MyMz

Leichtathletik

Die verrückte Saison der Corinna Schwab

Japan, Probleme auf der Paradestrecke, Minsk-Bronze: Vor der Sparkassen-Gala ist bei der Ambergerin viel passiert.
Von Claus-Dieter Wotruba

Corinna Schwab (Mitte, Nummer 28) hat an die Sparkassen-Gala in Regensburg viele gute Erinnerungen. Am Sonntag sollen neue hinzukommen. Foto: Christian Brüssel
Corinna Schwab (Mitte, Nummer 28) hat an die Sparkassen-Gala in Regensburg viele gute Erinnerungen. Am Sonntag sollen neue hinzukommen. Foto: Christian Brüssel

Regensburg.Theorie und Praxis sind zwei paar Stiefel. Corinna Schwab hat das erfahren. Sie hatte so einiges geplant in dieser Saison – und zwar über ihre Paradestrecke 400 Meter. Jetzt ist die 20-jährige Ambergerin, die seit diesem Jahr im blauen Trikot der LG Telis Finanz Regensburg läuft, zwar wie gedacht für die Europameisterschaften der U-23-Kategorie von 11. bis 14. Juli im schwedischen Gävle im Aufgebot – aber eben als eine von acht potenziellen Kandidatinnen für die 4 x 100-Meter-Staffel. „Das ist vielleicht mein Vorteil, dass ich mehrere Strecken abdecken kann“, sieht es die Oberpfälzerin positiv. „Ich kann zum Einsatz kommen oder auch nicht. Ich lasse alles auf mich zukommen: Diese Saison habe ich gelernt, dass man zwar etwas planen kann, es aber wahrscheinlich so nicht eintreten wird. Und in zwei Jahren habe ich ja noch einmal die Chance auf eine U-23-EM.“

Erster Auftritt im blauen Telis-Trikot

  • Das Stadion:

    „Regensburg ist immer eine geile Bahn“, sagt Corinna Schwab über das Unistadion. „Ich bin da immer gute Zeiten gelaufen (im Vorjahr war es eine 53,31 über 400 Meter. d. Redaktion). Da ist immer guter Wind – und es ist zuhause.“

  • Das Ziel:

    „Da möchte ich nicht zu viel verraten und auch nichts rausposaunen“, sagt Schwab. „Damit bin ich diese Saison nicht so weit gekommen. Einfach im Feld dabei sein und Spaß haben. Die Zeiten nehmen wir, wie sie rauskommen und ich bin mir sicher, dass noch gute kommen.“

  • Das Motto:

    „Immer wieder probieren. Und wenn es schlecht war, stelle ich mich wieder auf die Bahn und versuche es wieder – solange, bis es klappt“, sagt Schwab über ihr Motto. „Wenn es mies läuft, dann stehe ich morgen eben wieder da und laufe wieder 400 und 200. Aufgeben werde ich jedenfalls nicht.“

  • Die Premiere:

    Zum ersten Mal zeigt sich Corinna Schwab im Unistadion im blauen Telis-Trikot. „Ich freu mich drauf. Ich bin immer gerne in Regensburg gelaufen, egal ob beim Rolf-Watter-Sportfest oder der Gala.“

Auch das letzte Erfolgserlebnis kam gänzlich ungeplant zustande: Schwab kehrte zuletzt aus Minsk von ihrem Staffeleinsatz über 400 Meter mit Bronze dekoriert zurück nach Hause – obwohl sie für die Europaspiele ursprünglich nicht vorgesehen war. „Die Saison ist schon verrückt“ , sagt Corinna Schwab vor ihrem Heimauftritt am Sonntag bei der Sparkassen-Gala im Regensburger Universitätsstadion und hat aus den vergangenen Monaten jede Menge gelernt. „Ich nehme mit, was kommt und sehe, wo es endet.“ Mit den späten Weltmeisterschaften Ende September in Doha stehen die Leichtathleten in diesem Jahr sowieso vor einer besonderen Herausforderung, weil das Jahr ungewöhnlich lang ist.
Auf die junge Läuferin strömten seit dem vergangenen Herbst auf allen Ebenen neue Eindrücke ein: Erstmals weg von zu Hause, kaum in Chemnitz angekommen ein Knochenbruch und dann dieses erste Halbjahr mit diesen Turbulenzen. Fangen wir vom frischesten Eindruck her an, der Bronzemedaille mit dem deutschen Team in Minsk. Eine kurzfristige Absage einer Staffelläuferin wegen Prüfungsstress, eine Verletzung der nachnominierten 800-Meter-Frau und fertig war die unverhoffte Schwab-Gelegenheit: E-Mail am Freitag, ein Rennen am Freitag, Anreise am Samstag – recht viel spontaner geht es nicht.

Eine neue Organisationsform

„Es war sehr cool. Ich bin ohne Erwartungen da hingefahren“, berichtet Schwab von ihren Erfahrungen in Weißrussland. „Ich war überrascht, wie top das war. Die Atmosphäre im Athletendorf war entspannt und ein Erlebnis. Was und wie das bei uns funktioniert, damit habe ich mich erst gar nicht beschäftigt.“ Es war ja auch ein Stück schwerer zu durchschauen, als es Leichtathletik-Wettkämpfe üblicherweise sind. Bei den Europaspielen versuchte man sich an einer neuen Organisationsform: In diversen Disziplinen sammelten die Teams nicht Einzelmedaillen, sondern auch Teampunkte. Die Jagd endete in einem abschließenden Verfolgungsrennen eines gemischten Quartetts, das über 800, 600, 400 und 200 Meter mit dem zuvor erkämpften Vorsprung im Biathlon-Stil über die Bühne ging.

Das blaue Trikot der LG Telis Finanz trägt die Ambergerin Corinna Schwab (hier bei der U-23-DM in Wetzlar) seit dieser Saison. Foto: Eibner
Das blaue Trikot der LG Telis Finanz trägt die Ambergerin Corinna Schwab (hier bei der U-23-DM in Wetzlar) seit dieser Saison. Foto: Eibner

Corinna Schwab hatte in der 4-x- 400-Meter-Mixed-Staffel, einer ebenfalls noch jungen Staffel-Variante, einen dritten Platz und acht Zähler für das deutsche Team beigetragen und sah dann, wie die vier Kollegen mit Hundertstel vor Tschechien Edelmetall ins Ziel brachten. „Vor Ort hat man nur Positives gehört. Das Stadion war rappelvoll. Und Bronze ist überragend“, sagt Schwab.

Das war die Saison längst nicht. Über die 400 Meter ist die Studentin der Wirtschaftswissenschaften in Chemnitz bislang 2019 nicht unter den deutschen Top 20 notiert. Bei den deutschen U-23-Meisterschaften disponierte Corinna Schwab nach dem enttäuschenden Auftritt auf ihrer Paradestrecke flott um und brachte so Silber über 200 Meter nach Hause. „Woran es über die 400 genau liegt, weiß ich nicht. Vielleicht habe ich zuviel nachgedacht“, sagt die junge Läuferin. „Es findet viel im Kopf statt. Ich werde auf jeden Fall daraus lernen.“

Die Suche nach dem Mittelweg

Im vergangenen Jahr hatte Corinna Schwab längst nicht so viel nachgedacht und alles hatte wie am Schnürchen geklappt – erst Gold mit der Sprintstaffel bei der Junioren-WM, dann Platz drei bei der deutschen Meisterschaft über 400 Meter und die Staffel-Nominierung für die Heim-EM in Berlin. Mit dem Studium und ihrem neuen Coach Jörg Möckel mit neuer Trainingsgruppe in Chemnitz begann für das Lauftalent ein neuer Karriereabschnitt, der Corinna Schwab unter anderem auch zu einem vierwöchigen Trainingslager nach Japan führte . „Das war eine der Erfahrungen, die mich besser machen. Dort hatten wir auch ein paar Rennen. Und jedes Rennen bringt mich derzeit weiter, weil ich sehe, wie ich die 400 Meter laufen muss. Heuer hatte ich schon alles. Ich hoffe, dass ich irgendwann den Mittelweg finde, und mal das perfekte Rennen herauskommt“, sagt Schwab.

Leichtathletik

Die Oberpfalz läuft Staffel

Corinna Schwab will mit den 400-Meter-Frauen am Freitag ins EM-Finale. U-20-Weltmeisterin ist sie schon – aber im Sprint.

„Japan bedeutete andere Essgewohnheiten, eine andere Kultur, auch die Gelegenheit, nicht in der Hektik wie zuhause, sondern 24 Stunden am Tag an den Dingen zu arbeiten. Da muss man sich anpassen – und all das nimmt man von solchen Reisen mit.“ Nebenbei gelang es in Japan Schwab und Co. auch, in der Mixed-Staffel eines der WM-Tickets zu lösen.
Und jetzt? Gilt es am Sonntag, wenn um 14.45 Uhr in Regensburg bei der Sparkassen-Gala die 400 Meter gestartet werden, „den Flow aus Minsk mitzunehmen, Spaß haben, ein schönes Rennen zu laufen und für mich zufrieden sein und Schritt für Schritt wieder zurückzukommen.“

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht