MyMz

Eishockey

Eisbären trennen sich von Igor Pavlov

Der Regensburg Eishockey-Verein hat seinen Trainer mit sofortiger Wirkung freigestellt. Max Kaltenhauser übernimmt.

Igor Pavlov ist nicht mehr Trainer der Eisbären. Archivfoto: Brüssel
Igor Pavlov ist nicht mehr Trainer der Eisbären. Archivfoto: Brüssel

Regensburg.Die Nachricht platzte gestern Abend für viele EVR-Fans wie eine Bombe: Die Eisbären Regensburg trennen sich von Igor Pavlov. Er ist mit sofortiger Wirkung als Sportdirektor und Trainer freigestellt. Max Kaltenhauser übernimmt bis auf weiteres als Interimstrainer die Mannschaft. Der 38-Jährige war zuletzt Referent der GmbH-Geschäftsführung sowie U-17-Trainer und kam im Sommer 2018 zum EVR. Er war zuvor neben seiner letzten Spielerstation in Waldkraiburg auch im Rosenheimer Nachwuchs tätig – wo er jetzt heute ab 19.30 Uhr erstmals in der Eisbären-Verantwortung steht. Neben Stefan Schnabl war er bisher der zweite hauptamtliche Nachwuchstrainer der Jung-Eisbären. 32 Mal stand er in der letzten Zweitliga-Saison 2007/08 selbst für die Eisbären auf dem Eis.

In der um genau 21 Uhr versendeten GmbH-Stellungnahme zur Entlassung Pavlov heißt es: „Igor Pavlov hat vieles für das Regensburger Eishockey erreicht. Die Eisbären bedanken sich bei ihm ausdrücklich für die geleistete Arbeit und seine enorme Identifikation mit dem Standort. Die GmbH wünscht Igor für seine berufliche und private Zukunft viel Erfolg und alles Gute.“ Telefonisch waren Geschäftsführer Christian Sommerer und Kaltenhauser gestern Abend nicht mehr erreichbar.

Pavlov zeigt sich überrascht

Pavlov sagte gegenüber der Mittelbayerischen am späten Abend: „Ich war auch total überrascht. Die Gespräche bisher waren anders. Christian Sommerer und Christian Volkmer (EVR-Vorstand, d. Red.) kamen nach dem Training am Donnerstagabend zu mir und sagten, die Gesellschafter wollten ein Signal an die Mannschaft setzen. Jetzt ist es eben zu Ende und ich muss mir einen neuen Job suchen.“

Rückblende: Vor einem Jahr herrschte bei den Eisbären des EV Regensburg um diese Zeit eitel Sonnenschein. Nach 16 Spielen lag das Team unerwartet auf Rang eins der Eishockey-Oberliga Süd. Die Bilanz: 14 Siege, hintereinander, zwei Niederlagen. Nach 16 Spielen 2019/20 ist das Zwischenfazit nach der Hälfte der noch bis 7. Januar laufenden Vorrunde vergleichsweise katastrophal: Die Eisbären haben gerade fünf Mal gewonnen, aber schon elf Mal verloren.

Claus-Dieter Wotruba schätzt die Lage ein:

Igor Pavlov wird als Trainer freigestellt

Längste Serie: Zwei Siege am Stück. Vor dem Spiel bei den Starbulls beim Tabellendritten in Rosenheim heute (19.30 Uhr) und dem Heimspiel am Sonntag (18 Uhr) gegen die neuntplatzierten Bulls aus Sonthofen ist die Lage für das Team prekär.

Als Zweiter von unten in der Tabelle ist statt Tabellenführer und DEL-Absteiger Deggendorf momentan Lindau der Orientspunkt auf Rang zehn, der als letzter zum Einzug in die Meisterrunde berechtigt. Am Mittag vor seiner Entlassung wirkte Pavlov ruhig und sah im MZ-Gespräch noch Besserung, zuletzt bei Sieg und Niederlage nach Verlängerung gegen Memmingen und Weiden. „Wir spielen und kämpfen. Wir tun alles, um die Kurve zu kriegen. Wir wären ein gutes Team.“ Man sei „in eine Verzweiflungsphase reingerutscht“, versuche aber, es umzubiegen und wieder in die Erfolgsspur zu kommen.

So recht glauben mochten das manche Fans aber schon vor seiner Entlassung nicht. Was nur hat sich in diesem einen Jahr so massiv verändert, dass die nahezu ja unveränderten Eisbären nicht auf die Füße kommen? Die Fans murrten, stellten auch Pavlov mehr und mehr in Frage und redeten von der Abstiegsrunde. Dass alle elf Niederlagen knapp und knapper waren, hilft nicht weiter: Acht Mal – auch zuhause gegen Rosenheim (2:3) und in Sonthofen (5:6) in den ersten Duellen – verloren die Eisbären mit einem Tor Unterschied, drei Mal mit zwei Treffern Differenz. Höher nicht.

Das EVR-Rätsel war für Igor Pavlov wenigstens in Teilen objektiv begründbar. „Wir suchen eine Torwartlösung“, sagte er vor seiner Demission zur Mittelbayerischen. Nach der Verletzung von Peter Holmgren war die Nummer-eins-Aufgabe für Raphael Fössinger hinter einer verunsicherten Mannschaft zu schwer. „Das ist, als würdest du einen Boxer gleich gegen den Weltmeister kämpfen lassen“, hatte Pavlov dem Youngster mit seinen 20 Jahren aber keinen Vorwurf gemacht. Die Eisbären überbrückten auf der Suche nach einem Rückhalt, von dem der Funke nach vorne aufs Team überspringt, von Spiel zu Spiel. Positiv: Landshut schickt den gegen Memmingen überzeugenden Patrick Berger ein weiteres Mal.

Der geschasste Trainer ging zunächst nur von einem Berger-Einsatz am Freitag aus, sagte aber: „Er könnte helfen, solange Holmgren ausfällt.“ Denn vom Eisbären-Keeper Nummer eins gibt es hoffnungsvolle Nachrichten: „Ich bin überzeugt, es wird nicht mehr als noch zwei Wochen dauern, bis er zurück ist“, sagte Pavlov über die Ergebnisse der neuesten Untersuchungen 26 Tage nach der Verletzung. Zum Test sollte Holmgren gestern Abend aufs Eis.

27 Gegentore mehr

Weil nicht alle sich so verhielten, wie es der Trainer wünschte, reduzierte Pavlov auf drei, oft sogar zwei Blöcke . Die Eisbären sind freilich gerade ein Musterbeispiel dafür, dass nicht die Offensive, sondern die Defensive entscheidet. 77:41 Toren vor einem Jahr stehen jetzt 67:68 gegenüber – also satte 27 Gegentore mehr. Die damals so erfolgreiche zweite Reihe mit dem von Verletzungen geplagten „Spieler der Saison“ Constantin Ontl und seinem kämpferischen Partner Erik Keresztury ist gesprengt – beide haben bisher kein Tor erzielt. Und der in der Vorbereitung so vielversprechende Neuzugang Tomas Schwamberger ist abgetaucht.

Dafür tauchte zuletzt Jakob Weber, zu dem das Tischtuch schon zerschnitten schien, aus der Versenkung wieder auf. Mit seinen beiden Treffern zuletzt schraubte der zwischenzeitlich fünf Spiele ausgemusterte Verteidiger seine Ausbeute auf sechs Treffer, der viertbeste Wert im Kader nach Divis (15), Gajovsky (11) und Flache (10).

Weitere Nachrichten aus dem Sport lesen sie hier.

Aktuelles aus der Region und der Welt gibt es über den Facebook Messenger, Telegram und Notify direkt auf das Smartphone

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht