MyMz

Ausschreitungen

Fußballfans in der Region meist friedlich

In der Bundesliga häufen sich die Vorfälle von Gewalt. In der Oberpfalz gibt es auch Zwischenfälle – aber nur selten.
Von Robert Gherda, MZ

Stimmgewaltig sind die Fans in der Oberpfalz – auch die Anhänger des SSV Jahn Regensburg. Doch mit Pyrotechnik und Bengalischen Feuern, wie man es trotz strikten Verbots derzeit immer öfter in den Bundesliga-Stadien sieht, haben sie selten etwas am Hut.

Regensburg. Gerade mal eine Woche ist es her, dass das DFB-Sportgericht unter dem Vorsitz von Hans E. Lorenz Dynamo Dresden aufgrund schwerer Ausschreitungen Dresdner Fans beim Pokalspiel in Dortmund vom DFB-Pokal 2012/2013 ausschloss. Mit diesem harten Urteil wollte das Sportgericht ein Zeichen setzen, um derartige Ereignisse in Zukunft zu unterbinden.

Nie war die Gewalt in deutschen Fußballstadien größer und es sei nur noch eine Frage der Zeit, bis es Tote bei Ausschreitungen gebe, erklärte Lorenz. „Fußball ist zur Zeit eine der größten Bühnen unserer Gesellschaft. Auf dieser Bühne suchen viele einen Platz oder eine Nische, das gilt auch für gewaltbereite Menschen.“

Warum nimmt Gewaltbereitschaft der Fans zu?

Doch trotz der drakonischen Strafe gegen Dresden gab es am Wochenende bei den Westderbys in der Fußball-Bundesliga zwischen Köln und Mönchengladbach beziehungsweise Dortmund und Schalke und in der 2. Bundesliga im Duell zwischen Hansa Rostock und Union Berlin die nächsten Zwischenfälle. Wieder wurde randaliert, wieder wurde Pyrotechnik gezündet und Fußball-Deutschland stellt sich die Frage, warum die Gewaltbereitschaft rund um den Fußball derart zunimmt.

Erst im Oktober wurde der frühere Kapitän des FC Magdeburg Daniel Bauer in seiner Wohnung von Hooligans überfallen und bedroht. Die maskierten Männer drohten, bei einem Misserfolg im Prestige-Derby gegen den Halleschen FC wieder zu kommen. Auch in der Oberpfalz gebe es Gewaltmomente, erklärt Bezirksspielleiter Thomas Graml. Das Bezirksoberligaspiel zwischen dem SV Kulmain und der SpVgg Weiden (0:2) im August musste etwa nach Handgreiflichkeiten zwischen den beiden Fanlagern kurzzeitig unterbrochen werden und am 20. November wurde die Kreisklassenpartie zwischen dem FC Kosova Regensburg und der DJK Keilberg wenige Minuten vor Ende abgebrochen, nachdem Fans auf das Spielfeld stürmten und es zu Ausschreitungen kam.

Vorfälle in der Oberpfalz sind Ausnahmen

Diese beiden Fälle seien allerdings ebenso Ausnahmen wie ein Vorfall am vergangenen Wochenende, als ein hoher Vereinsfunktionär der TuS/WE Hirschau am Rande eines Spiels der C-Junioren gegen den FC Weiden/Ost den Schiedsrichter massiv beleidigt und bedroht haben soll.

Für Schiedsrichter Obmann Andreas Allacher ist dieses Beispiel ein Spiegelbild der Gesellschaft: „Man sucht den Fehler heutzutage doch meistens nicht bei sich selbst, sondern eher bei jemand anderem, und der Schiedsrichter ist in dieser Beziehung ein dankbares Ziel“, so Allacher, der als weiteren Beleg für die Dünnhäutigkeit der Vereinsfunktionäre von einem laufenden Verfahren erzählt, in dem ein Bezirksoberligist einen Schiedsrichter aufgrund seiner Leistung zivilrechtlich wegen Rufschädigung angezeigt hat.

„Eine Insel der Glückseligkeit“

Von Ereignissen wie in Magdeburg oder Dortmund sei man in der Oberpfalz jedoch meilenweit entfernt, meint Graml und berichtet auch, dass es gewaltmäßig keinen besonders auffälligen Schwerpunkt im Bezirk gebe. „Letztlich muss man sagen, dass wir uns hier auf einer Insel der Glückseligkeit befinden.“ Dennoch registriert der Spielleiter einen leichten Anstieg bei der Verwendung von Pyrotechnik und bengalischen Feuern.

In jüngster Vergangenheit fiel in dieser Hinsicht ein Fan des TB/ASV Regenstauf auf, der beim Freundschaftsspiel gegen den SSV Jahn Regensburg eine Rauchbome abfackelte und auch bei der Partie der A-Klasse Ost im Kreis Amberg zwischen der SpVgg Moosbach und TSV Waidhaus zündeten Unbekannte im Fanlager der Gäste einen Knallkörper. „Die Fans wollen für gute Stimmung sorgen und werden durch die Medienwirkung bei Bundesligaspielen immer wieder in Versuchung gebracht“, sagt Graml, der an die Vernunft der Fans appelliert. „Im Amateurbereich sind Körperabtastungen nur schwer durchsetzbar, aber Verletzungen an Silvester sollten für jeden Fan ein abschreckendes Beispiel sein.“ Bezirksspielleiter Thomas Graml ist sich sicher, dass das Urteil gegen Dynamo Dresden hilft, da Fans jetzt sehen, dass die Sportgerichte nicht nur Geldstrafen verhängen können. „In der Oberpfalz sind keine Chaoten am Werk, sondern nur Leute, die Stimmung im Kopf haben, aber das Urteil sollte auch dem Letzten deutlich machen, dass man mit solchen Aktionen dem Verein mehr schadet, als man ihm nützt.“

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht