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Samstagsinterview

Er spielt und spielt und spielt

EVR-Kapitän Billy Trew wird am Neujahrstag 43. Aufhören ist kein Thema, erzählt er – nur die Musik macht Probleme.
Von Claus-Dieter Wotruba, MZ

Billy Trew geht gerne mal mit seinen Kindern in der Donau-Arena auf eine Ehrenrunde.
Billy Trew geht gerne mal mit seinen Kindern in der Donau-Arena auf eine Ehrenrunde. Foto: Nickl

Regensburg.Sag mal Billy, ist der 1. Januar nicht der optimale Geburtstag für einen Eishockeyspieler? Da ist üblicherweise ja kein Spiel – und meist auch kein Training.

Es ist ein schöner Geburtstag, weil es immer eine Feier gibt.

Ach, die machen das Feuerwerk immer nur für Billy Trew.

Genau (lacht). Aber meistens müssen wir am nächsten Tag trainieren und am 2. oder 3. Januar spielen. Da ist zu viel feiern auch nicht gut.

Gab’s in Deiner langen Karriere denn besondere Geburtstage?

Zu meinem 41. hat meine Frau eine Überraschungsparty organisiert. Ich hatte keine Ahnung, wollte keine Feier und hatte eigentlich in meinem ganzen Leben keine Geburtstagsfeier. Aber es war sehr schön.

Warum beim 41. Geburtstag und nicht schon zum 40.?

Da war zu viel Stress. Wir haben gerade ein Haus gebaut in dem Jahr. Außerdem passte das ja gut zu meiner Rückennummer (Billy Trew trägt die 41, d. Red.).

Aber es ist nicht so wild wie bei den Skispringern, die ja zum Teil an Silvester wegen des Neujahrsspringens Mitternacht nicht erleben, oder? Ein Trew darf schon länger aufbleiben?

Wir haben auch schon mal gefeiert bis fünf Uhr in der Früh.

Ist es bei nur drei Hauptstationen in der Karriere mit Straubing, Landshut, Regensburg – wobei der EVR noch die kürzeste ist – denn gemein, danach zu fragen, was einem die liebste Station ist? Oder war jede Station zu ihrer Zeit die liebste?

Es ist selten, dass ein Spieler so lang bei einem Verein spielt wie ich in Straubing. Das waren zwölf Jahre. Wir haben uns da sehr wohl gefühlt. Und der Verein war auch immer zufrieden. Danach war Landshut die beste Option, weil ich von Straubing hin- und herpendeln konnte. Und jetzt in Regensburg ist das genauso. Aber jedes Jahr ist anders. Momentan ist Regensburg für mich perfekt.

Aber ein Ranking wäre gemein?

Das würde ich nie machen. Wenn wir heuer aufsteigen, wäre alles gleich. Dann hätte ich mit allen drei Klubs eine Meisterschaft gewonnen.

Ein schönes Triple.

Ja, der Aufstieg mit Straubing erst von der Oberliga in die zweite Liga und dann in die erste Liga war toll.

Die Regensburger Fans erinnern sich mit Grauen an die Niederlage in den Aufstiegs-Playoffs damals.

Ich weiß. Mit Landshut die Meisterschaft war auch eine schöne Zeit. Mit dem EVR dachte ich, dass wir es vergangenes Jahr schaffen. Gut, dann müssen wir es eben heuer schaffen.

Gibt es eigentlich gemeinsame Gene mit Jaromir Jagr? Der jagt mit bald 45 in der NHL die Rekorde.

Für ihn ist es einfacher. Na ja, was heißt einfacher: Er spielt in der besten Liga der Welt, da ist nichts einfach. Aber er ist alleine und muss auf nichts und niemanden Rücksicht nehmen.

Ein Jagr sagt, er spielt bis 50. Hast Du auch solche Pläne und kannst Dir das vorstellen?

Vielleicht kann er es schaffen. Ich denke von Jahr zu Jahr.

Du wirst an Neujahr immerhin auch schon 43.

Und es macht Spaß, immer noch. Ich kann mir vorstellen, länger zu spielen. Warum soll ich aufhören?

Nur mit dem Musikgeschmack in der Kabine wird’s langsam schwierig, habe ich gehört.

Omei, omei. Der Musikmann in der Kabine ist vielleicht der schlechteste in meiner ganzen Karriere. Ohne Witz. Wir brauchen eine neue Playlist.

Dem Kapitän gefällt also die Musik nicht.

(Aus dem Hintergrund in der EVR-Kabine in der Donau-Arena sagt Lukas Heger: „Die anderen finden es aber gut.“)

Ich bin sehr offen für alles. Aber vor dem Spiel muss die Musik aufputschen. Unsere Musik ist zum Einschlafen. Na ja, vielleicht brauche ich vor dem Spiel wegen meines Alters den Schlaf. Und noch was wegen meinem Alter: Ein bisschen mehr Hardrock und Heavy Metal würde auch nicht schaden.

Hardrock und Heavy Metal auf dem Eis wären auch nicht schlecht, um die Überleitung auf die aktuelle EVR-Lage zu finden. Warum schwanken die Leistungen so? Hat der Kapitän eine Erklärung?

Gute Frage. Eine einfache Erklärung dafür gibt’s nicht. Die Liga ist ganz eng. Wir brauchen Konstanz im eigenen Spiel. Wir haben heuer zu selten 60 Minuten gut gespielt. Das brauchen wir endlich.

Vergangenes Jahr fand der EVR auch in schlechten Spielen den Weg zum Sieg. Der Konkurrent Selb scheint der Nachfolger zu sein – zumindest zumeist zuletzt.

Gewinnen ist wie Radlfahren. Du musst erst lernen, wie man gewinnt. Und das haben wir noch nicht gelernt heuer, obwohl es fast die gleiche Mannschaft wie letztes Jahr ist. Aber jedes Jahr ist anders und wir müssen das lernen. Zum Beispiel die drei Niederlagen vor Weihnachten: Wir hätten alle drei Spiele gewinnen müssen.

Radfahren verlernt man aber doch nicht.

Genau. Aber du musst erst lernen, wie man radfährt. Und diese Mannschaft hat es noch nicht gelernt, wie man gewinnt, zum Beispiel in Spielen, wo wir nicht die Topform haben. Da muss man den Weg finden.

Die Playoffs sind ja entscheidend. Noch ist Zeit. Und schwächer als das Vorjahresteam ist die aktuelle Mannschaft kaum.

Ja, wir haben Zeit. Und nein, sie sollte stärker sein. Wir haben Verletzungspech, das wir letztes Jahr nicht hatten. Es fehlen Heger, Stiefenhofer, auch Habermann. Im neuen Jahr sind hoffentlich alle fit und wir können unsere Spielweise finden – und dazu die Konstanz für 60 Minuten.

Wenn Billy Trew erst einmal 43 ist, klappt alles besser.

(lacht) Es muss besser gehen.

Gibt’s Geburtstagspläne für Sonntag?

Ist Sonntag mein Geburtstag? (lacht) Nein. Wir treffen Freunde. Kein besonderer Plan. Ausschlafen vielleicht.

Eine Karriere, drei Stationen

  • Beginn

    Das Gros seiner Karriere verbrachte Billy Trew von 1999 nach ein paar Startspielen in Grefrath bei den Straubing Tigers, bei denen seine Rückennummer 41 nicht mehr vergeben wird. Trew stieg mit dem niederbayerischen Klub aus der Oberliga in die 2. Bundesliga auf und gewann dort in den Aufstiegs-Playoffs 2006 die Serie mit 4:2 gegen die Eisbären des EV Regensburg.

  • Landshut

    Ab der Saison 2011/12 lief Billy Trew für vier Spielzeiten im Trikot der Landshut Cannibals auf, absolvierte 219 Partien für die Niederbayern und erzielte dabei 81 Treffer. Der Höhepunkt fand gleich im ersten Landshuter Trew-Jahr statt. Der Deutsch-Kanadier feierte mit Landshut die Meisterschaft – übrigens unter Jiri Ehrenberger, einem auch in Regensburg bestens bekannten Trainer.

  • EVR

    Am 17. Juni 2015 verkündete Eishockey-Oberligist EV Regensburg Billy Trew als Neuzugang, wo ihn Trainer Doug Irwin sofort zum Kapitän machte. Der Mittelstürmer kam in bisher 76 EVR-Spielen auf 111 Skorerpunkte (38 Tore und 73 Vorlagen). In dieser Saison war Trew, der 2008 zum Kreis der deutschen Nationalmannschaft gehörte, zwischenzeitlich sogar Liga-Topskorer.

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