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Die großen Fragen der Straßenläufer

Die EM-Absage von Paris erfordert angepasste Pläne. Bleibt es beim Muster wie bisher, träfe das einige Regensburger hart.

Simon Boch und sein Trainer Kurt Ring sind am Überlegen, wie sie die Zukunft des Regensburger Langstrecklers ausrichten. Foto: Ring
Simon Boch und sein Trainer Kurt Ring sind am Überlegen, wie sie die Zukunft des Regensburger Langstrecklers ausrichten. Foto: Ring

Regensburg.Die Leichtathletik-Europameisterschaften, die vom 25. bis 30. August in Paris hätten stattfinden sollen, sind wie so viele sportliche Großveranstaltungen des Sommers abgesagt. Noch wird ein Ersatzort für das nächste Jahr gesucht. Findet sich niemand, wären die nächsten kontinentalen Titelkämpfe erst 2022, dann in München – und im gleichen Jahr und nur vier Wochen nach den von 2021 auf 2022 verschobenen Weltmeisterschaften in Eugene/USA. Das wirft für Straßenläufer massive Fragen auf.

Leichtathletik

Simon Boch: Der neue Anführer der Läufer

2020 könnte das Jahr des Regensburgers werden. Der Telis-Mann aus dem Schwarzwald ließ schon aufhorchen – und hat Träume.

Die Frage aller Fragen: Wird in München Halbmarathon oder Marathon mit Teamwertung gelaufen. Folgt der europäische Leichtathletik-Verband, die EA (European Athletics), dem alten Muster, müsste wohl der Halbmarathon ins Programm folgen. Jedenfalls war das in der Systematik der Meisterschaftsgestaltung so vorgesehen. In EM-Jahren mit gleichzeitigen Olympischen Spielen war die Halbmarathonstrecke im Programm, in reinen EM-Jahren der Marathon, in der Einzelwertung als EM-Wettbewerb, in der Teamauswertung als Europacup. Durch die durch Corona verursachte WM-Verschiebung kollidiert diese plötzlich mit der 22er-EM. Bleibt alles beim Alten, gäbe es 2022 bei beiden internationalen Titelkämpfen einen Marathon. „Das würde bedeuten, dass wir fünfmal hintereinander (Anmerkung der Red.: 2021 bei Olympia, 2022 bei der WM, 2023 wieder bei der WM in Budapest, 2024 erneut bei Olympia und 2025 erneut WM) globale Marathon-Entscheidungen mit geringen Chancen für europäische Starter hätten“, sagt Kurt Ring, der Teamchef der LG Telis Finanz Regensburg. „Die Halbmarathonstrecke würde bis zur EM 2024 in Göteborg, Minsk oder Polen unter den Tisch fallen.“

Fünf Telis-Läufer mit A-Norm

Rings Rückschluss: „Das ist nicht gut für Europas Straßenlauf-Elite, und eine schön langsam in Schwung kommende positive Leistungsentwicklung könnte ins Stocken kommen.“ Seine Lauf-Mannschaft ist eine der führenden Deutschlands und stellte bereits 2016 zwei Athletinnen und einen Athleten für die Halbmarathon-EM. Und für diesen Sommer in Paris hatten schon fünf Asse des Clubs die A-Norm des Deutschen Leichtathletik-Verbandes erfüllt.

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Mit Spannung erwartet man nun Streckenfindung und Zulassungsbestimmungen für München 2022, sagt Ring. Daran werden sich auch die nationalen Nominierungsrichtlinien orientieren. Da der Qualifikationszeitraum für die Straßenläufer bereits ab dem Jahr vorher, also 2021, offen ist, hoffen die Straßenläufer auf rasche Aussagen. Im Gegensatz zu den Stadionwettbewerben brauchen die ganz langen Strecken einen längeren Vorbereitungszeitraum. Sollte der Halbmarathon aber bis 2024 aus dem kontinentalen Meisterschaftsprogramm verschwinden, müssten vor allem jüngere Talente ihre Vorbereitungen überdenken, weil für sie auf der längsten olympischen Laufstrecke in den ersten Jahren der Karriere meist nur ein Rennen pro Jahr vorgesehen ist und eine Meisterschaftsvorbereitung meist zwei Jahre läuft.

Reichlich Anwärter

  • Kandidaten:

    Eine stattliche Anzahl an Läufern der LG Telis Finanz Regensburg hat EM-Ambitionen , wo es sechs deutsche Teamplätze gibt. „Mayer, Heim, Beinlich, Wedel, Ramdane“, nennt Teamchef Kurt Ring, „und bestimmt fehlt noch jemand.“

  • Topläufer:

    Die Telis-Aushängeschilder Miriam Dattke oder Simon Boch könnten auch einen Olympia-Marathon ins Auge fassen. Und dazu ist noch offen, was die Rio-Teilnehmerin von 2016, Anja Scherl, macht.

Die Lage ist verzwickt. Wer 2020 den EM-Halbmarathon als günstige Vorbereitungsdistanz für den Heim-Marathon in München sah, um sich 2024 seinen olympischen Traum in Paris zu erfüllen, muss jetzt umdenken – und sich vielleicht noch heuer gänzlich neu orientieren. „Sich anstatt auf die 5000 Meter auf die 1500 oder 10 000 Meter ist eine Entscheidung der einfachen Natur“, sagt Ring und hat seine Aushängeschilder Miriam Dattke oder Simon Boch im Blick. „Die Umorientierung zum Marathon macht aber einen ganz anderen Läufer aus dir. Es ist vielleicht eine sportliche Lebensentscheidung.“

Die Krux des Marathons

Er weiß, dass ein Jahr mit Marathon ganz anders aussieht: „Man investiert meist fast eine ganze Saison, ohne zu wissen, ob am Ende auch alle Leistungskomponenten am Tag X optimal zusammenpassen. Klappt es über 800 m nicht, weil das Rennen zu langsam war, kann man drei Tage später schon wieder auf Bestzeitenjagd gehen. Beim Marathon geht das frühestens ein halbes Jahr später.“ Für die, die nicht die Klasse für einen Traum von WM oder Olympia haben, ist es noch härter. Ein EM-Halbmarathon war oft das Elixier, trotz beruflicher und familiärer Belastungen weiterzumachen. Da ist schon die ersatzlose Streichung von Paris 2020 ein harter Schlag. Auch und speziell für Regensburgs Topläufer. (orv/cw)

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