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Leichtathletik

Es ruft ein Regensburger Super-Sonntag

Maren Kock ist in Amsterdam über 1500 Meter schnell genug für das Finale. Benedikt Huber verkauft sich im Halbfinale teuer.
Von Claus-Dieter Wotruba, MZ

Maren Kock ist am Sonntag im Endlauf über 1500 Meter dabei. Foto: Kiefner
Maren Kock ist am Sonntag im Endlauf über 1500 Meter dabei. Foto: Kiefner

Amsterdam. Natürlich liegt auch bei den Leichtathleten der Fokus auf Olympia im August – und doch: Fünf Regensburger Starter von der LG Telis Finanz bei der Leichtathletik-Europameisterschaft in Amsterdam am Sonntag sind rekordverdächtig. Ab 9.30 bzw. 9.50 Uhr laufen Anja Scherl, Franziska Reng, deren Einsatz nach einer Muskelentzündung allerdings fraglich ist, und Philipp Pflieger den Halbmarathon, der erstmals zum EM-Programm gehört. Ab 17.45 Uhr ist Maren Kock über 1500 Meter am Start. Den Abschluss macht Florian Orth ab 18.10 Uhr über 5000 Meter.

Maren Kock schaute am Freitagabend auf der Zielgeraden noch einmal kurz nach links und wusste: Es war knapp, aber es hat gereicht. Als Siebte ihres deutlich schnelleren zweiten Vorlaufs schaffte sie den Sprung in das Finale der besten zwölf, weil die Norwegerin Ingvill Makestad wie angekündigt das passende Tempo angeschlagen hatte. „Die kenne ich noch von der EM 2012. Sie ist früher einmal eine 4:01 gelaufen“, sagte Corinna Harrer zuhause am Fernsehschirm über die 34-Jährige. Harrer hatte nach einer schweren Achillessehnenverletzung vor einem Jahr alles versucht, aber erkennen müssen, dass der Körper noch streikt. „Die EM wäre eh kein Thema gewesen, deswegen schaue ich relativ entspannt zu. In Rio wird das wohl anders aussehen.“

Freude mit der Ex-Zimmerkollegin

Für die ersten beiden Tage zog Harrer eine gemischte Bilanz. Harrer freute sich über die Goldmedaille von Hürdensprinterin Cindy Roleder, die bei Olympia 2012 in London ihre Zimmerkollegin gewesen war. Sie erlebte auch den Absturz von Thomas Röhler, dem Weltranglistenersten im Speerwurf, der elf Meter hinter seiner heuer gezeigten Leistung blieb. „Man hat ihm die Enttäuschung angesehen. Da leidet man mit“, sagte Corinna Harrer.

Maren Kock war als Vorletzte in die letzte Runde gegangen und erspurtete sich auf der Zielgeraden in 4:11,67 Minuten den dritten Platz von vier Zeitschnellsten. „Das hat sie am Ende gut gelöst“, meinte Klubkollegin Harrer. „Sie hatte das Glück des schnelleren Vorlaufs“, sagte auch Telis-Teamchef Kurt Ring als Augenzeuge zu dem Auftritt. „Aber sie war ja auch das erste Mal bei einer großen Meisterschaft in so einem 1500-Meter-Feld. Das ist etwas Anderes.“

Ein Start über 5000 Meter bleibt der 26-jährigen Kock damit erspart. Auf dieser Strecke hatte Kock im Gegensatz zu den 1500 Meter erfüllt und war deswegen – kritisiert von der nationalen Konkurrenz – überhaupt nach Amsterdam mitgenommen worden. Auf ihrer Olympiastrecke von London hält Corinna Harrer viel für offen. „Bis auf die Niederländerin Sifan Hassan ist da nichts sicher – und die war auch verletzt“, sagt Harrer. „Da geht es sehr geballt zu und es wird sehr taktisch werden. Aber man sieht schon, dass viele Topläuferinnen Europas fehlen.“

„Den Buam hat keiner gekannt“

Weniger Glück hatte Benedikt Huber im Halbfinale über 800 Meter: Fast 600 Meter lief er im zweiten Lauf vorneweg, wurde von vier Mann überspurtet und schüttelte im Ziel enttäuscht den Kopf. Dem Debütant bei internationalen Großveranstaltungen fehlten nur 16 Hundertstel, um als einer von zwei Zeitschnellsten ind den Endlauf einzuziehen. „Das war ein mutiges und tolles Rennen von ihm“, sagte Kurt Ring. „Ich muss meinen Hut vor ihm ziehen, wie er sich verkauft hat. Er ist damit EM-Zehnter und vor einem Jahr hat den Buam doch noch keiner gekannt. Und mit ein bisserl Glück hätte es gereicht.“

Auf der Tribüne im Athletenblock verfolgte auch Anja Scherl die beiden Läufe ihrer Klubkollegen. Wie für Philipp Pflieger ist Amsterdam für sie „ein Zwischenziel auf dem Weg nach Rio“ und geht ohne eine konkrete Erwartungshaltung an den Start. „Der Halbmarathon wird erstmals ausgetragen. Da muss man sehen, was die Meldezeiten wert sind. Zumal es sehr windig werden soll, was sich auf die Zeiten und die Taktik auswirken kann.“

Im Halbmarathon wird es auch eine Europacup-Mannschaftswertung geben. Angesichts diverser Gesundheits- und Krankheitsprobleme traut Harrer den Frauen weniger zu als den Männern. „Die dürfen schon Richtung Stockerl schielen.“ Leichtathletik-Fans, die es gemeinsam mitverfolgen wollen, lädt Telis-Präsident Norbert Lieske übrigens ab 9.20 Uhr im Vorfeld des Jahn-Sommerfestes zum Frühstücks-TV beim Jahn-Wirt am Kaulbachweg in Regensburg ein.

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