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Samstagsinterview

Der Mann, der mit Laufen nichts verdient

Ein Deal bei der Sparkassen-Gala brachte Benedikt Huber 2016 zur EM. Heuer will er es auch nach Berlin schaffen.
Von Claus-Dieter Wotruba

In Amsterdam fehlten dem Regensburger Telis-Läufer Benedikt Huber bei der Europameisterschaft vor zwei Jahren nur 17 Hundertstel zum Einzug ins Finale. Foto: Michael Kappeler/dpa
In Amsterdam fehlten dem Regensburger Telis-Läufer Benedikt Huber bei der Europameisterschaft vor zwei Jahren nur 17 Hundertstel zum Einzug ins Finale. Foto: Michael Kappeler/dpa

Regensburg.Benedikt Huber, in der Leichtathletik sind Sie ein Spätzünder. Trifft das in anderen Lebensbereichen auch zu?

Schulisch war das ein bisschen so. Nach der Hauptschule war ich im M-Zug nicht gerade der Beste – außer in Mathe. Mit dem Sport wurde ich ehrgeizig, das fiel genau in die Lehrzeit. Da habe ich mich immer mehr reingehängt. Später habe ich die Berufsoberschule gemacht und auch studiert. Für alle Fälle. Im Sport braucht es auch Ehrgeiz und du musst dranbleiben. Ich bin da langsam reingekommen und wollte immer mehr. Das hat sich aufs ganze Leben übertragen.

Ein Bene Huber ist fernab vom Schuss zuhause, kommt aus Palling im Landkreis Traunstein und läuft dann 2016 über 800 Meter mit 26 Jahren einfach mal so bis zur Europameisterschaft.

Bei meinem Dorfverein hatte ich schon meinen Trainer, aber das war allgemeine Leichtathletik. Er kannte sich eher mit Sprint und Wurfdisziplinen aus. Am Anfang habe ich mich halt selber schlau gemacht. Dann wurde Werner Oberauer, selber ein Läufer, aber eher Langstreckler, auf mich aufmerksam. Aber auch bei ihm kam das Wissen über die Mittelstrecke eher aus dem Internet und Büchern. So habe ich mich raufgearbeitet. Es ging jedes Jahr voran. Als ich dann bei der deutschen Meisterschaft war, ist Kurt Ring von der LG Telis Finanz Regensburg auf mich aufmerksam geworden.

2015 kam der Wechsel nach Regensburg. Warum hat einen Huber vorher nie jemand bemerkt?

Ich war vorher nur bayernweit unterwegs. Zu den großen Sportfesten kommt du ja nicht – und bei mir in der Gegend gibt’s nichts. Der nächste große Verein wäre München.

Sie sind ein Einzelkämpfer.

Im Training bin ich meistens alleine auf der Bahn. Nur manchmal bin ich ein paar Tage in Regensburg oder im Trainingslager. Das gibt schon einen Schub, weil es mehr Spaß in der Gruppe macht. Aber ich war schon immer alleine – und ich kann das auch.

Huber: DM-Simulation bei der Laufnacht

  • Laufnacht:

    Rund 900 Teilnehmer sind im Unistadion von Regensburg am Wochenende leichtathletisch aktiv. Die Laufnacht startet am Samstag um 14.30 Uhr. Ab 18.30 sind die Strecken ab 800 Meter aufwärts an der Reihe. „Ich werde entweder Tempo machen oder ein Rennen laufen, bei dem ich nicht an die Grenze gehe. So lässt sich die DM simulieren, wo es auch zwei Rennen in zwei Tagen gibt“, sagt Benedikt Huber.

  • Die Sparkassen-Gala:

    Zum Vorprogramm gehören die Hürdensprint- und 100-Meter-Vorläufe (ab 12.30 Uhr). Das Hauptprogramm am Sonntag beginnt um 14 Uhr mit dem Hürdensprint. Es folgen 100 m (14.15), Weitsprung (14.45 Männer, 16.50 Frauen), 400 m (beide 14.45), 800 m (nur Männer 15.30, mit Benedikt Huber), 1500 m (15.45), 4 x 100 m (16.30), 400 m Hürden (16.50) und 200 m (17.30).

Wäre Benedikt Huber vielleicht besser, wenn er dauerhaft eine Trainingsgruppe hätte?

Könnte sein. Aber auch Regensburg hat keinen Mittelstreckler auf dem Niveau.

Was hat der Wechsel nach Regensburg denn gebracht: Mehr Struktur, mehr Hilfe?

Alles. Zum einen das Trainerwissen: Ein Kurt Ring ist lange im Geschäft und kennt sich sehr gut aus. Das ist im Laufbereich auf alle Fälle einer der besten Trainer in Deutschland. Und der Verein ist leistungsorientiert aufgebaut, der Kurt kennt auf jedem Sportfest Leute. In Palling habe ich das alles alleine gemacht. Auch mit Ärzten, wenn was ist. Auch da hat ein großer Verein Verbindungen, Physiotherapeuten, das Rückenzentrum mit Leistungsdiagnostik. Das ist eine große Hilfe für die Athleten, wenn man das alles nutzen kann.

Wo es hingehen soll, ist in diesem Jahr klar: „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin“ singen alle deutschen Leichtathleten.

Der Winter war nicht leicht. Ich bin zwei Monate komplett ausgefallen. Erst meinte man, es wäre ein Ermüdungsbruch. Dann war es der Nerv, der den ganzen Fuß runtergestrahlt hat. Ich bin ein paar Mal gespritzt worden. Im Januar habe ich wieder begonnen. Das Trainingslager in Monte Gordo musste ich dennoch noch einmal abbrechen. Aber ich glaube, dass ich gerade noch die Kurve gekratzt habe und eine Chance habe, dass ich mich qualifiziere.

Geht die Planung darüber hinaus? Lebt der olympische Traum?

Meinen Arbeitsvertrag in Teilzeit habe ich schon mal bis 2020 verlängert. Das wäre das Fernziel. Nur wenn ich sehen würde, es geht bergab, dann würde ich überlegen. Aber ich glaube schon, dass das noch gut hinhaut.

Beste Erinnerungen an die Sparkassen-Gala: 2016 lief sich Benedikt Huber mit seiner Bestzeit von 1:46,57 Minuten zur EM nach Amsterdam. Foto: Brüssel
Beste Erinnerungen an die Sparkassen-Gala: 2016 lief sich Benedikt Huber mit seiner Bestzeit von 1:46,57 Minuten zur EM nach Amsterdam. Foto: Brüssel

Wie sind die Erinnerungen ans Unistadion?

Gut, 2016 bin ich da meine Bestzeit gelaufen, die mich nach Amsterdam gebracht hat. Da habe ich den Durchbruch in die nationale Spitze geschafft. Ich hatte im Jahr vorher den Tempomacher gespielt und durfte deswegen in den A-Lauf, obwohl meine Zeit nicht gereicht hätte. Die Gala hat für mich großen Stellenwert. Zum einen ist es das einzige große Sportfest in Bayern, zum anderen ist es familiär aufgezogen.

Diese Jagd nach der Norm bei euch Läufern ist ja nicht nur eine körperliche Sache, sondern auch eine mentale.

Ich finde, das zerstört ziemlich viel, weil jeder nur den Zeiten nachläuft. Überall werden Tempomacher gesucht. Das ganze Rennen wird durchgesprochen, wie es verlaufen soll. Dabei ist das Schöne, wenn es Mann gegen Mann geht. Mir würden Rennen besser gefallen, in denen es nur um die Plätze geht.

So hat ein Huber seine zwei deutschen 800-Meter-Titel 2016 und 2017 gewonnen – mit einem überragenden Schlussspurt.

Das ist eine Kopf- und Taktiksache, die es richtig spannend macht.

Wie unterstützt Sie wie?

Da sind der Verein und dann ein paar Sponsoren. Ich habe das selber gemacht und glaube, es zieht mehr, wenn man in seiner Region schaut.

Mühsam ist es aber, oder?

Auf alle Fälle. Mit dem Sport verdiene ich nichts. Ich schaue, dass ich meine Kosten wie Trainingslager, Fahrten und Arzt abdecke und verliere ja schon durch die Teilzeitarbeit viel Geld.

Warum macht man das dann?

Weil’s Spaß macht. Der Verband unterstützt mich null. Ich bin ja aus dem Kader geflogen wie viele andere. Und selbst als ich im Kader war, wurde mir genau eine Nacht im Hotel gezahlt. Ich war ja in der untersten Kaderstufe. Das orientiert sich an der Weltspitze. Da tun sich Läufer eben schwerer. Aber ich mache das ja nicht wegen des Geldes, sonst hätte ich längst aufgehört.

Der Antrieb sind Auftritte wie bei der EM 2016 in Amsterdam.

Das war früher mein größter Traum, mal ins Fernsehen zu kommen und für Deutschland starten bei so einer Meisterschaft. Das hat mir richtig gut gefallen und es wäre mein Ziel, das noch ein-, zweimal zu schaffen.

Sie reden, wie Ihnen der Schnabel gewachsen ist. Der Versuch, bei der EM 2016 Hochdeutsch zu sprechen, klingt noch im Ohr. Das war „O-Ton Süd“ wie es einst bei Skistar Wasmeier im „Aktuellen Sportstudio“ genannt wurde.

Das habe ich mal gehört, aber nie gesehen. Aber dass ich deswegen nicht ernstgenommen werde, glaube ich nicht. Hin und wieder macht mal jemand einen Witz darüber, aber ich stehe dazu, und habe mir vorgenommen, dass ich mehr Boarisch rede. Vielleicht nicht ganz so krass wie diese eine Schützin bei Olympia. Da weiß ich jetzt den Namen nicht mehr...

Barbara Engleder...

Ich versuche auf alle Fälle nimmer soviel Hochdeutsch zu reden.

Weitere Beiträge aus unserer Serie der Samstagsinterviews finden Sie hier.

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