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Donnerstag, 19. Juli 2018 30° 1

Gewichtheben

Der KSV Bavaria macht sein Meisterstück

Aufsteiger Bavaria feiert den Zweitliga-Titel im Gewichtheben. Dabei war vor der Saison unklar, ob das Team starten darf.
Von Birgit Pinzer

Jaqueline Schroll wächst beim Kampf gegen Görlitz-Zittau über sich hinaus und liefert mit 89 Kilogramm im Stoßen und 159 Kilogramm im Zweikampf zwei persönliche Bestmarken, die dem Team 100 Relativpunkte einbringen. Fotos Brüssel
Jaqueline Schroll wächst beim Kampf gegen Görlitz-Zittau über sich hinaus und liefert mit 89 Kilogramm im Stoßen und 159 Kilogramm im Zweikampf zwei persönliche Bestmarken, die dem Team 100 Relativpunkte einbringen. Fotos Brüssel

Regensburg.Josef Graf ist ein umtriebiger Mensch, und das ist gut so, zumindest für die Gewichtheber der KSV Bavaria. Seit 1990 ist der 58-Jährige bei dem Verein, und heuer, wenn das 35-jährige Bestehen gefeiert wird, sind im Endeffekt alle Voraussetzungen gegeben, um sich einen großen Traum zu erfüllen: eine Hebermannschaft in der ersten Bundesliga zu stellen.

Das Meisterstück dazu lieferten die Heberinnen und Heber beim Heimkampf gegen die KG Görlitz-Zittau ab, als sie sich mit 461,4:411,4 Punkten den Titel der 2. Bundesliga Gruppe B sicherten. „Ich kann gar nicht sagen, wie stolz ich auf unsere Mannschaft bin“, sagt Trainer Graf, um lachend hinterherzuschieben: „Doch eines kann ich schon sagen: sehr, sehr stolz. Es ist eine Bestätigung für all die geleistete Arbeit.“

Vor der Saison hatten die Verantwortlichen des KSV – als Aufsteiger in die 2. Liga – die Zielvorgaben sehr bedachtsam gewählt (die Mittelbayerische berichtete). Davon, oben mitzumischen, war wenig zu hören. Jetzt, nachdem der KSV verlustpunktfrei an der Tabellenspitze steht, gibt Graf freimütig zu, dass man schon damit geliebäugelt habe: „Wenn man was macht, dann sollte man es volle Kanne machen. Aber vorher große Sprüche machen, das bringt nichts“, sagt der gebürtige Kallmünzer. Dass die Bavaria die Liga so klar beherrschen wird, hat dann selbst Graf überrascht.

Yüksel wichtiger Baustein

Es gibt viele Bausteine dieses Erfolges, ein sehr wichtiger war die Rückkehr von Yasin Yüksel. Der gebürtige Regensburger, den Graf schon als zehnjährigen Buben betreut hatte, wechselte als 15/16-Jähriger nach Frankfurt/Oder an die Eliteschule des Sports, baute dort sein Abitur, war Berufssoldat und feierte weiterhin Erfolge als Heber. Mittlerweile ist Yüksel 27 Jahre alt, und einen Sportler wie ihn wieder zurück in die Oberpfalz zu locken, das kann ein Verein nur, wenn er zumindest gewisse Ambitionen hegt.

Meisterlich (von links): Petr Stransky, Nicole Debowski, Ben Tisowsky, Jaqueline Schroll, Yasin Yüksel, Lena Nützel, Petr Veznik und Josef Graf Foto: Brüssel1
Meisterlich (von links): Petr Stransky, Nicole Debowski, Ben Tisowsky, Jaqueline Schroll, Yasin Yüksel, Lena Nützel, Petr Veznik und Josef Graf Foto: Brüssel1

Graf nennt einen zweiten Erfolgs-Baustein, auf den wahrscheinlich die wenigsten kämen: den Zeitgeist. Derzeit boomt die Trendsportart Crossfit. „Mei, früher hat man halt Zirkeltraining gesagt“, frotzelt Graf ein wenig. Völlig identisch ist es nicht, aber da beim Crossfit durchaus Elemente trainiert werden, die auch im Kraftsport wichtig sind, und man beim Gewichtheben andererseits viele Dinge trainiert, die einen beim Crossfit weiterbringen (Koordination, Technik), haben die Regensburger Zulauf bekommen – und damit auch die Mannschaft. „Wir haben viele Studenten, was aber natürlich auch an unserer ausgezeichneten Wirtschaftslage in der Region liegt“, sagt Graf, um den nächsten wichtigen Baustein zu nennen: die Finanzierung. Reichtümer werden wahrlich keine verdient, aber trotzdem gelang es Graf, genügend Sponsoren aufzutreiben, damit man zumindest nicht draufzahlen muss.

Sponsoren-Akquise à la Graf

„Ich bin sehr viel im Kreis gelaufen. Es ging sogar verhältnismäßig gut, aber vielleicht mag es auch daran liegen, dass ich immer so viel rede und sich die Leute gedacht haben: ,Bevor der mich jetzt endlos zuschmatzt, gebe ich ihm lieber ein Geld. Hauptsache, er verlässt mein Büro‘“, sagt Graf lachend. Es ist spürbar, wie sehr diese Mannschaft, wie sehr ihm der KSV am Herzen liegt. „Er ist mein Steckenpferd“, gibt Graf unumwunden zu.

Am 21. April stehen die Kämpfe um den Gesamtsieg der zweigeteilten 2. Liga an. Sie werden in Speyer – einer Stadt mit großer Hebertradition – ausgetragen. Außer der zweiten Mannschaft des AV 03 Speyer und dem KSV Bavaria wird aller Voraussicht nach der KSV Grünstadt teilnehmen. Zwei Mannschaften dürfen aufsteigen, Speyer allerdings nicht, denn die erste Mannschaft des Vereins ist schon in der ersten Bundesliga Süd und steht dort an der Tabellenspitze. Es herrschen also gute Voraussetzungen, dass der KSV Bavaria nächste Saison eine erstklassige Mannschaft stellen kann.

Gänzlich jubeln will Graf aber noch nicht: „Wir müssen das Transferfenster abwarten und auch erst sehen, ob alle Leute bleiben. Und finanziert muss es ja trotzdem erst mal werden.“ Dass heißt für Graf und den KSV Bavaria wieder Klinken putzen und bei den Leuten im Büro stehen.

Dafür, dass der Kraftsportverein überhaupt starten konnte, hatte es einer Kraftanstrengung bedurft. Bayernliga-Meister war die Bavaria in der Saison 2016/17 noch gemeinsam mit dem 1. AC Regensburg geworden. Die beiden Vereine hatten die Hebergemeinschaft Regensburg gebildet. Die Gewichtheber-Abteilung des 1. ACR konnte allerdings die mit dem Aufstieg einhergehenden Verpflichtungen nicht stemmen – das hätte für beide Vereine eigentlich Zwangsabstieg in die Bezirksliga bedeutet. Denn der Verband hatte zuvor den Pflichtaufstieg eingeführt. Das heißt: Wer nicht rauf kann oder will, der muss ganz unten wieder anfangen. „Mit der Bezirksliga hätte ich beispielsweise einem so guten Heber, wie es der Yasin ist, nicht kommen brauchen“, sagt Graf.

Trennung vom ACR

Der Trainer setzte alles daran, der Mannschaft den Aufstieg zu ermöglichen. Er hatte Erfolg. Der Bundesverband gab sein Okay. Und auch der ACR trug sein Scherflein bei: Claudia Pobig und Stephan Gradl, die eigentlich für den ACR starteten, wurden beim Wechsel zum KSV keinerlei Steine in den Weg gelegt. „Da hat’s nix gegeben“, sagt Graf.

Der Kampf gegen die KG Görlitz-Zittau, bei dem sich die KSV Bavaria vorzeitig den Titel sicherte, ist einerseits der Endpunkt der vielfältigen Bemühungen und andererseits der Anfang neuer Ziele.

Keine „gmahde Wiesn“

Eine „gmahde Wiesn“, wie man auf Bairisch so gern sagt, war der Kampf allerdings nicht. „Es war wie im Krimi“, schildert KSV-Pressewart Conny Högg. Die Regensburger mussten ohne Yüksel und die verletzte Pobig starten. Die Ersatzleute Nicole Debowski und Ben Tisowsky sprangen in die Bresche.

Die Gäste witterten nach einem Blick auf die Aufstellung Morgenluft. Zu Recht: Nach dem Reißen führten die Sachsen mit 176,5 kg:168,7 kg. Aber die Bavaria-Staffel gab nicht auf, besonders Jacqueline Schroll wuchs über sich hinaus und erzielte nicht nur 100 Relativpunkte, sondern lieferte mit 89 kg im Stoßen und 159 kg im Zweikampf persönliche Bestmarken ab. Auch Debowski machte ihre Sache sehr gut, Lena Nützel steuerte 73 Relativpunkte bei, Petr Veznik 85,4. Spannend machte es Petr Stransky. Im Reißen war er mit 116 kg sehr gut, als er aber im Stoßen die 135 kg zweimal nicht zur Hochstrecke brachte, bangte das Regensburger Lager. Der dritte Versuch war gültig und alle Hoffnungen waren wieder intakt.

Als dann Gäste-Heber Philipp Buschek zweimal an der 145 kg schweren Hantel scheiterte, war die Spannung vor den beiden letzten Versuchen des Wettkampfs kaum mehr zu überbieten. Buscheck scheiterte auch im dritten Versuch. Somit war klar: Die KSV Bavaria siegt mit 2:1 Punkten.

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