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Der Fotograf: Mittendrin statt nur dabei

Yuri Cortez war beim Siegtreffer der Kroaten auf einmal mitten drin in der Jubeltraube. Trotzdem musste er nach Hause fahren.
Von Michael Sperger

  • Mario Mandzukic im Jubel mit der Mannschaft und dem Fotografen. Foto: AFP PHOTO/Yuri Cortez
  • Die Traube über dem Mexikaner wurde immer größer. Foto: AFP PHOTO / Yuri Cortez
  • Am Ende half ihm Mandzukic auf die Beine und entschuldigte sich. Foto: AFP PHOTO / Yuri Cortez

Wer hat auf einem lausigen Tribünenplatz im Fußballstadion nicht schon mal die Sportfotografen beneidet? Sie sitzen im Innenraum auf ihren Campingstühlen und haben den besten Blick auf das Spielfeld. Sie arbeiten dort, wo andere ihre Freizeit verbringen und sind auf Tuchfühlung mit den Topstars.

Beim Halbfinale zwischen England und Kroatien kam Fotograf Yuri Cortez den WM-Finalisten sogar noch ein bisschen näher als sonst. In der Verlängerung netzt Mario Mandzukic den 2-1-Siegtreffer ein. Seine Mitspieler waren ihm im ersten Moment aber scheinbar zu langsam, um mit ihm zu jubeln. Also steuerte er kurzerhand eine Gruppe von grün-gekleideten Fotografen an – an vorderster Front Cortez. In kürzester Zeit wurde der Mexikaner zum Kroaten gemacht. Denn Mandzukics Freude war so stürmisch, dass er Cortez mitsamt Kamera einfach umriss und unter sich begrub. Seine Mitspieler kamen dazu und bildeten einen Jubelberg über dem Mexikaner.

Scheinbar war ihnen in diesem Moment relativ egal, dass nicht er das Tor geschossen hat. Sie herzten ihn wie einen Mitspieler. Man munkelt, dass Kolinda Grabar-Kitarovic, Präsidentin von Kroatien, auf der Tribüne bereits die Einbürgerung des Fotografen vorbereitete, der unter der Jubeltraube munter weiterknippste und vielleicht die spektakulärsten Bilder der Weltmeisterschaft machte. „Ich war gerade dabei, das Objektiv zu wechseln, als die Spieler auf mich zu kamen“, sagte Cortez nach dem Spiel.

Im Finale am Sonntag müssen die Kroaten ohne ihren Glücksfotografen auskommen. Seine WM ist trotz der Topleistung am Mittwoch beendet. Am frühen Donnerstagmorgen war der Rückflug für Cortez nach Mexiko gebucht. Es bleibt also spannend, wen Mandzukic im Luschniki Stadion herzen wird, falls er das entscheidende Tor zum WM-Titel schießt. Es werden mit Sicherheit genug andere Fotografen hinter dem Tor warten.

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