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Triathlon

Ein Triathlon-Tag der Lokalmatadoren

Sonja Tajsich und Sebastian Neef gewinnen in Regensburg mit deutlichem Vorsprung. Max Sperl und Anabel Knoll verteidigen Titel auf der Sprintdistanz.
Von Claus-Dieter Wotruba, MZ

Regensburg.Öfter mal was Neues: Anfang der Woche wusste Sonja Tajsich nach ihrem Start beim Ironman Zürich kaum, wie sie diesen versprochenen Start bewältigen sollte. Jetzt stand sie als Siegerin im Ziel, hatte auf der Zielgeraden sogar noch Zeit für eine flotte Umarmung für Tristar-Chef-Organisator Gerd Lulay gehabt und schloss mit dem Sieg in 2:07:08 Stunden bei der Jubiläumsausgabe des 25. compexx-Triathlons in Regensburg eine Lücke ihrer Vita. Sebastian Neef kennt das Gefühl schon besser: Zum dritten Mal in Serie war der 25-Jährige, der ebenfalls für Tristar an den Start geht, auf der olympischen Distanz (1,5 Kilometer Schwimmen, 40 Kilometer Radfahren, 10 Kilometer Laufen) nach 1:52:34 Stundender beste Mann.

Fast hätte die Dramaturgie, an der die Organisatoren ein wenig geschraubt hatten, sogar ermöglicht, dass Tajsich und Neef gemeinsam ins Ziel kommen: Denn die Männer waren erst 15 Minuten nach den Frauen und Staffeln gestartet. „Die neue Taktung ist gut und hat sich bewährt“, erklärte Gerd Lulay, der den gesamten Ablauf als „total entspannt“ beschrieb. „Es gab permanent etwas zu schauen und wenig Leerlauf.“ Am Ende waren es ein paar Sekunden, die Tajsich nach vier Laufrunden eher da war. „Sonja läuft eben zu gut“, witzelte Neef am Mikrofon von Matthias Walk, einem der Veranstaltungssprecher.

Die beste Nachricht des Tages war für die Siegerin, dass sie schmerzfrei geblieben war und im Ziel fast verwundert meinte: „In Kallmünz hatte ich Blasen. Ingolstadt war auch härter. Denn hier tut mir nichts weh.“ Die Woche nach Zürich hatte Sonja Tajsich nichts gemacht, „außer mit dem Cityrad von Eilsbrunn in die Stadt zu fahren“. Dennoch lief alles bestens: Weniger als eineinhalb Minuten Rückstand auf die schnellste Schwimmerin und Vorjahressiegerin Juliane Straub, die in Regensburg lebt und für Witten startet, schreckten wenig. Auf der Radstrecke übernahm sie die Führung und gab sie nicht mehr her. „Ich dachte mein Wattmessgerät ist kaputt, so gut waren die Werte“, wunderte sich Tajsich auch hier ein wenig und gewann der Konsequenz des Zürich Starts positive Seiten ab. „Dann schießt du vielleicht nicht so los und teilst dir die Kräfte sogar besser ein.“

Wie Sonja Tajsich, für die ihr Ironman-Sieg in Regensburg 2010 für immer einer der emotionalen Höhepunkte ihrer Karriere sein wird, empfand auch Sebastian Neef die „Kulisse genial“. Für ihn war Regensburg die Generalprobe für den Halb-Ironman (70.3) in Wiesbaden am Sonntag. „Ich bin jetzt nicht tot umgefallen im Ziel, aber hatte doch schwere Beine nach all dem Training auf der Radstrecke.“ Neef erprobte dabei auch erstmals im Wettkampf die Produkte der Kelheimerin Caroline Rauscher. Die Ernährung im Wettkampf spielt im Triathlon eine immer größere Rolle. „Ein Pulver mit hohem Kohlehydratgehalt ersetzt zum Beispiel das pappige Zeug von bisher“, sagt Neef.

Für Juliane Straub begann mit Regensburg nach einer Trainingspause im Frühjahr die Saison erst so richtig. „Ich wollte schauen, dass ich wieder reinkomme. Richtig reingefunden habe ich zwar nicht, aber schlecht war es auch nicht.“ Wie Neef ist auch Straub in Wiesbaden am Start, wo sie im Vorjahr äußerst respektable Zehnte war. Zudem hat sie die 70.3-Wettbewerbe in Budapest am 23. August und am 14. September auf Rügen im Kalender stehen. „Mal schauen, was die Form hergibt.“ Den Regensburg-Start empfand Straub als „ganz schön hart“ – mit einem Vorteil, den auch Tajsich und Neef in vollen Zügen genossen. „Wenn du an allen Ecken von Leuten angefeuert wirst, die dich kennen, dann vergisst du auch, wenn es irgendwo zwickt“, sagt die 30-Jährige.

Voll des Lobes war auch die drittplatzierte Maria Paulig. „Ich bin jetzt das dritte Mal da und es war immer super“, sagte die Ingolstädterin.

Für Max Sperl wäre es ein Start-Ziel-Sieg gewesen. Beinahe. Denn: „Meine Freundin kam vor mir aus dem Wasser“, sagt Sperl. „Wenn er so langsam schwimmt“, kommentiert Anabel Knoll. Das Youngster-Pärchen war dominant beim Regensburger Triathlon-Sprint über 500 Meter Schwimmen, 20 Kilometer Radfahren und fünf Kilometer Laufen. Der 19-Jährige verteidigte seinen Titel mit knapp zwei Minuten Vorsprung, die 18-Jährige lag über vier Minuten vorne.

„Ich hatte schwere Arme“, berichtet Sperl. „Auf dem Rad bin ich am Anschlag gefahren, weil ich wusste, dass Ingo Ulmer hinter mir gefährlich ist“, sagt Sperl, der gebürtige Regensburger, der inzwischen wie seine Freundin in Ingolstadt lebt und für den SC Delphin startet. Für den Start in Regensburg biss Sperl auf die Zähne: Ein Sturz bei der bayerischen Meisterschaft vor einer Woche zog das Knie in Mitleidenschaft. „Aber in meiner Geburtsstadt gewinnen macht Spaß“, sagt Sperl, „das wollte ich mir nicht entgehen lassen“.

Geliebäugelt hätte er ohne seine Probleme mit einem Start auf der olympischen Distanz. Aber was nicht ist, kann für den Abiturienten 2014, der jetzt ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) machen will, um sich auf den Sport zu konzentrieren, ja 2015 werden. Erstmal hat er noch die deutsche U-23-Meisterschaft am 6. September in Hannover im Visier – und die Europacup-Qualifikation. „Beim ersten Mal bin ich knapp gescheitert, weil ich um sechs Sekunden zu langsam geschwommen bin.“

Im ungarischen Tiszaujvaros ist Anabel Knoll, die in Regensburg zwei Sekunden schneller als Sperl schwamm, am Wochenende im Junioren-Europacup im Einsatz. Auch ihr tat Regensburg gut. „Es ist gut für den Kopf, zu gewinnen“, sagt Knoll, die zuletzt unliebsame Erfahrungen gesammelt hatte. Ende Juni stürzte sie bei ihrem ersten internationalen Einsatz, den Europameisterschaften in Kitzbühel bei Regen. Am vergangenen Wochenende hatte sie sich mehr erhofft als DM-Platz vier. „Aber seit fünf Wochen, seit dem Kraichgau, läuft es im Laufen nicht mehr“, sagt Knoll. „Das ging voll in die Hose.“ Größere Distanzen kann sich die 18-Jährige momentan nicht vorstellen. „Ich finde die 20 Kilometer auf dem Rad schon viel“, sagt sie, die dort nur einmal eine Schrecksekunde hatte. „Ich dachte erst, ich hätte mich verfahren, weil keiner mehr da war.“ Im Wasser war ihr Freund beste Orientierung und Antrieb zugleich.

Der Aufwand war nicht gering, aber das Ergebnis sehenswert. Auch wenn der erste Teil der in Regensburgs erstmals durchgeführten Ligarennen durch parallele Siegerehrungen unterging, erhöhten die rund 200 Teilnehmer aus Regional- und Bayernliga den Stellenwert durchaus. „Sportlich ist das höchstes Niveau“, meinte auch Tristar-Vorsitzender Gerd Lulay nach persönlichem Augenschein. „Wir werden in aller Ruhe besprechen, ob wir das für uns wiederholbar ist. Man lernt ja auch dazu.“

Weil in der Mannschaft die Ausgeglichenheit Trumpf ist, war es interessant, wie sich die Teilnehmer gegenseitig schoben, in einem Fall sogar per Bändchen zogen. Und aus Regensburger Sicht sorgte der Erfolg der Tristar-Herren für einen tollen Schlusspunkt des Triathlon-Tages – auch wenn der angepeilte Zweitliga-Aufstieg um einen Platzpunkt verfehlt wurde. Sturz, verfahren, Platten: Eine Serie von Pannen hatte für die Plätze sechs und acht zum Start der Fünfer-Veranstaltungsserie gesorgt. Da halfen auch drei Siege in Folge nichts mehr. Dazu überraschten das Frauen-Team in der Regionalliga mit Rang zwei, der ersten Treppchenplatzierung der Saison, hinter Bundesliga-Aufsteiger München.

Derweil lenkte sich Philipp Pflieger davon ab, dass er nicht für die Leichtathletik-EM in Zürich nominiert worden war. Als „Privatmann“ lief und siegte er mit Schwimmer Thomas Stadler und Radfahrer Benedikt Schäffer in der Staffel. „Die Idee entstand im Juni beim Grillen. Eigentlich haben das ja unsere Frauen eingefädelt.“

1100 Sportler nahmen am Regensburg Triathlon teil

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