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Crosslauf

Dattke holt EM-Gold mit nur einem Schuh

Die Regensburger Läuferin kommt als Europameisterin mit dem Team aus Tilburg zurück. Florian Orth wird bester Deutscher.
Von Claus-Dieter Wotruba

Hochzufrieden mit dem Auftritt von Miriam Dattke bei der Cross-EM in Tilburg war Trainer Kurt Ring. Foto: Ring
Hochzufrieden mit dem Auftritt von Miriam Dattke bei der Cross-EM in Tilburg war Trainer Kurt Ring. Foto: Ring

Tilburg.Zwei Einzel- und drei Teammedaillen – das war die deutsche Bilanz der Crosslauf-Europameisterschaften im niederländischen Tilburg. Anteil daran hatte auch die Regensburger Fraktion von der LG Telis Finanz: Die 20-jährige Miriam Dattke gewann als Einzel-Sechste in der U-23-Klasse gemeinsam mit Silbermedaillengewinnerin Anna Gehring (Köln), Lisa Tertsch (14., Darmstadt) mit 22 Punkten den einzigen deutschen Titel vor Spanien (25) und Großbritannien (33).

Weiteres Edelmetall holten überraschend das Frauen-Trio um die Einzelsechste Elena Burkhard (Nordschwarzwald) mit Bronze, der aus Eritrea stammende Samuel Fitwi Sibhatu, der bei seinem Nationalmannschafts-Debüt für Deutschland U-23-Silber gewann, sowie das mit Bronze dekorierte männliche U-20-Trio um Mohamed Mohumed (Dortmund/6.) und Nick Jäger (Penzburg/9.).

Immer wieder die Ingebrigtsens

  • U 20:

    Jakob Ingebrigtsen (18), der Doppel-Europameister über 1500 und 5000 Meter, sicherte sich in 18 Minuten auch den EM-Crosstitel über 6300 Meter der U 20.

  • Männer:

    Filip Ingebrigtsen (28:49 Minuten) hatte über 10 300 Meter die Nase vorne und hielt den Belgier Isaac Kimeli (28:52) und Aras Kaya (Türkei, 28:56) nieder. Der Älteste der drei norwegischen Brüder, Henrik, belegte in 29:45 Rang 18 – vier Sekunden vor dem Regensburger Florian Orth (23.).

Auf den 10 300 Metern der Männer war Florian Orth eine Minute hinter Sieger Filip Ingebrigtsen Rang 23. „Damit kann ich gut leben“, fasste Telis-Team-Manager Kurt Ring zusammen. „Ich bin sehr zufrieden. Wir haben uns ja nicht speziell vorbereitet, um die Weiterentwicklung unserer Läufer nicht aufzuhalten. Und bei den Männern war das ja eine Vereinsstaffel.“ Denn neben Florian Orth („Das Rennen hat Spaß gemacht“) kamen Simon Boch auf Platz 42 und der Noch-Fürther Neuzugang Konstantin Wedel  auf Platz 60 unter den insgesamt 85 platzierten Läufern ins Ziel und belegten damit Rang elf mit der Mannschaft. „Ich hatte am Start ein Lächeln auf den Lippen und war sehr froh, hier zu sein“, erklärte Boch gegenüber dem Internetportal leichtathletik.de. „Eigentlich wollte ich an Flo länger dranbleiben, aber da war nichts zu machen.“

Ein Tritt mit Konsequenzen

Das herausragende Ergebnis aus Regensburger Sicht aber lieferte Miriam Dattke – und hatte dabei über zwei Drittel des Rennens über 6300 Metern mit einem großen Handicap zu kämpfen. „In der zweiten Runde ist mir jemand hinten reingetreten“, erzählte Dattke. Die Konsequenz: „Es hat mir den Schuh ausgezogen. Ich habe überlegt, ihn anzuziehen, aber dann wäre wohl eine Lücke entstanden.“

Kurt Ring hatte das anfangs gar nicht gesehen. „Wir haben uns gewundert, warum sie in den Kurven so viel verliert.“ Sein Schützling erklärt: „Es war kalt und rutschig und ich wollte nicht, dass mir jemand drauftritt. Also bin ich nicht die kürzesten Wege gelaufen.“ In der Spitze blieb Miriam Dattke trotzdem, tauchte aber nach dem Zieleinlauf erstmal nicht auf der Anzeigetafel auf, weil sie den Schuh mit dem Chip verloren hatte. „Wäre das nicht passiert, bin ich überzeugt, dass das die sechste deutsche Medaille gewesen wäre“, sagt Kurt Ring. „Aber sie hat alles gut überstanden und nur ein paar Ritzwunden. Cross ist eben ein Kampf Mann gegen Mann – und es war auch wieder eine sehenswerte und tolle Meisterschaft hier.“

Zufrieden mit erstem Auftritt

Hinterher witzelte Miriam Dattke: „Mit zwei Schuhen laufen, kann ja jeder“, sagte sie, meinte auch ernst: „ Klar ärgert das auch, aber das kann passieren. Aber das Team motiviert einen. Da muss man sich zusammenreißen. Im Hinblick auf unsere Vorbereitung kann ich zufrieden sein mit meinem ersten Auftritt in der U 23“, sagte Dattke, die noch zwei weitere Jahre in dieser Altersklasse laufen darf.

„Dass sie nur aus dem Grundlagentraining und mit null Tempoläufen hier so gut mithalten konnte, bestätigt mich in meinem Urteil, dass Miri ein Langstreckentalent ist“, fasste Kurt Ring zusammen. „Wir werden versuchen, dass sie auf der Bahn die 10 000 Meter unter 32 Minuten läuft. Und das ist dann eine Marke, die auch international etwas gilt.“

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