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Doping: Milram-Teamarzt von Polizei vernommen

Radprofi Bernhard Kohl hat den jetzigen Milram-Teamarzt schwer belastet. Dieser wird nun von der Polizei vernommen.

Die von Bernhard Kohl erhobenen Dopingvorwürfe gegen den jetzigen Milram-Mannschaftsarzt Mark Schmidt werden ein Fall für den Staatsanwalt. „Er wird wegen des Rechtshilfeverfahrens aus Österreich hier vernommen“, sagte die Erfurter Oberstaatsanwältin Annette Schmitt der Deutschen Presse- Agentur. Der geständige und gesperrte Dopingsünder Kohl hatte Schmidt im „Kurier“ schwer belastet. Der damalige Mediziner des Gerolsteiner-Radteams sei während der Tour de France 2008 in seine „Dopingvorgänge“ eingeweiht gewesen, hatte Kohl der österreichischen Zeitung berichtet.

Schmidt bestreitet alle Vorwürfe und geht nun seinerseits in die Offensive. Er will den früheren Gerolsteiner-Radprofi in Österreich verklagen. „Wir werden Herrn Kohl verklagen. Wir nehmen Herrn Kohl auf Unterlassung und Widerruf der im ’Kurier‘ abgedruckten Äußerungen in Anspruch“, sagte Schmidts Vater.

Mit großem Interesse verfolgt auch Gerolsteiner-Teamchef Hans- Michael Holczer den Fall. Er behält sich rechtliche Schritte gegen seinen einstigen Teamarzt vor. „Wir sind sehr gespannt, was da rauskommt“, sagte Holczer der dpa. Kohls Aussagen bescheinigt der Schwabe einen „hohen Wahrheitsgehalt: „Was Kohl in letzter Zeit gesagt hat, hat sich immer wieder bewahrheitet.“

Der in Nachkontrollen zur Tour 2008 positiv auf das EPO-Präparat CERA getestete Kohl schilderte im „Kurier“ detailliert, wie die Doping-Praktiken abgelaufen sein sollen. Manchmal habe er sich morgens in Schmidts Hotelzimmer geschlichen, „wo er mir dann mein Blut mit einer Kochsalzlösung verdünnt hat, um meinen Wert zu senken“. Er habe zum damaligen Gerolsteiner-Teamarzt von Beginn an eine „gute Gesprächsbasis“ gehabt, sagte Kohl. „Irgendwann kamen wir auf Doping zu sprechen. Er sagte: ’Logisch, dass man es machen muss.‘ Er sagte einmal, dass ich nicht der Einzige im Team sei, der Blutdoping fabriziere“, erklärte Kohl.

Bereits im Frühjahr hatte Kohl seinen früheren Teamarzt vage belastet. Schmidt hatte alle Vorwürfe zurückgewiesen und Milram- Teamchef Gerry van Gerwen schriftlich versichert, dass er keine Dopingmittel besorgt, weitergeleitet oder verabreicht habe. Auch nach den neuerlichen Vorwürfen im „Kurier“ verweist Schmidt laut Milram- Sprecher Stephan Flock auf diese Erklärung. Schmidt werde die Angelegenheit prüfen und sich „in spätestens 14 Tagen“ äußern, sagte Flock. Im „Kurier“ erklärte Mark Schmidts Vater und Anwalt Ansgar Schmidt: „Das sind lauter Falschmeldungen. Niemals hat Mark Schmidt Dopingmittel weitergegeben oder verabreicht.“

Kohl will sich dagegen ganz genau an Schmidts Hilfe erinnern. Für das Blutdoping am 11. Juli in einem Hotel in Bordeaux habe Mark Schmidt ihm und seinem damaligen Manager Stefan Matschiner sogar sein Zimmer angeboten. „Ich fragte Teamarzt Schmidt, wo wir am besten die Blutzufuhr veranstalten könnten. Mark bot sein Zimmer an“, berichtete Kohl. Zudem habe sich der Österreicher, so der „Kurier“, alle zwei bis drei Tage seinen Hämatokritwert von Schmidt messen lassen.

Der Tour-„Bergkönig“ 2008 hatte sich im Vorjahr während der Frankreich-Rundfahrt mit „angereichertem“ Eigenblut gedopt und danach förmlich eine Leistungsexplosion erlebt. In einer Nachkontrolle war Kohl der CERA-Einnahme überführt und für zwei Jahre gesperrt worden. Wegen des gleichen Vergehens wurde auch sein Zimmerkollege Stefan Schumacher gesperrt. Im Gegensatz zu Kohl bestreitet der zweifache Tour-Etappengewinner des Vorjahres aber jegliche Manipulation.

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