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Leichtathletik

Dattkes beschwerlicher Weg zu DM-Gold

Die 20-jährige Regensburgerin holt sich über 10 000 Meter den sechsten Titel der Saison – und musste sich im Zug umziehen.

Gold bei der U 23, Silber bei den Frauen: Miriam Dattke lieferte in Essen trotz Anreisestress über 10 000 Meter ein Toprennen. Foto: Wilms
Gold bei der U 23, Silber bei den Frauen: Miriam Dattke lieferte in Essen trotz Anreisestress über 10 000 Meter ein Toprennen. Foto: Wilms

Essen.Die Langstreckler der LG Telis Finanz Regensburg lieferten auch bei den deutschen Meisterschaften über 10 000 Meter: Im Essener „Sportpark Am Hallo“ reichte es mittels der U-23- Goldmedaille von Miriam Dattke, der damit gleichzeitig verbundenen Silberplakette in der Frauenwertung sowie einem hart umkämpften dritten Platz durch Simon Boch für den kompletten Medaillensatz. Die Regensburgerin hatte nach einer schwierigen Anreise am Wettkampftag selbst 25 lange Runden im Alleingang zu erledigen und löste diese Aufgabe mit bestleistungsnahen 32:50,10 Minuten bravourös.

Frauensiegerin Alina Reh (SSV Ulm) lag zwar im Ziel nach 31:19,87 Minuten mit der viertbesten Zeit, die jemals von einer deutschen Läuferin erzielt wurde, satte eineinhalb Minuten vor Miri Dattke, die wiederum 45 Sekunden vor der übrigen Konkurrenz ins Ziel kam. Bei den Männern machte Favorit Richard Ringer (Rehlingen/28:28,89) durch einen forschen Antritt bei Kilometer vier alles klar.

Dahinter entwickelte sich ein heißer Kampf um die Medaillen: Am Ende landete Titelverteidiger Sebastian Hendel (LG Vogtland) in 28:43,67 1,67 Sekunden vor Telis-Mann Simon Boch (28:45,34) Beide sind mit neuen persönlichen Bestleistungen neben Ringer Fixstarter beim Europacup am 6. Juli in London. Hoffnungen darauf darf sich auch der nach 29:02,15 Minuten auf Platz fünf ins Ziel laufende Telis-Läufer Philipp Pflieger machen. Auch Miriam Dattkes Nominierung für die U-23-EM von 11. bis 14. Juli im schwedischen Gävle steht nichts mehr im Wege.

Klausur am Wettkampftag

Die 20-Jährige hatte eine anstrengende Anreise: Am Wettkampfvormittag an der Regensburger Uni noch eine Klausur schreiben, zum Bahnhof eilen und feststellen, dass auch ein ICE der Deutschen Bundesbahn 35 Minuten Verspätung haben kann. Durch geschickte Verbindungsänderungen und einige Sprints zu den Anschlusszügen erreichte die Regensburgerin den Sportpark in Essen knapp eine Stunde vor ihrem Start, nachdem sie eine Zugtoilette zu ihrer Umkleidekabine umfunktioniert hatte.

Der Rücken schmerzte

Das Rennen selbst ist schnell erzählt. Deutschlands derzeitige „Überläuferin“ Alina Reh verabschiedete sich nach Runde eins nach vorne. Im Blickkontakt zu ihrem Coach Kurt Ring gelang es der Regensburgerin, ihr ureigenes Rennen gegen die Uhr einigermaßen gleichmäßig zu gestalten und sogar noch bis auf neun Sekunden an ihre Bestleistung vom Europacup 2018 aufzulaufen. „Da gab’s schon ein paar Momente, wo ich gedacht habe, in welchem Film ich gerade bin. Vor allem, als bei Kilometer acht mein Rücken zumachte“, erzählte die in diesem Jahr bereits sechsfache deutsche Meisterin. „Ich bedanke mich auch bei Alina Reh, die ebenfalls noch der U23 angehört, aber eben nur bei den Frauen gemeldet hatte. Das war echt ein feiner Zug von ihr.“ Beide werden nun in Gävle ein starkes deutsches Duo auf der Jagd nach den 10 000-Meter-Medaillen sein.

36 Läufer standen bei der Entscheidung der Männer an der Startlinie. Nach forscher Tempoarbeit durch „Hase“ Felix Rüger hatte sich ein Sechserpack mit Richard Ringer, Sebastian Hendel, Samuel Sibhatu Fitwi (LG Vulkaneifel) und dem Telis-Trio Boch, Pflieger sowie Dominik Notz gebildet. Bei Rügers Beendigung seiner Hasentätigkeit verloren die dadurch behinderten Pflieger und Notz den Anschluss an die Spitze, den nur der Regensburger Altmeister Pflieger mühevoll, aber nur kurzfristig herstellen konnte.

„Das war echt Mist und hat mich sehr viel Kraft gekostet, weil sich gerade zum selben Zeitpunkt Richard Ringer aus dem Staub machte und mit einer 65er-Runde das Grundtempo enorm erhöhte“, rümpfte Philipp Pflieger die Nase. In den letzten Runden entwickelte sich der Kampf um die Medaillen zu einem echten Krimi der Dreiergruppe Hendel-Boch-Fitwi: Bochs Angriff drei Runden vor Schluss kam zu früh, reichte am Ende aber, Fitwi deutlich in die Schranken zu weisen. Philipp Pflieger finishte im Niemandsland als sicherer Fünfter.

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Ein „zögerliches“ Duo

  • Potenzial:

    Tim Ramdane Cherif und Moritz Beinlich lieferten bei der 10 000-Meter-DM zwar neue persönliche Bestleistungen in 29:29,40 bzw. 29:33,37 Minuten ab, „liefen aber auf Platz 15 und 16“ nach Aussage ihres Coaches Kurt Ring „ zu zögerlich.“ „ Mit dem Auftritt der beiden müsse man dennoch hochzufrieden sein.

  • Erwartungen:

    „Bei Dominik Notz muss nach großen Schwierigkeiten festgehalten werden, dass seine 29:25,96 und Platz 12 keineswegs seine sehr gute Verfassung widerspiegeln“, kommentierte Ring. Kevin Key, Nummer sechs der Telis-Crew, hatte einen rabenschwarzen Tag und schied nach sechs Kilometern aus.

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