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Diese Spieler landen im Panini-Album

Wer fährt mit zur WM? Der italienische Traditionsverlag Panini beantwortet diese Frage lange vor Bundestrainer Joachim Löw.
Von Lena Klimkeit, dpa

Am 27. März kommt das Sammelalbum des Traditionsverlags zur Fußball-Weltmeisterschaft in den deutschen Handel. Foto: Lena Klimkeit/dpa
Am 27. März kommt das Sammelalbum des Traditionsverlags zur Fußball-Weltmeisterschaft in den deutschen Handel. Foto: Lena Klimkeit/dpa

Modena.Wenn man das Panini-Werk im italienischen Modena betritt, fühlt sich das an wie eine Reise in die Kindheit. Nur die Gesichter, die in den Monaten vor der Fußball-Weltmeisterschaft auf Millionen Stickern über die Fließbänder laufen, sind andere: Sami Khedira, Mario Götze, Joshua Kimmich. Sie sind unter den 18 deutschen Profis, von denen die Panini-Redaktion glaubt, dass Bundestrainer Joachim Löw sie im Sommer mit nach Russland nehmen wird und die nun einen Platz im neuen Sammelalbum des Traditionsverlags haben.

Fabrizio Melegari ist der Leiter der Panini-Redaktion. Foto: Lena Klimkeit/dpa
Fabrizio Melegari ist der Leiter der Panini-Redaktion. Foto: Lena Klimkeit/dpa

„Wir haben hier die schwierigste Aufgabe der Welt: Wir müssen mit dem Kopf von 32 verschiedenen Trainern überlegen“, sagt der Redaktionsleiter Fabrizio Melegari. Bei Panini fangen die Vorbereitungen für eine WM schon an, wenn der Sieger den Pokal der letzten WM gerade in den Händen hält. Vier Jahre lang werden Monat für Monat die Mannschaften in etwa 50 Ländern beobachtet. Es werden Statistiken zu den Einsätzen von Spielern ausgewertet, Gespräche mit lokalen Journalisten und Fußball-Experten geführt. „Es ist ein sehr langer Prozess, der begleitet ist von Schwierigkeiten und Frust“, sagt Melegari.

Bei den Deutschen ist sich Panini sicher

Die Fehlerquote liegt bei um die 12 Prozent – und anders als etwa beim iranischen Panini-Kader ist sich Melegari bei den Deutschen sicher: „Diese hier fahren.“ Die Liste mit namhaften Weltmeistern von 2014 und Jungstars entspricht den Kandidaten, die auch Experten für wahrscheinlich halten.

An dieser Maschine werden die Sticker gemischt. Foto: Lena Klimkeit/dpa
An dieser Maschine werden die Sticker gemischt. Foto: Lena Klimkeit/dpa

Sind alle Felder in dem Sammelalbum zur WM einmal mit Stickern beklebt, blickt man auf der Seite des deutschen Teams in die lächelnden Gesichter von Sebastian Rudy, Mesut Özil oder Julian Brandt. „Sicherlich sind sie an dem Tag fotografiert worden, als sie erfahren haben, dass sie mögliche Kandidaten für die WM sind“, sagt Melegari und scherzt: Die ernster dreinblickenden Brasilianer beschäftige der Ausgang der WM 2014 noch immer. Dafür seien die Seiten der Mannschaft wie immer die farbenfrohsten.

Werke in Modena und Sao Paolo

Die Sticker werden in Modena und im Werk in Sao Paolo in Brasilien gemischt und eingetütet. Südamerika und Europa sind die wichtigsten Märkte in Europa – und vor einer Weltmeisterschaft werden die Produktionszeiten in beiden Werken ausgeweitet, erklärt Produktionsleiter Giuseppe Tagliavini.

Ein Stapel Stickerbögen liegt in der Produktionshalle von Panini. Foto: Lena Klimkeit/dpa
Ein Stapel Stickerbögen liegt in der Produktionshalle von Panini. Foto: Lena Klimkeit/dpa

Das 1961 von den Brüdern Panini gegründete Unternehmen startete mit einem Zeitungsstand in der Altstadt des norditalienischen Ortes und stieg zum Weltmarktführer auf. Das 80-seitige WM-Album mit Platz für 682 Sticker wird laut Panini in 130 Ländern erhältlich sein. Zur Auflage, verkauften Exemplaren, dem erfolgreichsten Sammelbuch will Tagliavini keine Angaben machen. Nur so viel: Die WM-Jahre 2006 mit Deutschland und 2014 mit Brasilien seien herausragend gewesen.

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Ausgangsprodukt für die Mitarbeiter in der Produktionshalle sind riesige Stickerbögen, die das Unternehmen von externen Druckereien bekommt, die Motive darauf sind extra wild durcheinander gemischt: Porträts der Profis, Mannschaften, Verbandslogos und Spielstätten. Die Bögen mit 200 Stickern pro Seite werden in zwei Schritten geschnitten und gemischt. So landen in jeder Tüte fünf unterschiedliche Aufkleber.

Verbände achten aufs Haarstyling der Spieler

Im Verwaltungsgebäude nebenan blättert Melegari durch die WM-Stickerhefte vergangener Jahre: Mexiko 1986, Argentinien 1978. Mittlerweile wirken die Fotos auf den Aufklebern durchdachter, die Spieler blicken meist in eine Richtung oder direkt in die Kamera, die Hintergründe sind einheitlich. Die Verbände achteten heutzutage stärker auf das Haarstyling als auf „epische Posen“ wie die eines Kämpfers, sagt Melegari.

„Es fehlt nur noch, die Sammelbilder zu essen, um alle fünf Sinne anzusprechen“

Fabrizio Melegari, Panini-Redaktionsleiter

Zwar ist der Verlag mittlerweile auch im digitalen Bereich aktiv, bietet etwa Online-Sammelhefte an. Aber die gedruckten Sammelalben funktionieren auch in der digitalen Welt noch immer. „Vom Konzept her ist es das gleiche Produkt wie in den 60er Jahren“, sagt Melegari. „Die Spannung, ob ich Thomas Müller finde oder nicht, der Geruch von frisch gedrucktem Papier, das Aufreißen der Tüte, das kein Geräusch, sondern Musik ist, die Genugtuung, die Spieler zu sehen – es fehlt nur noch, die Sammelbilder zu essen, um alle fünf Sinne anzusprechen.“ Melegari weiß, wie er sein Produkt zu verkaufen hat.

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Deutschland ist in Europa der wichtigste Markt für Panini. Warum, erklärt sich Melegari so: „Sammeln braucht Organisation, sammeln bedeutet Ordnung und Konstanz. Alles Dinge, die nicht sehr italienisch sind.“ Nicht nur deshalb sei es nicht so schlimm, dass die italienische Nationalmannschaft nicht zur WM fahre – das erste Mal seit 60 Jahren. Es habe den Machern in Modena auch eine Menge Arbeit erspart.

„Italien ist das Land der Mysterien und auch die Zusammenstellung des Kaders wäre bis zum letzten Moment ein Rätsel gewesen“, scherzt Melegari. Ein Kandidat aber wäre ganz sicher ins Buch gekommen: Torwart-Legende Gianluigi Buffon. „Er wäre der einzige Mann auf Erden gewesen, der sechs Fußballweltmeisterschaften gespielt hätte, wäre er nach Russland gefahren. Aber ich glaube, er wartet noch auf Katar.“

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