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DFB verneigt sich vor Jahn-Spieler

Marco Grüttner wurde mit der Fair-Play-Medaille des Fußballbundes geehrt. Der Grund: sein Verhalten im Spiel gegen Bochum.

Marco Grüttner vom SSV Jahn Regensburg: Er darf sich fairster deutscher Profi-Fußballer der aktuellen Saison nennen. Foto: Ina Fassbender/dpa
Marco Grüttner vom SSV Jahn Regensburg: Er darf sich fairster deutscher Profi-Fußballer der aktuellen Saison nennen. Foto: Ina Fassbender/dpa

Regensburg.Marco Grüttner von Jahn Regensburg hat am Sonntag die Fair-Play-Medaille des DFB erhalten. Ausgezeichnet wurde sein Verhalten im Spiel gegen den VfL Bochum, als er in der 90. Minute eine Entscheidung des Schiedsrichters zuungunsten seines Klubs revidierte.

Grüttner darf sich ganz offiziell Deutschlands fairster Profifußballer der Saison 2017/2018 nennen. Vor dem Länderspiel gegen Peru (Sonntag, 20.45 Uhr ins Sinsheim) wird der Stürmer der Regensburger aus den Händen von DFB-Präsident Reinhard Grindel und Philipp Lahm die Fair Play-Medaille erhalten.

Grüttner korrigierte eine Fehlentscheidung

Die Szene, warum Grüttner die Auszeichnung erhält, ist allerdings schon eine Weile her. Es war der 17. Spieltag der Vorsaison in der 2. Bundesliga, der VfL Bochum führte beim Jahn mit 1:0 und die 90. Minute lief. Nach einer misslungenen Aktion von Grüttner entschied das Schiedsrichtergespann um Martin Thomsen fälschlicherweise auf Eckstoß. Grüttner korrigierte die falsche Entscheidung und nahm seinem Team damit die Chance, per Standard noch zum Ausgleich zu kommen.

„Das kam fast instinktiv aus mir heraus. Ehrlich gesagt, welche Spielminute läuft, darüber habe ich null nachgedacht. Ich war noch am Ball gewesen. Punkt aus.“

Marco Grüttner

„Ich hatte das Gefühl, dass jeder im Stadion gesehen hatte, dass es eben kein Eckball war, auch die Bochumer reklamierten gleich“, erklärt Grüttner im Interview mit dem DFB. „Das kam dann fast instinktiv aus mir heraus. Ehrlich gesagt, welche Spielminute läuft, darüber habe ich null nachgedacht. Ich war noch am Ball gewesen. Punkt aus.“

„Wir sind alle keine Heiligen. Aber ich meine schon, dass es in manchen Situationen einfach wichtig ist, die Wahrheit zu sagen.“

Marco Grüttner

Allerdings weiß der Angreifer auch, dass es um enorm viel geht und sagt deshalb: „Wir sind alle keine Heiligen. Auch ich werde jetzt nicht bei jeder Kleinigkeit alles revidieren. Schließlich steht der Schiedsrichter auf dem Platz und muss die Entscheidungen fällen. Aber ich meine schon, dass es in manchen Situationen einfach wichtig ist, die Wahrheit zu sagen.“

Lesen Sie mehr: Fünf Gründe für eine Top-Saison beim Jahn

Ein mulmiges Gefühl hatte er nach dem Spiel bei einem Gedanken trotzdem, wie Grüttner durchblicken lässt: „Wenn man sich denkt, mit dem Punkt retten wir am Ende vielleicht die Klasse, ist das schon Wahnsinn.“ Der Punkt war bekanntlich nicht nötig. Aufsteiger Regensburg beendete die Saison mit einem tollen fünften Platz.

Beim Spiel Jahn Regensburg gegen den VfL Bochum im Dezember 2017 in der Continental Arena: Marco Grüttner von Regensburg (von links), Johannes Wurtz von Bochum und Marc Lais von Regensburg kämpfen um den Ball. Foto: Armin Weigel/dpa
Beim Spiel Jahn Regensburg gegen den VfL Bochum im Dezember 2017 in der Continental Arena: Marco Grüttner von Regensburg (von links), Johannes Wurtz von Bochum und Marc Lais von Regensburg kämpfen um den Ball. Foto: Armin Weigel/dpa

Die Ehrlichkeit war übrigens umso bemerkenswerter, weil Grüttner nach einem nicht geahndeten Ellbogencheck im Bochumer Strafraum bereits mit einem Cut gezeichnet war. „Ich war richtig stinkig, der Cut musste geklebt werden, und aus meiner Sicht war das ein klarer Elfmeter“, kommentierte er die Situation. „Aber daran habe ich in der 90. Minute nicht mehr gedacht. Das wäre auch der vollkommen falsche Ansatz, wenn ich als Fußballer durch ein gegnerisches unfaires Verhalten mein eigenes unfaires Handeln rechtfertigen würde.“

Lesen Sie mehr über das Spiel SSV Jahn gegen den VfL Bochum von 2017: hier

Der DFB zeichnet bereits seit 1997 Spieler, Mannschaften, Schiedsrichter, Trainer und Funktionäre mit der „Fair Play-Medaille“ aus. Im vergangenen Jahr wurde Andreas „Zecke“ Neuendorf ausgezeichnet.

Die Auszeichnung bei den Amateuren bekam John Ohmann vom FSV Kali Werra Tiefenort (Türingen), nachdem der Unparteiische beim Stand von 0:1 in einem Spiel auf Elfmeter entschieden hatte. Ohmann machte ihn jedoch darauf aufmerksam, dass der Keeper klar den Ball getroffen hatte und der Schiedsrichter korrigierte sie.

Einen Sonderpreis verlieh der DFB Lukas Bohnert von der südbadischen SG Lauf/Oberaspach. Er hatte sich schützend vor einen Schiedsrichter gestellt, nachdem dieser bedroht worden war.

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