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Die Bundesliga verliert zwei Zugpferde

Der 1. FC Köln und der Hamburger SV stehen vor dem Abstieg. Die Fans feixen, doch die Liga lässt die Klubs nur ungern ziehen.
Von Franko Koitzsch und Holger Schmidt, dpa

Das HSV-Maskottchen „Dino Hermann“ läuft in der kommenden Saison wohl in der 2. Liga auf. Foto: Christian Charisius/dpa
Das HSV-Maskottchen „Dino Hermann“ läuft in der kommenden Saison wohl in der 2. Liga auf. Foto: Christian Charisius/dpa

Hamburg.Im Tierpark der Fußball-Bundesliga gibt es künftig mehr Platz. Denn der dicke Dino aus Hamburg und der Geißbock aus Köln müssen wohl ausziehen aus dem First-Class-Gehege. Schon an diesem Sonntag könnte der Abstieg des 1. FC Köln und des Hamburger SV perfekt sein. Fehlen werden der Bundesliga der meckernde Ziegenbart und das tollpatschige 2,10-Meter-Urvieh aber allemal.

Die Maskottchen stehen für zwei Traditions-Mannschaften, die das Bild der Bundesliga über Jahrzehnte prägten. Die Hamburger waren seit dem Liga-Start 1963 immer dabei; die Kölner, ebenfalls ein Team der ersten Stunde, stehen vor dem sechsten Abstieg. Beide bringen es zusammen auf 102 Jahre Bundesliga, neun deutsche Meisterschaften und sieben Pokalsiege.

Die Fans anderer Vereine reiben sich genüsslich die Hände. Vor allem die Norddeutschen kriegen ihr Fett weg. „Die Liga ist euch endlich los, der Dino kriegt den Gnadenstoß“, skandierten Hoffenheim-Fans. In den Führungsetagen sieht man das anders. „Aus kaufmännischer Sicht ist das fatal“, sagt Willi Lemke, einstiger Manager vom Hamburger Erzrivalen Werder Bremen. „Mit Sicherheit wird der Bundesliga etwas fehlen.“ Der gebürtige Ostholsteiner mag den Zweitligisten Kiel, gibt aber zu bedenken: „Wenn anstelle des HSV jetzt Holstein in die Stadien kommen sollte, ist das ein gewaltiger Unterschied. Der Name HSV hat immer die Massen angezogen.“

„Schade um die Derbys“

Martin Kind sieht es ähnlich. „Schade um die Derbys“, sagt der 73 Jahre alte Präsident von Hannover 96. „Der norddeutsche Fußballmarkt lebt von Bremen, Hannover, Wolfsburg und natürlich vom HSV.“ Der 1. Liga ginge Tradition verloren, aber auch Brisanz. Das ist in Köln nicht anders. „Das ist so eine Hassliebe“, betont Max Eberl, seit 19 Jahren in Diensten des Kölner Erzrivalen Borussia Mönchengladbach. Und gesteht wehmütig: „Aber ich würde die Derbys schon gerne auch im nächsten Jahr spielen.“

„Der norddeutsche Fußballmarkt lebt von Bremen, Hannover, Wolfsburg und natürlich vom HSV“

Martin Kind, Präsident von Hannover 96

Auch die Fernsehmacher sehen die finsteren Wolken über Köln und Hamburg mit Unbehagen. Beide Mannschaften waren stets Quotenbringer. Der HSV hat die viertbeste Resonanz bei Übertragungen im Pay-TV-Sender Sky (650 000 im Schnitt), der 1. FC Köln ist die Nummer fünf (600 000) im Feld der 18 Bundesligisten. Nur Bayern, Dortmund und Schalke sind noch größere Zugpferde.

Fazit: Die Traditionsklubs können noch so grausam spielen, die Fans wollen es sehen. Der drohende Abstieg der beiden sei, wie es bei Sky heißt, „auch für uns bedauerlich“. Der Sender versucht sogar, Trost zu spenden: Die Zuschauer, heißt es, könnten „nur bei Sky noch immer alle Spiele ihres Vereins in der 2. Bundesliga live sehen“. Was wohl ein Plädoyer sein soll für: Ihr Enttäuschten an Elbe und Rhein, kündigt eure Abos nicht.

Grünes Licht für alle Vereine

  • Bedingungen:

    In der ersten Runde des Lizenzierungsverfahrens hat die Deutsche Fußball Liga keinem Erst- oder Zweitliga-Klub die Spielberechtigung für die nächste Saison verweigert. Einige Vereine müssen allerdings bis Ende Mai Bedingungen erfüllen, andere erhielten die Lizenz unter Auflagen.

  • Beschwerde:

    Die Klubs können innerhalb einer Woche Beschwerde gegen die erste Entscheidung einlegen. Anfang Mai steht die zweite Runde bei der DFL an. Anfang Juni trifft der Lizenzierungsausschuss die endgültige Entscheidung. Der HSV hat nach eigenen Angaben die Lizenz für die 1. und 2. Liga ohne Auflagen erhalten.

Die Uhr wird abgestellt

Die Bundesliga verliert wohl zwei großartige Bühnen für Fußball und damit auch an Know-how und Annehmlichkeiten. Zwei der größten und modernsten WM-Arenen von 2006 kommen der Eliteliga abhanden und werten die 2. Liga auf: das 51 000 Zuschauer fassende Rheinenergie-Stadion und das 57 000 Plätze bietende Volksparkstadion.

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Nicht nur das: Es fehlen künftig zwei der vier deutschen Millionenstädte in der 1. Liga und damit zwei Schmelztiegel für Fußball-Begeisterung. Andererseits ist es auch ein Armutszeugnis für die Metropolen mit ihrem gewaltigen Wirtschafts- und Finanzumfeld, wenn ihre sportlichen Aushängeschilder untergehen.

Schließlich verliert die Bundesliga wohl ein Unikum: die Lebensuhr des Dauer-Erstligisten HSV. Die Norddeutschen haben sämtliche 55 Elite-Jahre auf dem Buckel, wenn sie am Saisonende Abschied nehmen. Die Uhr wird dann abgestellt und nie wieder zum Leben erweckt.

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