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Fußballwelt sagt „Danke, Philipp!“

Philipp Lahm hat überraschend seine Karriere in der DFB-Auswahl beendet. In der Nationalmannschaft hat Bundestrainer Löw nun ein großes Problem.
Von Manuel Schwarz und Klaus Bergmann, dpa

Philipp Lahm hat überraschend seine Karriere in der DFB-Auswahl beendet.Foto: dpa

Berlin.Selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel verneigt sich vor Philipp Lahm. Der Weltmeister-Kapitän hat der Nationalelf nach dem glorreichen WM-Coup von Rio völlig überraschend Lebewohl gesagt. Besser geht’s nicht – nach dem größtmöglichen Triumph war für Lahm Schluss. „Herzlichen Dank für eine wunderbare Zeit!“, teilte der 30-Jährige am Freitag in einer Erklärung mit. Einer der besten und erfolgreichsten Verteidiger in der Geschichte des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) tritt am Zenit seiner internationalen Karriere ab - von der Fußball-Welt gab es fünf Tage nach dem vierten deutschen WM-Erfolg ein weiteres Mal Komplimente.

Schon am Morgen nach dem traumhaften Final-Abend von Maracanã mit dem 1:0-Krimi nach Verlängerung über Argentinien hatte der Bayern-Star Bundestrainer Joachim Löw informiert. „Als Trainer kann man sich einen solchen Spieler nur wünschen. Philipp ist ein Musterprofi, der alles dem Erfolg unterordnet“, sagte der Coach.

Löw lobt Lahm als „großartigen Spieler mit Herz“

Löw lobte Lahm als „großartigen Spieler mit Herz, Leidenschaft und Charakter“. Der Bundestrainer hat nun eine gewaltige Lücke in seinem Kader zu stopfen. „Sportlich wie privat wünsche ich ihm alles Gute. Danke, Philipp!“, sagte er. Abzuwarten bleibt, ob auch Löw an Bord bleibt.

DFB-Boss Wolfgang Niersbach wurde von Lahm erst am Freitag eingeweiht – Widerrede zwecklos. „Ich habe in dem Gespräch sehr schnell gemerkt, dass es aussichtslos ist, ihm seine Entscheidung ausreden zu wollen“, sagte Niersbach, der Lahm als „absolutes Vorbild“ bezeichnete.

Mit seinem Entschluss sorgte der Profi des FC Bayern München landauf landab für Aufregung. In Berlin äußerte sich sogar Merkel in einer eigentlich für innen- und außenpolitische Themen vorgesehenen Pressekonferenz. „Ich möchte die Gelegenheit nutzen, ihm meinen großen Respekt auszusprechen für das, was er für die Nationalmannschaft getan hat“, sagte sie. Die Regierungschefin hatte mit dem DFB-Team erst am Sonntag in Brasilien gefeiert.

Mehr als zehn Jahre in der Nationalmannschaft, 113 Länderspiele, drei Weltmeisterschaften, zwei davon als Kapitän, und als Krönung der Gewinn des wichtigsten Pokals der Welt: „Was für eine Art sich zu verabschieden!“, schrieb FIFA-Präsident Joseph Blatter bei Twitter.

„Mehr geht halt nicht!“, unterstrich Ex-Bundestrainer Rudi Völler. Dieser hatte Lahm am 18. Februar 2004 als 20-Jährigen erstmals in die A-Auswahl berufen. Seitdem war der Defensivspezialist in allen Matches gesetzt. Er wurde zu einem der wichtigsten Protagonisten im deutschen Fußball. Sein Treffer zum 1:0 gegen Costa Rica läutete 2006 das WM-Sommermärchen ein, acht Jahre später reckte er in Rio den WM-Pokal in die Höhe – und krönte eine ganze Kicker-Generation.

„Es gibt kaum einen besseren Abschied, als als Weltmeister auf dem Höhepunkt einer Karriere Schluss zu machen“, sagte Karl-Heinz Rummenigge. Der Vorstandschef des FC Bayern verwies zugleich aber auf eine entstandene Vakanz: „Für die Nationalmannschaft wird es aber nicht einfach, Lahm als Spieler, Mensch und Kapitän zu ersetzen.“

Als neuer Spielführer dürfte sich Lahms bisheriger Stellvertreter und Vereinskollege Bastian Schweinsteiger die Binde schnappen. Lukas Podolski schrieb auf Facebook: „Philipp, es war mir eine Ehre mit Dir Seite an Seite 10 Jahre beim DFB und 3 Jahre für Bayern München zu fighten, spielen und Erfolge zu feiern.“ Spaßvogel Thomas Müller stellte umgehend klar, dass er und Lahm natürlich Freunde bleiben.

Kein Außenverteidiger von Lahms Rang im DFB-Team

Fakt ist, dass der Weltmeister vorerst keinen Außenverteidiger von Weltformat mehr in seinen Reihen weiß. Damit muss Bundestrainer Löw erst einmal fertig werden – sofern es der Coach nicht sogar Lahm nachmacht und die Auswahl trotz Vertrags bis 2016 verlässt. Er müsse „jetzt erstmal zur Ruhe kommen“, sagte Löw der „Bild“-Zeitung.

Sein Musterschüler Lahm hat das Thema DFB-Team dagegen abgehakt. Er verlasse die Nationalmannschaft „in völliger Harmonie“, sagte der gebürtige Münchner der „Sport Bild“. In seinem Statement stellte der Familienvater klar, dass seine Entscheidung sogar schon während der vergangenen Saison gefallen sei. „Ich bin seit drei Tagen im Urlaub und habe hier Ruhe und Zeit, meine Nationalmannschaftskarriere gedanklich abzuschließen“, hieß es in den wenigen Sätzen weiter.

Womöglich spürte Lahm das Jahrzehnt in der absoluten Weltspitze auch körperlich, noch während der WM sagte er: „Beschwerdefrei findet man selten vor bei uns im Sport.“ Bayerns Sportvorstand Matthias Sammer meinte: „Nur Philipp kann fühlen, ob seine Entscheidung zu diesem Zeitpunkt die richtige ist. Sie nötigt mir auf jeden Fall den allergrößten Respekt ab.“

Beim FC Bayern hatte der Verteidiger die Zukunft schon vor der WM geregelt, als er bis 2018 verlängerte und betonte, in seiner Laufbahn zu keinem anderem Club mehr wechseln zu wollen. Und eines ist ja auch klar: Auch außerhalb der Nationalmannschaft gibt es noch einiges zu gewinnen für Philipp Lahm. Das weiß selbst FIFA-Boss Blatter: „Seine brillante Karriere wird nach seinem DFB-Rücktritt weitergehen!“

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