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Ein Hauch von van Basten, aber Zufall

Es lief bisher nicht rund für Mitchell Weiser bei Bayer Leverkusen. Sein Treffer in der Europa League könnte das ändern.
Von Holger Schmidt

Mitchell Weiser (r) verhinderte mit seinem Tor eine Heimpleite. Foto: Federico Gambarini
Mitchell Weiser (r) verhinderte mit seinem Tor eine Heimpleite. Foto: Federico Gambarini

Leverkusen.Das vielleicht schönste Tor seiner Karriere war eigentlich der pure Zufall. Das gestand Mitchell Weiser direkt nach dem 1:1 (0:0) gegen Ludogorez Rasgrad in der Europa League ganz offenherzig. Denn sein Tor sollte eigentlich nicht einmal ein Torschuss werden.

„Ich habe versucht, den Ball vors Tor zu bringen. In der Hoffnung, dass noch einer den Kopf drankriegt“, sagte der Ex-Herthaner und ergänzte schmunzelnd: „Aber er ist ja auch so reingegangen. Das war ein bisschen glücklich.“

Weiser rettet Leverkusen traumhaft

Dabei war ein Hauch von Marco van Bastens legendärem Tor im EM-Finale 1988 durch die an diesem Abend eigentlich ziemlich trostlose - weil zugige und nur halbvolle - BayArena gezogen, als Weiser seinem Team in der 85. Minute mit einem Gewaltschuss aus spitzestem Winkel das Unentschieden gerettet hatte. Und nicht nur Trainer Heiko Herrlich sprach von einem „Sonntagsschuss“ und „Tor des Monats“.

„Ich habe versucht, den Ball vors Tor zu bringen. In der Hoffnung, dass noch einer den Kopf drankriegt“

Mitchell Weiser, Spieler bei Bayer Leverkusen

Weiser tut ein solcher Glücksmoment eigentlich gut, denn so richtig läuft es für ihn bisher noch nicht in Leverkusen. Voller Hoffnung war der gebürtige Rheinländer im Sommer für rund zwölf Millionen Euro von Hertha BSC in seine Heimat zurückgekehrt. Immer wieder schien der 24-Jährige in den vergangenen Jahren auf dem Sprung in die Nationalmannschaft. Zum Beispiel als ihn der FC Bayern München 2012 verpflichtete. Oder als er 2017 im EM-Finale der U21 gegen Italien das goldene Tor zum deutschen Sieg erzielte.

Nur viermal besser als 4,0

Immer wieder bremste ihn auf diesem Wege etwas aus, und auch als Bundestrainer Joachim Löw seine eigentliche Dauerlösung als Rechtsverteidiger, Joshua Kimmich, ins Zentrum verschob, war Weiser kein Nachfolge-Kandidat. In Leverkusen überzeugte er bisher auch nicht wirklich. In 15 benoteten Pflichtspielen wurde er im Fachmagazin „Kicker“ nur viermal mit einer besseren Note als 4,0 bewertet. Dass Herrlich zwischen Dreier- und Viererkette pendelte, lag auch an der Unzufriedenheit mit den Außenverteidigern Weiser und Wendell. Dass der Ex-Berliner sich am Donnerstag in einer auf zehn Positionen veränderten Elf der Reservisten, Formschwachen und Talente wiederfand, war bezeichnend.

Im Vorfeld hatte Weiser sich schon selbstkritisch gezeigt. Er müsse sich „mit den anderen noch finden“, sagte er dem „Kicker“, mit dem Trainer habe er „in letzter Zeit nicht so viel geredet“. Seine Flanken müsse er verbessern, räumte Weiser noch ein. Und offensiv könne er es besser. Sein Tor gegen Rasgrad, das Bayer vor dem Gruppen-Finale Platz eins und damit den Erstzugriff auf den Gruppensieg sicherte, könnte ein Schritt in die richtige Richtung gewesen sein. Auch, wenn Weiser eigentlich gar nicht aufs Tor schießen wollte.

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