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Kickboxen

Europameisterschaft ohne Weltmeister

Dominik Santls Nichtnominierung entfacht Streit zwischen Verband und Galaxy Gym. Bundes- oder Heimtrainer in der Ringecke?
von Maximilian Frickel, MZ

Dominik Santl (links) wurde von Verbandsseite nicht für die Junioren-Europameisterschaft nominiert. Foto: Galaxy Gym
Dominik Santl (links) wurde von Verbandsseite nicht für die Junioren-Europameisterschaft nominiert. Foto: Galaxy Gym

Regensburg.Dominik Santl ist amtierender Junioren-Weltmeister im Kickboxen in der K1-Kategorie der Klasse bis 86 kg Kampfgewicht und Sieger des WAKO-Europacups. Der Kämpfer von Galaxy Gym Regensburg gilt als eines der größten Talente des Deutschen Kickbox-Verbandes. Doch auf der Starterliste der Junioren-Europameisterschaft in Mazedonien sucht man seinen Namen vergeblich. Der Bundesfachverband verzichtet auf die Nominierung des Regensburgers, obwohl er deutschlandweit in der Junioren-Rangliste auf Platz eins und sogar bei den Herren auf Platz zwei geführt wird. Die Leistung des Athleten kann also nicht der Grund sein.

Cai Waldenberger, Galaxy Gym-Chef und Trainer von Dominik Santl, berichtet unserem Medienhaus, dass ihm Funktionäre der WAKO-Deutschland mitgeteilt hätten, dass es an der problematischen Beziehung zwischen ihm und dem Bundestrainer liegt. „Eine Problematik, die aber überhaupt erst aufkommt, weil der Kickbox-Verband bei internationalen Turnieren auf die Betreuung der deutschen Sportler besteht. Die Heimtrainer dürfen ihren Schützlingen im Ring nicht mehr zur Seite stehen“, stellt Waldenberger seine Sicht der Dinge dar.

Plädoyer für die Heimtrainer

Für Waldenberger ist diese Forderung nicht akzeptabel, vor allem, weil Bundestrainer Kai Becker bisher noch keine Kämpfer international in der K1-Kategorie betreut habe. Die Forderung Waldenbergers lautet nach wie vor: „Die Heimtrainer müssen auch oder gerade bei den internationalen Events in der Ringecke stehen, denn sie sind es, die die Wettkämpfer auch mental und psychisch am besten kennen.“ Dass die Betreuung der Kickboxer durch Heimtrainer zum Erfolg führen kann, haben Dominik Santl und sein Mentor am eigenen Leibe erfahren.

Der deutsche WAKO-Vizepräsident Andreas Riem unterstreicht gegenüber unserem Medienhaus die unterschiedlichen Positionen: „Der Verband hat die Zusammenarbeit mit Cai Waldenberger durchaus versucht. Allerdings stellte sich heraus, dass die Differenzen zwischen ihm und dem Verband einfach zu groß waren.“ Er spielt auf die Junioren-Weltmeisterschaft 2016 an, bei der der Verband dem Trainer erlaubte, Dominik Santl zu betreuen. Dies habe eine absolute Ausnahme für den Verband dargestellt, so Riem, denn eigentlich „fährt man als Mannschaft zu einem solchen Event und bringt dann alles, was man hat, in das Team ein.“ Diese Einstellung vermisse der Verband bei Dominik Santl und dessen Trainer. Die Aussage, dass Kai Becker Waldenbergers Schützling übernehmen soll, weist Riem entschieden zurück: „Kai Becker ist Vollkontakt-Bundestrainer. Er ist nicht für die K1-Kategorie zuständig, was sich auch bei der EM nicht ändern wird.“

Kickbox-Europameisterschaft

  • Die Junioren-Europameisterschaften

    im Kickboxen finden vom 2. bis 10. September in Skopje (Mazedonien) statt.

  • Insgesamt 51 Athleten

    werden den Deutschen-Kickbox-Verband vertreten. In acht Wettkampfklassen werden sie in den Ring steigen.

Nachdem Dominik Santl im Februar den Europacup in Kroatien und im März den Deutschlandcup in München gewonnen hatte, so berichtet Cai Waldenberger, sei „Kai Becker in unsere Ringecke gekommen“ und habe die Meinung vertreten, dass auch er den Regensburger international im K1 betreuen könne. Doch K1 ist eine völlig andere Disziplin wie das Pointfighting, das Leichtkontakt- oder Vollkontakt-Kickboxen ohne Lowkick und Knie, wofür Becker von der WAKO eingesetzt wurde, wirbt der Galaxy Gym-Chef für seine ablehnende Haltung.

Wie groß der Graben zwischen Trainer und Verband ist, machen viele widersprüchliche Aussagen deutlich. Der Verband wirft Waldenberger zudem vor, „dass er zu sehr versucht, seine eigenen Gesetze durchzusetzen und von uns erwartet, dass wir ihm den roten Teppich ausrollen. Diesen Gefallen werden wir ihm natürlich nicht machen. Uns ist das Kollektiv viel wichtiger als einzelne Personen.“

Sportler „stehen alle Wege offen“

Von Verbandsseite wird aber auch betont, dass der Konflikt mit Cai Waldenberger nicht am Rücken von Sportlern ausgetragen werden soll. „Dominik Santl stehen bei uns alle Wege offen. Allerdings muss sein Trainer die Einstellung gegenüber den Verband ändern, falls es zu einer harmonischen Zusammenarbeit kommen sollte.“ Ob es zu solch einer Einigung der Parteien kommt, bleibt freilich fraglich. Denn nach einer Aussage des WAKO-Vizepräsidenten Riem „tritt Galaxy Gym aus dem Verband aus“ – eine Aussage, der Cai Waldenberger widerspricht..

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