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Eishockey

Die Ice Tigers huldigen der #28

Steven Reinprecht gewann einst den Stanley Cup und hat für immer die Herzen der Eistiger-Fans erobert – nun wird er geehrt.
Von Daniel Frasch

Steven Reinprecht wird von den Ice Tigers geehrt. Foto: Thomas Hahn/Eibner-Pressefoto
Steven Reinprecht wird von den Ice Tigers geehrt. Foto: Thomas Hahn/Eibner-Pressefoto

Nürnberg.Die Partie der Nürnberg Ice Tigers gegen den EHC Red Bull München am Freitagabend (19.30 Uhr) wird kein Spiel wie jedes andere. Zum einen, weil der Ex-Nürnberger Yasin Ehliz nach seinem überraschenden Wechsel in die Landeshauptstadt erstmals an seine alte Wirkungsstätte zurückkehren wird.

Zum anderen, weil die Duelle mit dem amtierenden Deutschen Meister in der Vergangenheit Spektakel boten. In Erinnerung bleibt freilich das Duell der Saison 2016/17, als die Franken nach 36 Minuten mit 1:5 in Rückstand lagen, die Begegnung nach rasanter Aufholjagd drehten, um am Ende mit 6:5 nach Verlängerung zu gewinnen.

Steven Reinprechts #28 wird in Nürnberg nicht mehr vergeben. Foto: Eibner
Steven Reinprechts #28 wird in Nürnberg nicht mehr vergeben. Foto: Eibner

Damals in Reihen der Ice Tigers mit auf dem Eis stand Steven Reinprecht. Der Kanadier tat in jener Partie das, was er seit seines Wechsels nach Franken im September 2012 so oft tat: Er punktete und lieferte die Vorarbeit zu Jesse Blackers Siegtreffer. Eine Partie, die sich auch in Reinprechts Gedächtnis einprägte, was in Anbetracht seiner beeindruckenden Vita keinesfalls selbstverständlich ist.

Von der University of Wisconsin wechselte Reinprecht im Alter von 23 Jahren in die NHL, in der er insgesamt 713 Spiele bestritt und 402 Scorerpunkte sammelte. Los Angeles Kings, Colorado Avalanche, Calgary Flames, Florida Panthers und Phoenix Coyotes lauteten die Stationen des Mittelstürmers, dessen Karrierehighlight der Gewinn des Stanley Cups 2001 mit Colorado war. Zwei Jahre später holte der Kanadier bei der WM in Finnland die 22. Goldmedaille seines Landes.

Zweifellos war die Verpflichtung des Linksschützen 2012 verheißungsvoll – wie sehr „Reino“, wie er in Mannschaftskreisen genannt wurde, das Nürnberger Eishockey prägen sollte, war da jedoch noch nicht abzusehen.

Immer fair auf dem Eis

313 Mal schnürte Reinprecht die Schlittschuhe für die Franken, starke 330 Punkte (112 Tore, 218 Assist) sammelte er in sechs Spielzeiten in Nürnberg. Technische Raffinesse und eine außergewöhnliche Übersicht zeichneten das Spiel des Kanadiers aus. Ebenso wie der ausgeprägte Hang zu sportlicher Fairness. Hinterlistige Stockfouls, Schimpftiraden auf Unparteiische oder „Trashtalk“ mit dem Gegner – all das war dem sympathischen Kanadier bis zuletzt fremd. Reinprecht, der elegante Schlittschuhläufer, ließ stets Taten auf dem Eis sprechen.

Die Karriere des Steven Reinprecht

Und neben dem Eis. In keinem seiner sechs Nürnberger Jahre verzichtete er darauf, mit Mannschaftskollegen kranken Kindern im Krankenhaus einen Besuch abzustatten. Bereits zu seiner Zeit in Nordamerika unterstütze Reinprecht zusammen mit seiner Frau Sarah karitative Organisationen und setzte sich stets für Hilfsbedürftige ein.

Ein höflicher und stets bodenständiger Sportsmann, der jeden Morgen mit dem Fahrrad zum Training fuhr, um das Auto seiner Frau und den beiden Kindern zu überlassen. Kein Sportwagen, kein SUV, nichts dergleichen. Für einen Profisportler, der während seiner Zeit in Nordamerika über 15 Millionen US-Dollar verdiente, keine Selbstverständlichkeit. Aber ein Spiegel seines einwandfreien Charakters, den auch ehemalige Weggefährten immer wieder hervorheben.

„Ein unglaublich talentierter Eishockeyspieler, aber auch ein unglaublich toller Charakter. Er hat unserer Mannschaft in all den Jahren sehr viel gegeben. Ich bin stolz, dass ich mit Steven arbeiten durfte“, sagte Ex-Trainer Rob Wilson bei der tränenreichen Verabschiedung des Kanadiers nach dem Halbfinal-Aus im März diesen Jahres.

Enge Beziehungen geknüpft

Freitagabend kehrt „Reino“ noch einmal zurück. In die Stadt, in der er und seine Familie „viele enge Beziehungen schlossen“. Zurück an die Wirkungsstätte, in der er über sechs Jahre lang Fans verzückte und dennoch stets betonte, welch „große Ehre und Freude“ es für ihn sei, „für diese Nürnberger Fans spielen zu dürfen.“ Eine Viertelstunde vor dem Eröffnungs-Bully wird die Rückennummer 28, die Reinprecht seit jeher trug, auf einem zwei Meter langen Banner unter das Hallendach der Nürnberger Arena gezogen.

Martin Jiraneks Trikot mit der #12 hängt ebenfalls unter dem Nürnberger Hallendach. Foto: Thomas Hahn/Eibner-Pressefoto
Martin Jiraneks Trikot mit der #12 hängt ebenfalls unter dem Nürnberger Hallendach. Foto: Thomas Hahn/Eibner-Pressefoto

Die Tradition der „Retirement Ceremony“, zu deutsch „Verabschiedung in den Ruhestand“, ist lang und wurde als erstes vom NHL-Klub Toronto Maple Leafes 1934 zu Ehren von Ace Bailey durchgeführt. Auch in Nürnberg hat die Ehrung verdienter Spieler Tradition, allerdings hingen bislang die Originaltrikots der ehemaligen Spieler hoch oben.

Um die Legenden vergangener Tage optisch in den Vordergrund zu stellen, werden Freitag die Trikots gegen einheitliche, optisch ansprechende Banner ersetzt. „Ich bin sehr aufgeregt, es ist eine große Ehre für mich“, ließ Reinprecht im Vorfeld wissen. Der Ex-Profi machte sich bereits mit seiner Familie vom amerikanischen Denver auf den Weg nach Franken. Bei der University of Colorado übernahm er im Sommer den Posten den Co-Trainers.

Die Rückkehr des Yasin Ehliz

  • Red Bull München:

    Noch immer gewöhnungsbedürftig ist für die Nürnberger Fans der Anblick des Nationalspielers im Trikot seines neuen Arbeitgebers. Trotz einer vermeintlichen mündlichen Zusage entschied sich Yasin Ehliz nach seiner Rückkehr aus Nordamerika gegen eine Rückkehr nach Nürnberg und für einen Wechsel zum Rivalen nach München.

  • Calgary Flames:

    Sein Engagement in Nordamerika hatte sich Ehliz anders vorgestellt. Nachdem er sich im NHL-Team der Calgary Flames nicht durchsetzen konnte, wurde der gebürtige Bad Tölzer ins Farmteam zu Stockton Heat abgeschoben. Doch auch in der unterklassigen American Hockey League konnte Ehliz nicht überzeugen und kehrte vorzeitig zurück.

  • Nürnberg Ice Tigers:

    Als 17-Jähriger feierte Ehliz im Jahre 2010 sein Profidebüt bei den Franken, insgesamt bestritt Ehliz 386 Partien für die Nürnberg Ice Tigers, in denen er 258 Scorerpunkte sammelte (93 Tore, 165 Vorlagen). Zusammen mit Ex-Ice Tiger Steven Reinprecht und Patrick Reimer bildete Ehliz mehrere Jahre lang die gefährlichste Angriffsreihe der DEL.

  • DEB-Nationalteam:

    Den bislang größten Erfolg seiner sportlichen Karriere feierte Yasin Ehliz im Februar diesen Jahres, als er mit der Deutschen Nationalmannschaft überraschend die Silbermedaille bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang gewann. Bei seiner Rückkehr nach Nürnberg wurde Yasin Ehliz von tausenden Fans am Flughafen gefeiert.

Neben dem 42-Jährigen wird auch Nürnbergs Eishockey-Denkmal Martin Müller vor Ort sein. Der Mann mit der Rückennummer vier bestritt zwischen 1984 und 1992 insgesamt 386 Spiele für den EHC 80 Nürnberg und sammelte dabei sensationelle 692 Punkte (410 Tore, 282 Vorlagen). Mit Martin Jiranek steht eine weitere Legende noch immer in Diensten der Ice Tigers: Nürnbergs ehemalige Nummer zwölf wird als aktueller Cheftrainer an der Zeremonie ebenso teilnehmen.

Fehlen wird hingegen Paul Geddes. Der Kanadier mit der Rückennummer sieben absolvierte zwischen 1992 und 1997 insgesamt 238 Partien für die Franken und kam dabei auf 315 Scorerpunkte (160 Tore, 155 Assist). Mit über 7000 verkauften Tickets wird die Nürnberger Arena nahezu ausverkauft sein. Ehre wem Ehre gebührt.

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