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Eishockey

Die Eisbären melden sich zurück

Mit dem Konkurs 2008 verabschiedete sich der EV Regensburg von seinem tierischen Beinamen. Ab sofort hat er ihn wieder.
Von Claus-Dieter Wotruba, MZ

Mit Schals und T-Shirts bejubeln Spieler und Verantwortliche das Comeback der Eisbären in Eishockey-Regensburg: Peter Flache, Stadionsprecher Claus Pirkenseer, Geschäftsführer Stefan Liebergesell, GmbH-Sprecher Stefan Penka, Peter Holmgren und Xaver Tippmann (von links). Foto: Wotruba
Mit Schals und T-Shirts bejubeln Spieler und Verantwortliche das Comeback der Eisbären in Eishockey-Regensburg: Peter Flache, Stadionsprecher Claus Pirkenseer, Geschäftsführer Stefan Liebergesell, GmbH-Sprecher Stefan Penka, Peter Holmgren und Xaver Tippmann (von links). Foto: Wotruba

Regensburg.Nein, bei der Präsentation versprach sich niemand. Allen, auch Eisbären-Baby Xaver Tippmann, ging der Beiname locker von den Lippen. Seit dem Konkurs war der Eisbär im Regensburger Eishockey zwar ausgestorben, lebte aber in vielen Träumen weiter. Seit der Präsentation am Donnerstagmittag in den Räumlichkeiten von EVR-Sponsor Bischofshof lebt er ganz offiziell wieder. „Uns war schnell klar: Wenn es wieder einen Beinamen gibt, dann sind die Eisbären alternativlos“, sagte GmbH-Geschäftsführer Stefan Liebergesell. „Ich habe die Eisbären vom ersten Tag an inhaliert und habe seit neun Jahren auf diesen Tag gewartet – und jetzt darf ich es auch entscheiden. Wir haben ein überwältigendes Feedback bekommen und hatten ja gesagt, dass wir uns etwas trauen. Wir haben ein gutes Gefühl.“

Am Anfang waren die Eisbären nervig, aber jetzt sind sie ein Treffer bei den Fans, findet unser Eishockey-Experte Claus Wotruba in seinem Kommentar.

Kommentar

Treffer bei den Fans

Ganz ehrlich? Vor 20 Jahren hat mich das Viech kolossal genervt. Warum nur mussten plötzlich alle Eishockeyteams so einen doofen Beinamen haben? Einige...

Vor nicht ganz 20 Jahren hatte alles in der EVR-Ära von Abteilungsleiter Konrad Kaser begonnen. Im Sommer 1997 stimmten die Fans – übrigens auch in einem Jahr eines radikalen Umbruchs mit 16 neuen Spielern (darunter auch ein Martin Ancicka) – unter drei Beinamen ab: Kings, Piraten und eben jene Eisbären standen damals zu Wahl. Die Eisbären gewannen. Was folgte, war die erfolgreichste Ära der Regensburger Vereinsgeschichte: 2001 gelang den Eisbären der Aufstieg in die 2. Bundesliga, wo der Klub sieben Jahre lang blieb und drei blühende Spielzeiten mit Erich Kühnhackl, Jiri Lala und Markus Schör als Machern verbrachte, in denen sogar die DEL zum Thema wurde.

Ende 2014 waren 70 Prozent dafür

Doch die Träume zerstoben, die Eisbären waren 2008 pleite – und seither gab es immer neue Überlegungen, einen Beinamen zu etablieren. In der Zeit von Sven Gerike lagen zum Beispiel Pläne in der Schublade, mit „Warriors“ ins Rennen zu gehen. Aber auch ein Comeback der Eisbären stand immer wieder zur Debatte. Im allgemeinen Sprachgebrauch in der Stadt hielt sich das Synonym sowieso weit über das Bestehen. Zuletzt hatte es im Dezember 2014 eine Fanabstimmung gegeben. „Da waren generell, wenn ich mich recht erinnere, 90 Prozent für einen Beinamen und 70 Prozent für die Eisbären“, sagt Stefan Liebergesell, der zu dieser Zeit schon mit im EVR-Boot von Ivo Stellmann-Zidek saß.

So hat sich das Eisbären-Logo von 1997 bis heute verändert.

Das Eisbären-Logo im Wandel

  • Der Ur-Eisbär entstand 1997 und war der Sieger in einer Sommerwahl, bei der auch Kings und Piraten zur Debatte standen.

  • 2005 gab es einen Folge-Eisbären. Die Marke „Die Eisbären“ war laut Stefan Liebergesell eingetragen und geschützt.

  • 2017 sieht der Eisbär, der von Bad One aus Hannover, dem Merchandisingpartner der DEL 2 entworfen wurde, so aus.

Jetzt also sind die Eisbären tatsächlich wieder da. „Es war vom ersten Tag klar, seit wir die Geschäfte übernommen haben“, erklärt Stefan Liebergesell den Vorlauf. „Neben der Zusammenstellung der Mannschaft und den 25 anderen Baustellen arbeite ich seit dem 7. April tagtäglich daran. Herausgekommen ist ein tolles Logo“, sagt Liebergesell, der auch schon neue Schals und T-Shirts dabei hatte.

„Es hat nicht lange gedauert, bis wir das einstimmig beschlossen haben“, berichtet GmbH-Sprecher Stefan Penka. „Na ja, vielleicht war’s doch eine halbe Stunde. Wir mussten nämlich an den Krallen feilen“, sagt Penka. „Aber vom ersten bis zum endgültigen Entwurf hat sich nicht so viel geändert“, sagt Liebergesell über die Arbeit der Firma „Bad One“ aus Hannover, dem offiziellen Merchandising-Partner der DEL 2. „Es ging um Dinge wie den Bogen und ob Regensburg drunterstehen soll oder nicht“, sagt Liebergesell.

„Es war sportlich die erfolgreichste Zeit, auch wenn es unschön endete.“

„Ich denke, dass der große Aufwand manchen abgeschreckt hat“, sagt Liebergesell zur Frage, warum die Eisbären nicht schon früher zurückgekehrt sind. Der Klub hatte seine Fans in den vergangenen Tagen mit Details des neuen Logos zum Comeback hingeführt – die zudem entdeckt hatten, dass sich ein Eisbären-Gesellschafter die Eisbären-Domain gesichert hatte. Mit der Präsentation geht nämlich eine neue zusätzliche Internetseite für die Oberliga-Mannschaft online (www.eisbaren-regensburg.de), neue E-Mail-Adressen wie info@eisbaeren-regensburg.de gehen in Betrieb und die GmbH wurde in Eisbären Regensburg Spielbetriebs GmbH umbenannt.

Zudem versieht die GmbH künftig alle Einträge in den sozialen Netzwerken mit dem Hashtag „bärenstark“, auch wenn sich Stefan Liebergesell bewusst ist, dass das bei einer happigen Niederlage auch mal schwer sein könnte. „Da müssen wir dann durch“, sagt er. Auch dass die verbrannte Erde der Konkurs-Tage hinderlich sein könnte, glaubt er nicht: „Nach neun Jahren ist die Zeit reif.“

In unserem Video erklären der Geschäftsführer, ein Verteidiger und ein Stürmer, warum das neue Logo perfekt zum EVR passt:

Darum passt das neue Eisbären-Logo

Die Erinnerungen sind sogar bei EVR-Stürmer Peter Flache positiv, der mitten in der Zeit der Zahlungsunfähigkeit sein erstes Engagement in Regensburg hatte. „Das war ein Highlight meiner Karriere“, sagt er über die phänomenale Leistung, als mit 25 von 30 Punkten aus den letzten zehn Spielen den Klassenerhalt noch gelang, der ob der Pleite nutzlos war. „Die letzten beiden Spiele haben wir 1:0 gewonnen. Wie wir mit den Fans nach dem letzten Spiel auf dem Eis Bier tranken, werde ich nie vergessen“, sagt Flache.

All das kann er an Youngster wie Xaver Tippmann weitergeben. „Ich bin zu jung für die Eisbären-Zeit und kenne sie nur aus Erzählungen“, sagt der 20-Jährige. „Aber ich finde es cool. Das Logo ist aggressiv. Damit kann man sich besser identifizieren und die Kids können sagen: Ich bin ein Eisbär.“ Torwart Peter Holmgren findet: „Das ist dynamisch. Ich freu mich drauf.“

Neben der Rückkehr des Maskottchens aufs Regensburger Eis, meldete Stefan Liebergesell noch ein zweites Comeback: Mit Claus Pirkenseer löst ein alter Bekannter Liebergesell als Stadionsprecher ab.

Regensburg gilt mehr als Eishockey- denn als Fußballstadt. Hier finden Sie eine Annäherung an den Sport – auch für Einsteiger.

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