährige, der mit seiner Ehefrau Sandra in Regensburg lebt, ist mit deutlichem Punktevorsprung der Weltranglisten-Erste mit der Schnellfeuerpistole. Mit der Luftpistole ist er als Fünfter so gut platziert wie nie – und wird sich nach Platz zwei in München in der neuen Rangliste ab 1. Juni wohl noch einmal verbessern. Reitz stand beim Heim-Weltcup zudem im Finale mit der Schnellfeuerpistole (6.) und wurde im Mixed Zehnter.

  • Sandra Reitz:

    Mit Platz 18 ist die 33-Jährige mit der Luftpistole in der Weltrangliste besser platziert als mit der Sportpistole (42.). In München fehlten mit 578 Ringen (26.) hier vier Ringe zum Finale, mit der Luftpistole waren es zehn (567/46.).

  • Monika Karsch:

    577 Ringe und Rang 29 mit der Sportpistole, 562 Ringe und Rang 68 (unter 122 Platzierten) waren für die Ansprüche der Weltranglisten-Achten mit der Sportpistole in München viel zu wenig. Im Luftpistolen-Ranking ist die 35-Jährige, die in Schongau geboren ist, aber schon seit Jahren in Regensburg lebt, an Position 63 zu finden.

  • Die Termine:

    Über allem steht bei den Schützen 2018 die WM in Changwon/Korea vom 31. August bis zum 14. September, wo auch die ersten Quotenplätze für Olympia zu holen sind. Die Weltcup-Platzierungen spielen für die Qualifikation der deutschen Schützen dabei keine Rolle: Die Teilnehmer werden im Juli in eigenen Wettbewerben ermittelt.

Reitz selbst hat es noch gut getroffen und ist als Mitglied der Sportfördergruppe der hessischen Bereitschaftspolizei abgesichert. Solche Plätze sind rar. „Vielleicht ist das auch ein Grund, dass nicht so viele nachkommen“, sagt der Ausnahmekönner und weiß, dass es in anderen Ländern die Anreize ganz andere sind. „Das Einzige, was wir kriegen, sind die Prämien von der Sporthilfe. Da ist wenigstens etwas. Aber ich weiß, dass es selbst bei einem EM-Titel das Fünffache von dem gibt, was du bei uns als Olympiasieger bekommst. Und wenn das dein Job ist, ist das zwar Druck, aber auch Anreiz – und eine andere Motivation“, sagt Reitz und erklärt: „Nach München können manche jetzt erstmal wieder die Füße hochlegen und haben ausgesorgt.“

Quotenplätze gibt’s ab der WM

Die Sportschützen sind mittendrin in ihrem Zyklus der Wahrnehmung. Alle vier Jahre ändert sich der Grad der Wahrnehmung bei Olympia kurzzeitig. In diesem Jahr gibt es „nur“ eine Weltmeisterschaften in Changwon in Korea (31. August bis 14. September). Darauf arbeiten alle hin und dort geht es auch wieder los mit dem Kampf um Quotenplätze für Olympia 2020 in Tokio, die jeder Schütze nicht für sich, sondern für sein Land ergattert.

Im Juli wird die deutsche Ausscheidung ausgetragen und anders als bei Olympia 2016 könnte Reitz diesmal auch mit der Luftpistole dabei sein. Weil sich die Qualifikationen überschneiden, ist der Olympiasieger Schnellfeuerpistole gesetzt – „und wenn ich die Möglichkeit schon habe, dann will ich sie auch nutzen“.

Und Christian Reitz nutzt nahezu jede Möglichkeit. Bei sechs Weltcup-Starts stand er 2018 sechsmal auf dem Treppchen. Sinnigerweise fehlte nur ein Sieg – und in München machte ihm ein Fehler im falschen Moment im siebten Wettbewerb die schöne Top-drei-Serie kaputt. Nur ein Treffer in der vierten Fünfer-Serie war so fatal, dass er das Ausscheiden brachte, Platz sechs und das Ende der Chance auf den Heimsieg bedeutete. Immerhin sprang Teamkollege Oliver Geis in die Bresche und gewann mit Silber die zweite deutsche Weltcup-Medaille in München. „Vielleicht war die Konzentration mal weg. Aber das ist nur ins Blaue geraten“, sagt Reitz über einen seiner wenigen und äußerst unüblichen Aussetzer.

Sandra Reitz fand ihren München-Auftritt „durchwachsen“. Foto: Freddy Siebert/Deutscher Schützen-Bund
Sandra Reitz fand ihren München-Auftritt „durchwachsen“. Foto: Freddy Siebert/Deutscher Schützen-Bund

Beim Weltcup in Mexiko früh in der Saison hatte er sogar ein nie dagewesenes Kunststück in der Pistolenszene geschafft und stand in drei Disziplinen gleich dreimal auf dem Podest. Denn seit dieser Saison schießt er mit Ehefrau Sandra erfolgreich im Mixed-Wettbewerb, der 2020 erstmals olympisch sein wird. Drei Weltcup-Starts, zwei Podiumsplätze lautet die Bilanz. Nur in München klappte es nicht mit dem Finale: Die 770 Ringen brachten ringgleich mit dem Siebten Platz zehn – trotzdem heißt zumindest das deutsche Maß der Dinge auch in dieser Disziplin Reitz. „Solche Ergebnisse hat keine Mannschaft derzeit“, sagt Christian Reitz. Sieht gut aus für WM und Olympia? „Für die WM wohl, mehr kann man noch nicht sagen.“ Der Wettbewerb ist so neu, dass die Regularien der Qualifikation für Tokio unklar sind. „Es könnte sein, dass bei der WM die Teams hier auch personenbezogene Startplätze für Olympia zu holen sind“, sagt Christian Reitz.

Ehefrau bei der Militär-WM

Der 31-Jährige hat diese Woche ausnahmsweise „schießfrei“. Die Ehefrau bleibt im Dauer-Einsatz und ist bis Mittwoch nächster Woche bei den Weltmeisterschaften in Thun in der Schweiz aktiv. Korea, EM in Ungarn, Pilsen, Amerika, Mexiko: Die 33-Jährige ließ nichts aus. „Das war beabsichtigt“, sagt Sandra Reitz, „um zu sehen, wo die Grenzen sind. Meine Trainer finden, ich habe das sehr, sehr gut gemacht.“ Und das Wichtigste: Mit Sportpistole, Luftpistole und im Mixed hat auch Sandra Reitz den Status für das Top-Team-Tokio erreicht. „Das ist der erste Schritt, ohne den gar nichts geht“, sagt sie. Nur München sei durchwachsen gewesen. „In jeder Serie fehlte ein Ring. Das muss ich analysieren. Und die Geduld fehlt mir nach wie vor.“

Monika Karsch war enttäuscht von ihren Ergebnissen beim Heim-Weltcup. Foto: Freddy Siebert/Deutscher Schützen-Bund
Monika Karsch war enttäuscht von ihren Ergebnissen beim Heim-Weltcup. Foto: Freddy Siebert/Deutscher Schützen-Bund

Auch für Monika Karsch war nach dem Heimspiel von München nicht glücklich. „Mit der Sportpistole waren es 577 Ringe, mit der Luftpistole 562. Damit bin ich nicht zufrieden“, verlautbarte die olympische Silber-Heldin von Rio aus Regensburg via Facebook. „Ich bin enttäuscht und jetzt gilt es die richtigen Rückschlüsse daraus zu ziehen. Das große Ziel für diese Saison ist die WM und daran arbeiten wir.“

Denn auch eine Karsch kann gut das Maß der Dinge sein.

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