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Die vierte Gewalt im Staate

Bayerns Innenministerium rudert zurück und duldet jetzt doch Testspiele. Der Fußball setzt seinen Willen allemal durch.
Von Heinz Gläser

Heinz Gläser
Heinz Gläser Foto: Tino Lex

Regensburg.Gesetzgebung, ausführende Gewalt, Rechtsprechung: Auf diesen drei Säulen ruht unser Gemeinwesen. Das klassische Modell der Gewaltenteilung dient der Machtbegrenzung und sichert Freiheit und Gleichheit. Soweit die Theorie, die bis auf Aristoteles zurückgeht.

Natürlich gibt es Unschärfen. Den Medien beispielsweise wird seit langem nachgesagt, sich als vierte Gewalt im Staate aufzuspielen – im positiven wie im negativen Sinne. Donald Trump kann ein garstig Lied davon singen, und er tut es beinahe täglich, wie wir wissen.

Was wir bislang zumindest erahnten, hat sich am Mittwoch eindrucksvoll erwiesen. Bei der eigentlichen vierten Gewalt handelt es sich natürlich längst um den Fußball. Bayerns Verbandschef Dr. Rainer Koch, gleichzeitig Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes und im Hauptberuf Jurist, hatte am Abend zuvor über die sozialen Medien sein Unverständnis, ja seine Fassungslosigkeit angesichts des weiteren Verbots von Amateur-Freundschaftsspielen artikuliert.

Durchaus nachvollziehbar, denn das entsprechende Dekret des für den Sport zuständigen Innenministeriums hätte den unter großen Schmerzen ausgebrüteten Plan zum ersehnten Fußball-Neustart im September ins Wanken gebracht.

Die Maßnahme stoße „bayernweit auf großes Unverständnis, zumal sie zumindest bislang von der Staatsregierung in der Sache in keiner Weise begründet worden ist. Ehrlich gesagt auch bei mir“, zürnte Koch. Prompt knickten die Ministerialen tags darauf vor der Macht der rund 4500 Amateurvereine im Freistaat ein. Und deren Mitglieder sind ja zum allergrößten Teil auch Wählerinnen und Wähler.

Nun rollt der Ball also wieder, wenn auch lediglich zu Testzwecken und ohne Zuschauer. Zudem dürfen sich vorerst nur bayerische Teams messen, solange das Virus wütet.

Ja, unsere Verfassung bedürfte womöglich bald einer minimalen Ergänzung: Alle Staatsgewalt geht vom Fußballvolke aus.

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