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Rückblick

Der Jahn hoffte auf ein Ende des „Spuks“

Der Zwist mit dem Investor prägte die Mitgliederversammlung. Der Verein wollte das Kapitel Philipp Schober schnell schließen.
Von Heinz Gläser, MZ

Kämpferischer Auftritt: Jahn-Vorstandschef Hans Rothammer Archivfoto: Lex
Kämpferischer Auftritt: Jahn-Vorstandschef Hans Rothammer Archivfoto: Lex

Regensburg.Philipp Schober war erwartungsgemäß nicht anwesend, doch sein Name war in aller Munde. „Dieser Spuk“ werde bald ein Ende haben, versprach Hans Rothammer, der Vorstandsvorsitzende des SSV Jahn Regensburg, den 361 stimmberechtigten Mitgliedern, die am Montagabend zur Versammlung des Fußball-Zweitligisten in die Continental-Arena gekommen waren. „Spekulanten haben beim Jahn schlechte Papiere und nichts zu sagen“, fügte Rothammer mit Blick auf den umstrittenen Investor Schober hinzu.

Rothammers Botschaft war unmissverständlich: Es sei nunmehr lediglich eine Frage von Wochen, dann werde das Kapitel Philipp Schober für den SSV Jahn abgeschlossen sein. Der große Beifall der Mitglieder war dem Klubchef an dieser Stelle sicher. „Dieser Verein will euch nicht, dieser Verein braucht euch nicht“, damit brachte Rothammer die ablehnende Haltung gegenüber Schober und möglichen „Hintermännern“ auf den Punkt.

In der bereits seit Juni laufenden Auseinandersetzung um die Anteile an der SSV Jahn Regensburg GmbH & Co. KGaA hatte sich Schober wenige Stunden vor Beginn der Mitgliederversammlung in einer Pressemitteilung zu Wort gemeldet. Tenor: Seine Firma Global Sports Invest sei weiterhin im Besitz von 90 Prozent der Aktien.

Notfalls gerichtlich

Tags zuvor indes hatten das Bauteam Tretzel (BTT) und der SSV Jahn in einer gemeinsamen Pressemitteilung erklärt, dass der Jahn Mehrheitseigner der KGaA und künftig 62 Prozent der ehemaligen BTT-Anteile halten werde. Gewisse „Formalia“ werde man notfalls gerichtlich durchsetzen, hieß es.

Für Rothammer ist der Sachverhalt glasklar. Schober habe gegen den Vertrag verstoßen, den seine Global Sports Invest mit dem BTT geschlossen habe. Das BTT habe damit ein Rücktrittsrecht und mache von diesem Gebrauch. Sollte sich Schober weiterhin sperren, werde das BTT einen sogenannten Urkundenprozess anstrengen. „Vielleicht müssen wir uns noch vier bis sechs Wochen gedulden, bis dieser Urkundenprozess abgeschlossen ist“, sagte Rothammer.

Am Ausgang einer juristischen Auseinandersetzung zwischen dem BTT und Global Sports Invest hegt der 64-Jährige keinerlei Zweifel: „Dann ist das Übel beseitigt.“ Die Aktien würden an das Bauteam Tretzel zurückfallen und gingen dann vertragsgemäß sofort auf den SSV Jahn über.

Wie Schober mit den bei ihm verbleibenden 28 Prozent der Anteile umgehen werde, bleibe abzuwarten. Sein Einfluss würde sich dann auf einen Sitz im Aufsichtsrat und eine Art Sperrminorität bei Satzungsänderungen reduzieren. So weit ist es allerdings noch nicht: Das Landgericht Regensburg bestätigte, dass Schober am vergangenen Freitag eine Eilentscheidung erwirkt habe, wonach die Global Sports Invest AG unverzüglich in das Aktienregister der KGaA einzutragen sei. Monatelang, so kritisierte Schober, habe die KGaA dies „grundlos und rechtswidrig“ verweigert. Das Gericht habe die Entscheidung getroffen, obwohl bereits bekannt war, dass das BTT plane, einen Teil der Veräußerung der Anteile rückgängig zu machen, argumentierte Schober.

Bei allem Optimismus, der bei der Jahn-Versammlung am Montag öffentlich zur Schau gestellt wurde: Es bleibt mithin abzuwarten, welchen Ausgang die sich anbahnende juristische Auseinandersetzung zwischen Philipp Schober auf der einen sowie dem BTT auf der anderen Seite nehmen wird.

„Sogenannte Korruptionsaffäre“

Rothammers ausdrücklicher Dank galt jedoch bereits bei der Versammlung Volker Tretzel, der die vom Jahn angestrebte Lösung ermöglicht habe. Der Vereinschef sprach in diesem Zusammenhang die „sogenannte Regensburger Korruptionsaffäre“ an und verwies auf die Unschuldsvermutung, die für alle Beteiligten – also auch für Tretzel – gelte. Dank maximaler Transparenz sei es – „Stand heute“ – gelungen, den Jahn aus dieser Affäre weitgehend herauszuhalten: „Ich denke, wir haben das ganz gut hingekriegt.“

In Bezug auf die finanzielle Dimension der Transaktion hielt sich Rothammer bedeckt. Mit dem BTT sei Verschwiegenheit vereinbart worden. Schobers Angebot für den 90-prozentigen Anteil Tretzels an der KGaA hatte dem Vernehmen nach ein Volumen von 4,2 Millionen Euro. Schober hat diese Summe nie bestätigt. Rothammer versuchte etwaige Befürchtungen, der SSV Jahn könnte sich beim Kauf der Anteile wirtschaftlich übernehmen, gleich im Ansatz zu zerstreuen: „Es muss sich keiner Sorgen machen. Wir gehen nur seriös finanzierte Verpflichtungen ein“, unterstrich er.

Vor dem Hintergrund der Auseinandersetzung mit dem ungeliebten Investor rückten andere Tagesordnungspunkte etwas in den Hintergrund. Das leidige Thema kam jedoch gegen Ende der rund dreieinhalbstündigen Mitgliederversammlung erneut auf den Tisch. Die Fan-Initiative „Stop – Finger weg vom SSV Jahn!“ machte sich in einem Antrag dafür stark, eingedenk der Erfahrungen mit Philipp Schobers Engagement den Einstieg von Investoren künftig zu 100 Prozent auszuschließen. Nur so werde der Verein seinen immer wieder propagierten Werten wie Bodenständigkeit und Glaubwürdigkeit gerecht, begründete Johannes Fuchs im Namen der Fan-Initiative diesen Antrag.

Hans Rothammer und Geschäftsführer Christian Keller warnten indes davor, dieser Beschluss würde den wirtschaftlichen Handlungsspielraum des Vereins über Gebühr einschränken – beispielsweise bei der Gewinnung von Sponsoren aus der Region. Die Versammlung folgte mehrheitlich dieser Linie der Vereinsspitze und stimmte für eine 51-Prozent-Klausel, die den Mehrheitsanteil des Vereins an der KGaA zementieren soll. In der Jahn-Mitgliederversammlung wurde an dieser Stelle jene Diskussion greifbar, die den gesamten Profifußball hierzulande bewegt. Die plakative Formel für die Debatte lautet: Wem gehört der Fußball? Leidenschaftlichen Fans oder gewinnorientierten Investoren?

In Anwesenheit von Cheftrainer Achim Beierlorzer und von Jahn-Profis wie Kapitän Marco Grüttner, Oliver Hein, Sebastian Nachreiner und Andreas Geipl kamen auch sportliche Aspekte zur Sprache. Christian Keller skizzierte in seiner Funktion als Geschäftsführer Nachwuchsfußball die Ziele der „Jahnschmiede“. Es gelte, die Basis an Talenten zu verbreitern, das Scouting-System zu optimieren und mehr Top-Talente an den SSV Jahn zu binden. Ein Nahziel im Nachwuchsbereich sei der Wiederaufstieg des U-21-Teams in die Bayernliga.

Tolle Tage im Frühsommer

Ansonsten schwelgte die Versammlung in der Erinnerung an die tollen Tage im Frühsommer, als der Aufsteiger SSV Jahn in der Relegation gegen 1860 München den sensationellen Durchmarsch in die zweite Liga perfekt machte. „Lasst uns alle Jahn sein, dann ist der Erfolg nicht zu verhindern“, rief Rothammer den Mitgliedern zu. Ziel sei es, den Regensburger Traditionsverein dauerhaft im Profifußball zu etablieren. Keller ging detailliert darauf ein, wie das gelingen kann. Er forderte von den Fans Durchhaltevermögen und Geduld: „Seien Sie ein bisschen tapfer, auch wenn es mal nicht so läuft!“ Er könne nicht ausschließen, dass es in dieser Saison noch mehr „übel anzuschauende Spiele“ wie die 1:2-Heimniederlage gegen Kiel geben werde. Aber mit dem Teamgeist, der die Mannschaft bereits in der dritten Liga ausgezeichnet habe, sei der Klassenerhalt ein realistisches Ziel. Dafür müsse man freilich „alle Nebenkriegsschauplätze ausblenden“.

Ein Schauplatz bleibt dem SSV Jahn allerdings bis auf Weiteres erhalten. Philipp Schober hatte in der Pressemitteilung vom Montag „Gesprächsbereitschaft im Sinne einer sportlich erfolgreichen und gesunden Zukunft des SSV Jahn“ signalisiert. Rothammer knüpfte daran an, als er sagte: „Wenn ihm das Wohl des SSV Jahn am Herzen liegt, dann rufe ich ihm zu: ‚Brechen Sie endlich Ihre Zelte hier ab!‘“

Mehr über den SSV Jahn Regensburg lesen Sie in unserem Spezial: www.mittelbayerische.de/jahn

Der Jahn und Investor Philipp Schober: Erfahren Sie in unserer Timeline mehr dazu.

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