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Doppelter Jahn-Befreiungsschlag

Regensburger verschaffen sich mit dem Sieg gegen Fürth weiter Luft im Abstiegskampf. Bei Sargis Adamyan platzt der Knoten.
Von Felix Kronawitter, MZ

Die Regensburger haben allen Grund zu jubeln. Foto: Nickl
Die Regensburger haben allen Grund zu jubeln. Foto: Nickl

Regensburg.Nachdem der Knoten bei ihm endlich geplatzt war, stand Sargis Adamyan bescheiden vor den Reportern in den Katakomben der Continental-Arena. „Es war auf jeden Fall sehr erlösend“, sagte der armenische Nationalspieler und schob aber gleich hinterher: „Aber wichtiger war, dass wir die drei Punkte haben. Wer die Tore schießt, ist eigentlich egal.“ Im bayerischen Derby gegen die SpVgg Greuther Fürth war der armenische Nationalspieler gleich doppelt erfolgreich und brachte den SSV Jahn Regensburg beim 3:2 (2:1)-Sieg in der 2. Fußball-Bundesliga in die Erfolgsspur.

In den vorherigen Partien hatte der zu Saisonbeginn vom Regionalligisten TSV Steinbach in die Oberpfalz gewechselte Offensivmann zwar meist munter aufgespielt, im Abschluss fehlte es aber an Fortune und Kaltschnäuzigkeit. „Ich habe mir nicht vor jedem Spiel einen Kopf gemacht, dass ich ein Tor schießen muss. Ich wollte halt immer hart für die Mannschaft arbeiten“, erklärte Adamyan.

Trainer Achim Beierlorzer war „richtig happy“ nach Schlusspfiff. Foto: Nickl
Trainer Achim Beierlorzer war „richtig happy“ nach Schlusspfiff. Foto: Nickl

Dank seiner Saisontreffer Nummer eins und zwei sieht die Jahn-Welt schon wieder deutlich rosiger aus. Mit 15 Punkten gehen die Oberpfälzer beruhigt in die Länderspielpause. „Ich bin einfach nur happy, weil wir ein sehr gutes Spiel abgeliefert haben und meine Mannschaft verdient gewonnen hat“, sagte Achim Beierlorzer nach dem zweiten Sieg in Folge. „Wir schnaufen jetzt durch“, sagte der Jahn-Coach und genehmigte seinen Schützlingen zwei freie Tage. Die haben sie sich redlich verdient. Nachdem die Regensburger ihre Anhänger zu Saisonbeginn zu Hause nicht gerade verwöhnt hatten, lieferte der Aufsteiger im zweiten „Sechs-Punkte-Duell“ erneut eine beeindruckende Leistung ab. An Unterhaltung mangelte es den 11 110 Zuschauern wahrlich nicht am Samstagnachmittag. Einen Rekord, den der Jahn am 13. Spieltag aufgestellt hat, wird dem Aufsteiger wohl keiner so schnell streitig machen. Die Oberpfälzer waren wieder flott unterwegs im Duell gegen die Franken. Andy Geipl etwas zu flott. Nach sieben Sekunden senste der Jahn-Sechser Fürths Tolcay Cigerci um. Schiedsrichter Thorben Siewer zückte die gelbe Karte – die schnellste der Zweitliga-Geschichte.

Und das sagen die Protagonisten:

Stimmen zum Spiel

  • Achim Beierlorzer:

    „Ich bin einfach nur happy, weil wir ein sehr gutes Spiel abgeliefert haben und meine Mannschaft verdient gewonnen hat.

  • Damir Buric:

    “Die Zuschauer haben heute ein sehr intensives und gutes Spiel gesehen.“

  • Sargis Adamyan:

    (zu seinem Tor bzw. seinen Toren) „Es war auf jeden Fall sehr erlösend. Aber wichtiger war, dass wir die drei Punkte haben. Wer die Tore schießt ist eigentlich egal. Ich hab’s auch vorher gesagt, ich hab mir nicht vor jedem Spiel einen Kopf gemacht, dass ich ein Tor schießen muss, ich wollte halt immer hart für die Mannschaft arbeiten.“

  • (ob das erste Tor auch von ihm war) „Ich hab jetzt gehört, dass es von mir war.“

  • (was heute der Schlüssel war) „Dass wir nach den Gegentoren nicht nachgelassen haben und genauso weiter gespielt haben.“

  • Sebastian Nachreiner:

    (ob er das Tor gemacht hat): „Da würde ich jetzt auch nicht „Nein“ sagen, aber letztlich ist es egal. Wir sind beide mit den Köpfen zusammengerauscht, beide ein bisschen am Ball. Wer zuletzt dran war? Keine Ahnung. Auf alle Fälle war er - wenn auch knapp - doch hinter der Linie und das war letztendlich dann auch das Wichtige.“

  • Philipp Pentke:

    „Wir haben heute viel mehr investiert und waren leidenschaftlicher. Das einzige große Negative sind unsere Gegentore und wie die zustande gekommen sind. Das war alles etwas unglücklich und naiv, vor allem wenn ich ans zweite Tor denke.“

Wer war zuletzt dran?

In der Folge waren die Regensburger nicht mehr rustikal, sondern spielfreudig unterwegs. Marc Lais hatte den Führungstreffer auf dem Fuß, doch Fürths Keeper Sascha Burchert lenkte den Ball über die Latte (11.). Die rasante Regensburger Offensiv-Fahrt krönte der Jahn mit dem 1:0. Ein recht kurioses Ding. Nach einer Ecke von Marvin Knoll waren Sebastian Nachreiner und Adamyan zeitgleich per Kopf zur Stelle. Burchert erwischte den Ball erst hinter der Linie (20.). Wer die Kugel aber zuletzt berührt hatte, da waren sich selbst die Protagonisten nicht recht einig. „Wir sind beide mit den Köpfen zusammengerauscht, beide ein bisschen am Ball. Wer zuletzt dran war? Keine Ahnung. Auf alle Fälle war er – wenn auch knapp – doch hinter der Linie und das war letztendlich dann auch das Wichtige“, erklärte Nachreiner. Der Treffer wurde letztlich dem armenischen Nationalspieler gut geschrieben.

Wie aus dem Nichts meldeten sich die Gäste aber wieder zurück. Nach einer Ecke von Tolcay Cigerci markierte Richard Magyar per Kopf den Ausgleich (32.). Bitter aus Regensburger Sicht, denn den Gästen war bis dato offensiv nicht viel eingefallen. „Die beiden Gegentore haben mich geärgert. Das darf uns so nicht passieren. Deswegen haben wir es uns etwas schwer gemacht“, monierte Beierlorzer, für den die Partie gegen Fürth ein ganz besonderes Highlight war. Von 1989 bis 1996 spielte der Regensburger Trainer bei der SpVgg und coachte ab 2010 vier Jahre lang die U17. Seine Familie und Freunde waren im Stadion und jubelten mit, als sich der Jahn noch vor der Pause zurückmeldete.

Mit zwei Treffern beim 3:1-Sieg gegen Kaiserslautern war Sebastian Stolze noch der Matchwinner. Auch gegen Fürth belebte der vom VfL Wolfsburg ausgeliehene Mann das Regensburger Offensivspiel – und glänzte dieses Mal als Vorbereiter. Der 22-Jährige schüttelte seinen Gegenspieler ab und servierte den Ball seinem Kollegen Adamyan auf dem Tablett, der den Ball unter die Latte knallte (44.). „Meine Mannschaft hat erneut ihre mentale Stärke unter Beweis gestellt und ist nach den beiden Ausgleichstoren jeweils stark zurückgekommen“, lobte Beierlorzer.

Doch kurz nach der Pause schöpfte der Tabellenvorletzte aus Fürth wieder Hoffnung. Die Franken konterten den Jahn aus. Jimenez Torres bediente Marco Caligiuri, der vor Jahn-Keeper Philipp Pentke die Ruhe bewahrte und souverän einschob. (47.). „Das einzige große negative waren unsere Gegentore und wie sie zustande gekommen sind“, kritisierte Pentke. „Das war alles etwas unglücklich und naiv, vor allem wenn ich an das zweite Tor denke. Da können wir am gegnerischen Sechzehner schon klären.“

Am fünften Regensburger Saisonsieg hatte auch Pentke selbst maßgeblichen Anteil. Denn in der 61. Minute eilte der Keeper aus seinem Kasten und grätschte in höchster Not Fürths Khaled Narey den Ball vom Fuß.

Und so bewertet die MZ die Leistung der Jahn-Spieler:

Die Jahn-Spieler in der Einzelkritik

Magyar als Unglücksrabe

Adamyan war am Ende der gefeierte Held, Fürths Magyar der Unglücksrabe. Eine Freistoßflanke von Knoll bugsierte der Fürther ins eigene Tor (68.). Weil Benedikt Saller nur den Pfosten traf (81.) blieb auch der Schlussakt nicht arm an Dramatik. Die Jahn-Fans waren aus dem Häuschen und unterstützen die Regensburger in der Schlussphase mit Standing Ovations.

Nach dem Regensburger Happy-End blickte Jahn-Coach Beierlorzer aber gleich wieder nach vorne auf die kommende Aufgabe am 19. November beim FC St. Pauli. Da dürfte dann auch Jann George wieder mitmischen, der wegen eines Zehenbruchs gegen seinen Ex-Klub noch zuschauen musste. „Wir wollen eine kleine Serie starten“, gibt Beierlorzer als Marschroute vor. Denn der Jahn-Hunger nach Punkten ist noch lange nicht gestillt.

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